Verhütung: Viele Fragen, wenige Antworten

Die Erweiterung der Kostenrückerstattung von Verhütungsmethoden lässt auf sich warten. Zwischenzeitlich hätte man Menschen mit Penis verstärkt für das Thema sensibilisieren können. Die Regierung sieht das anders.

Foto: Dirk Vorderstraße / flickr.com

Schwangerschaftsverhütung wird gemeinhin als „Frauensache“ betrachtet. Nicht nur in der Hinsicht, dass es oft gebärfähigen Menschen obliegt, sich um deren Organisation und Finanzierung zu kümmern: Es sind auch meist sie, die die hormonellen Varianten einnehmen. Das, obwohl es mittlerweile auch ähnliche Mittel für Menschen mit Penis gibt. Vor diesem Hintergrund wollten François Benoy und Marc Hansen (beide déi Gréng) kürzlich von der Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern Taina Bofferding (LSAP), Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und den Minister für Soziale Sicherheit Romain Schneider (LSAP) wissen, ob die Regierung plane, sogenannte „männliche Verhütungsmittel“ – neben hormonellen Optionen auch Kondom und Vasektomie – zu bewerben. Die Abgeordneten interessierten sich für eine potenzielle Kostenrückerstattung, gezielte Sensibilisierungskampagnen und Gesundheitsangebote für sexuelle und affektive Gesundheit, die sich spezifisch an Männer richten.

Anlass zu den Fragen gab neben der Sorge um mehr Geschlechtergerechtigkeit auch die partielle Kostenrückerstattung, die für manche Verhütungsmittel gilt. 2018 gab es diesbezüglich die letzte Reform: Gebärfähigen Menschen werden bis zum 30. Lebensalter für die „Pille“, den Vaginalring, das Verhütungspflaster sowie die Hormon- und Kupferspirale 80 Prozent der Kosten rückerstattet. Laut Koalitionsvertrag ist vorgesehen, dieses Angebot auf alle Altersgruppen und Verhütungsmethoden zu erweitern. Benoît und Hansens Frage, wann genau mit dieser Generalisierung zu rechnen sei, beantworten die Minister*innen nicht. Ebenso wenig, wann, wie angekündigt, Kondome in öffentlichen Institutionen gratis erhältlich sein werden: „Les modalités pratiques de mise à disposition des préservatifs gratuits n’ont pas encore été arrêtées“, so die schwammige Antwort. Was jedoch bereits feststehe sei, dass Sterilisation nicht unter die erstattungsfähigen Verhütungsmethoden falle. „Le choix de ce type de méthode doit être l’objet de réflexion du fait de son caractère souvent irréversible“, schreiben die Minister*innen hierzu. Ob dies die offizielle Begründung für die Entscheidung oder bloß eine allgemeine Information ist, geht aus der Antwort nicht hervor.

Die Frage über potentielle Sensibilisierungskampagnen wird ebenfalls nicht beantwortet – es ist also davon auszugehen, dass keine geplant sind. Was Gesundheitsangebote für Menschen mit Penis angeht, verweisen die Minister*innen auf Allgemeinmediziner*innen. Das heißt konkret: Es ist nicht vorgesehen, Anlaufstellen für Menschen mit Penis zu schaffen, die sie in Sachen sexuelle und affektive Gesundheit systematisch begleiten. Für gebärfähige Menschen gibt es hierfür Gynäkolog*innen.


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