Die Sprachen Brasiliens
Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, Sänger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf Stücke kooperiert er mit einem*r anderen Sänger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte Gesangskünstlerin Flávia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico César oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des Tropicália-Stils gehört. Neben Brasilianer*innen hat er auch Sänger*innen aus Mali, Sizilien und Galicien eingeladen. Santtana wurde im brasilianischen Salvador de Bahia geboren und lebt nun im französischen Montpellier. Die Lieder des neuen Albums präsentieren verschiedene – auch indigene – Sprachen, die früher in seiner Heimat verbreitet waren und sich dann mit dem Portugiesischen verbunden haben. Daraus hat sich laut Santtana das Brasiliano entwickelt. Das gleichnamige Album ist musikalisch wie sprachlich vielfältig – mit Samba, Rock, Balladen und Reggae kommt keine Langeweile auf.
Lucas Santtana – Brasiliano – No Format!
Schwedisch-finnische Polska
Dass Akkordeon und Violine bestens harmonieren können, beweisen die schwedische Violinistin Lena Jonsson und die Finnin Johanna Juhola an der Ziehharmonika, die als Besonderheit über eine erweiterte Basstastatur verfügt. Beide haben eine lange Liste an Plattenaufnahmen vorzuweisen, teils solo, teils im Duo-, oder Trioformat, und sind in ihren Heimatländern mit Preisen ausgezeichnet worden. Auf ihrem gemeinsamen Album The Power of Polska feiern sie ihr sich deckendes musikalisches Erbe, die Polska. Polska ist ein in den meisten Ländern Nordeuropas verbreiteter und beliebter Tanzstil, der nur scheinbar aus Polen stammt. Die Musikforschung sieht heute die Wurzeln der Polska, die oft auf einem 3/4-Takt basiert, in den tradierten Tanzformen Skandinaviens. Die zwölf Instrumentals, die Jonsson und Juhola überwiegend selbst geschrieben und aufgenommen haben, sind zum größten Teil elegische, eher besinnliche Stücke, aber manchmal werden sie auch energisch, wie beispielsweise beim „Tango efter Max Höjd“, bei dem der Tango-Revolutionär Astor Piazzolla durchklingt. Da haben sich zwei große Musikerinnen gefunden!
Lena Jonsson & Johanna Juhola – The Power of Polska – Nordic Notes
Die verschleppten Kinder des Donbas
Daughters of Donbas ist ein Projekt, das die Sängerin und Pianistin Marichka, die seit Kriegsbeginn in der Ukraine wie auch in Kanada wohnt, ins Leben gerufen hat. Es verfolgt das Ziel, das furchtbare Schicksal der ukrainischen Kinder, die vom Putin-Regime nach Russland verschleppt worden sind, zu thematisieren. Marichka hat im von Russland überfallenen Donbas als Journalistin von der Front berichtet und sich dort auch um die medizinische Versorgung Verwundeter gekümmert. Das Schicksal der nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder hat sie ganz besonders betroffen gemacht. Deshalb hat sie das „Daughters of Donbas“-Projekt gegründet, das aus ukrainischen und kanadischen Frauen besteht, die eigene Kompositionen mit Bezug zur ukrainischen Folklore in Szene setzen. Die Texte auf Songs of Stolen Children behandeln das Schicksal der entführten Kinder, von denen einige wenige heimlich wieder zu ihren Familien zurückgebracht werden konnten. Im Vordergrund steht der Gesang, begleitet von Piano, Violinen, Cello, Kontrabass und der ukrainischen Bandura-Laute. Ein tief bewegender musikalischer Appell, die entführten ukrainischen Kinder zurückzuholen.
Daughters of Donbas – Songs of Stolen Children – Daughters of Donbas (erhältlich als Download oder Streaming)
Pizzica-Urgesteine
Vor wenigen Wochen hat Maria Mazzotta ihr aktuelles Soloalbum veröffentlicht. Zeitgleich hat ihre ehemalige Gruppe Canzoniere Grecanico Salentino, der sie 15 Jahre lang angehörte, die neue Platte Il Mito herausgebracht. Mit dieser feiert die Band ihr 50-jähriges Bestehen. 1975 von der Schriftstellerin Rina Durante im Salento, dem tiefen Süden Italiens, gegründet, wurde die Musikgruppe bis 2007 von Daniele Durante geleitet. Dieser übergab dann den Stab an seinen Sohn Mauro. Il Mito ist immerhin das zwanzigste Album des Ensembles, das die süditalienische Musik um den ganzen Globus trug und trägt. Taranta beziehungsweise Tarantella ist die Bezeichnung für einen feurigen Tanz von Frauen, der früher nur von der Tamburello-Handtrommel begleitet wurde und dem Volksglauben nach den giftigen Biss einer Tarantel heilen soll. Die Tarantella-Variante im Salento ist die Pizzica, die im Mittelpunkt der Musik des Septetts steht, was aber nicht ausschließt, dass, wie auf der aktuellen Platte, auch getragene Lieder vorkommen und hier und da mit schrägen Dissonanzen gearbeitet wird. Zum Jubiläum hat die Band ein glänzendes Meisterstück vorgelegt, das alle Facetten ihres Könnens dokumentiert.
Canzoniere Grecanico Salentino – Il Mito – Ponderosa Music Records
World Music Charts Europe April – Top 20
1. Daughters of Donbas – Songs of Stolen Children – Daughters of Donbas
2. Raül Refree & Maria Mazzotta – San Paolo di Galatina – Galileo
3. Canzoniere Grecanico Salentino – Il Mito – Ponderosa
4. Catrin Finch – Notes to self – Bendigedig
5. Tinariwen – Hoggar – Wedge
6. Stelios Petrakis – Lyric – Buda Musique
7. Souad Massi – Zagate – Backing Track
8. Tehrani Drom & Parisa Karimi Molan – Unveiled – Lulaworld
9. Tomáš Kočko & Orchestr – Perperuna – Tomáš Kočko & Orchestr
10. The Three Seas – Antahkarana – The Three Seas
11. Amsterdam Klezmer Band – Diaspora – Asphalt Tango Records
12. Altin Gün – Garip – Glitterbeat
13. Las Hermanas Caronni – El Espacio del Tiempo – Les Grands Fleuves
14. Beata Bocek – Bílo – Indies Scope
15. BashElán – Titkon – Fonó
16. Monoswezi – Moyo – Parallell
17. Vigad – Tri, i – Fonó
18. Lena Jonsson & Johanna Juhola – The Power of Polska – Nordic Notes
19. Tuuletar – Maammo – Nordic Notes
20. Muluken Mèllèssè – Éthiopiques 31 – Buda Musique
Die WMCE TOP 20/40 bei: www.wmce.de, Facebook „Mondophon auf Radio ARA“

