Von lesbischen Schweinchen und Häschen

von | 21.08.2020

Diana Obomsawins Comic „Ich begehre Frauen“ behandelt unter anderem das Begehren lesbischer Häschen – aber es ist kein Tierlexikon, sondern die liebevolle Darstellung von lesbischem Begehren und verschiedenen Beziehungsformen.

Bildquelle: edition moderne

Auch Häschen, Pferde, Schweinchen und Hunde können lesbisch sein – zumindest in Diana Obomsawins „Ich begehre Frauen“. Obomsawin zeichnet darin die Geschichten zehn lesbischer Figuren nach. Sie sprechen über ihr Begehren, über ihre ersten Liebeserfahrungen, Sex und ihr Coming-Out.

Die Zeichnungen sind unprätentios. In ihrer Einfachheit und in der verknappten Sprache liegt der Charme des Comics. Trotz wenig Schickschnack steckt viel in „Ich begehre Frauen“: Reflexionen über Polyamorie, die Liebe und Faszination zwischen verschiedenen Altersgruppen und zwischen Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung, Religion und Homosexualität, Gedanken zu Kleidung und Identität oder späte Coming-Outs. Die niedlichen Figuren und der unbeschwerte Tonfall machen die komplexen Themen leicht zugänglich.

Der große Mehrwert des Buches besteht aber darin, dass er lesbisches Begehren und lesbische Geschichten sichtbar macht. Obomsawin, die als Trickfilmerin und Comicautorin arbeitet, versteht es, intime Einblicke in das Leben von Figuren zu geben, die sonst oft im Verborgenen begehren und sich in der Mainstream-Kultur nicht wiedererkennen. „Ich begehre Frauen“ ist besonders für junge Heranwachsende wertvoll: Obomsawin geht in den einzelnen Episoden wiederholt auf die Entdeckung der eigenen Sexualität im Schulalter ein. Sie spricht die damit verbundenen Konflikte spielerisch an und gibt zu verstehen: „Du bist mit deinen Fragen und deinem Begehren nicht alleine.“ Dieses Gefühl vermittelt das Buch auch erwachsenen Leser*innen. Es fällt leicht sich mit den Häschen, Schweinchen, Hunden und Pferden zu identifizieren – unabhängig der eigenen sexuellen Orientierung – weil sie am Ende vor allem darüber sprechen, wie es sich anfühlt, zu lieben, zu begehren, zu zweifeln, Beziehungen entstehen und zerbrechen zu sehen.

Das Comic-Buch erschien 2014 unter dem Titel „On Loving Women“ auf englisch bei „Drawn and Quarterly“ . Der Verlag „edition moderne“ veröffentlichte Mitte August die deutsche Übersetzung „Ich begehre Frauen“.

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