Umweltmedizin und Baubiologie: Magere Bilanz

von | 11.10.2018

Akut asbl sieht Nachholbedarf beim gesunden Bauen, der Umweltmedizin und der Reglementierung von Schadstoffen. Ihre Kritik an der Gesundheits- und Umweltpolitik der letzten fünf Jahre will das Gesundheitsministerium indes nicht gelten lassen.

Bild: Wikipedia

Die Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie (Akut) zeigt sich von der aktuellen Regierung enttäuscht. Das Gesundheitsministerium habe nicht die notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Umweltbelastungen umgesetzt. Dazu zähle eine Umweltklinik, die zwar im Koalitionsprogramm steht, jedoch immer noch nicht implementiert worden sei. Auch die angekündigte Überprüfung der „Smartmeter“ – also „intelligenten“ Stromzählern – auf gesundheitsbeeinträchtigende Strahlenbelastung sei nicht durchgeführt worden. Zudem sieht sich Akut vom Nationalen Aktionsplan gegen Krebs enttäuscht, da er zu wenige konkrete Maßnahmen zur Reduktion krebserregender Schadstoffe und elektromagnetischer Strahlen enthalte. Die asbl begrüßt indes, dass im nationalen Komitee für nachhaltiges Bauen (CNCD) die Arbeitsgruppe „Gesundheit“ eingeführt wurde.

In einer Stellungnahme wehrt sich das Gesundheitsministerium gegen einige der Vorwürfe. So widerspricht es beispielsweise der Behauptung, dass die Mehrzahl an Krebserkrankungen durch Umweltfaktoren verursacht würden. Hauptrisikofaktoren seien Tabak, Alkohol, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung. Das Ministerium bezieht sich auf das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, dem zufolge lediglich fünf Prozent aller Krebserkrankungen auf Umweltfaktoren zurückgeführt werden könnten. In der Krebsprävention des Ministeriums sei aber durchaus die Reduktion von Umweltfaktoren wie Radon, Feinstaubbelastung, Sonnenstudios oder Passivrauchen vorgesehen. Zwei solche Maßnahmen sind die Kampagne „Le radon en 10 questions“ und der Nationale Aktionsplan zum Kampf gegen den Tabakkonsum. Auch die Schaffung eines nationalen Dienstes für Umweltmedizin sei laut Spitalgesetz vorgesehen. Als weiteren Beweis dafür, dass das Ministerium die Anliegen von Akut ernst nehme, wird betont, dass die asbl über eine Konvention mit dem Minsterium verfüge und dieses Jahr mit 83.250 Euro unterstützt worden sei.

Blick in die Zukunft

Neben Kritik an der aktuellen Regierung präsentierte Akut zudem eine Analyse der vorliegenden Wahlprogramme. Die Parteien waren gefragt worden, welche Maßnahmen sie in Bezug auf Umweltgesundheit planen würden. Zu den gestellten Fragen gehörten zum Beispiel diese: „Wie gedenken Sie die Strahlenrisiken zu minimieren, insbesondere gegenüber Risikogruppen wie schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche sowie hypersensible Menschen?“ Oder: „Ist Ihre Partei bereit Aufklärungskampagnen über „Indoor-Pollution“ zu fördern?“

Präsident Jean Huss stellte mit Bedauern fest, dass einzig die Regierungsparteien und die KPL auf das Schreiben mit dem Fragebogen reagiert hätten. Während alle Parteien für ein Verbot von Quecksilber- amalgam sind, sprechen sich einzig Déi Gréng und die KPL in ihren Programmen klar für ein Zurückgreifen auf alternative Zahnersatzmaterialien aus. Auch in puncto Elektrosmog, Pestiziden und „endocrine disruptors“ setzen sich Déi Gréng und die KPL für eine Reduktion ein und suchen nach Alternativen. Ein vergleichbar konsequentes Durchgreifen fehlt Akut asbl bei DP und LSAP. Bezüglich gesundem Bauen begrüßt die asbl, dass sowohl LSAP als auch Déi Gréng und KPL sich für die Implementierung eines „Observatoire de la qualité de l’air intérieur“ aussprechen. Am zufriedensten zeigt sich Akut insgesamt von Déi Gréng und der KPL. Anders als beispielsweise die LSAP hätten beide Parteien verstanden, dass ein interdisziplinärer Ansatz nötig sei.

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