Willis Tipps: Januar 2026

von | 09.01.2026

Slowakische Roma-Musik

Júlia Kozáková kommt aus der Slowakischen Republik und ist eine herausragende junge Sängerin, die Jazz und Flamenco kennt, aber vor allem den Gesang der Rom*nja perfekt beherrscht. Selbst keine Romni, ist sie aber in früher Jugend bereits in den Gesang dieser Bevölkerungsgruppe eingeführt worden. 2022 veröffentlichte sie ihr erstes, preisgekröntes Album unter dem Titel „Manuša“, was auf Romani „Menschen“ bedeutet und Kozákovás humanistischen Ansatz definiert. Nach einem zweiten Album, auf dem sie sich auf Jazz konzentrierte, ist nun Manuša II erschienen, das wieder Rom*nja-Musik in den Mittelpunkt stellt. Diese spielt nicht nur in Ungarn, sondern auch in der Slowakischen Republik eine ganz bedeutende Rolle. Kozáková hat für ihr aktuelles Album erneut versierte Roma-Musiker ausgewählt, die bis auf eine Ausnahme auch schon auf dem ersten Album dabei waren. Besonders hervorzuheben sind der „Primas“-Violinist, der Cimbalom-Spieler und der als Gast fungierende Gitarrist, die großartige Virtuosen und Improvisatoren auf ihren Instrumenten sind und Kozákovás brillanten Gesang meisterhaft ergänzen. Am 26. März live im CAPE, Ettelbrück.

Júlia Kozáková – Manusa II – CPL_Music

Soukous-Legende

Die Rumba congolaise, später auch Soukous genannt, entstand aus einer Kombination von lokalen Stilen mit afrokubanischer Musik. Als eigenständiges musikalisches Genre bildete sie sich in Kinshasa zur Zeit des belgischen Kolonialrückzugs in der Demokratischen Republik Kongo heraus. Über Jahrzehnte dominierte sie nicht nur die Musikszenen in Zentralafrika, sondern erreichte auch die aufblühende Weltmusikszene im globalen Norden. Im Laufe der Jahre wurde die E-Gitarre ein dominantes Instrument, das hypnotische, perlende Melodieläufe lieferte. Bald schon war Syran Mbenza einer der ganz Großen auf diesem Instrument. Bekannt wurde er zunächst als Gitarrist des Soukous-Stars Sam Mwangana und später als Mitglied der „Supergroups“ Quatre Étoiles und Kékélé. Nach einer Pause von 16 Jahren ist der nun 75-Jährige mit großem Ensemble und dem Album Rumba Africa zurück. Er hat nichts verlernt und besticht, wie früher schon, durch seine originellen, ansteckenden Melodielinien. Die elf Stücke zeigen die verschiedenen Tempovarianten des Soukous und in aller Regel folgt nach dem Gesangspart der funkelnde Instrumentalteil. Ein tolles Revival mit großen Stimmen, schönen Saxofon-Riffs und erstklassiger Gitarrenkunst!

Syran Mbenza – Rumba Africa – Hysa Production, Sterns

Cumbia und mehr

In Marseille hat sich vor 15 Jahren ein Oktett zusammengefunden, dessen Mitglieder teils aus dieser südfranzösischen Stadt, teils aus Santiago, der Hauptstadt Chiles, stammen. Sie nennen sich Cumbia Chicharra, haben 2009 ihre erste Platte veröffentlicht und sind jetzt mit ihrem fünften Album auf dem Markt. Die Cumbia ist bekanntlich ein besonderer Musikstil im Viervierteltakt mit starker Betonung auf der Eins und der Drei. Ihr Ursprung liegt in Kolumbien und hat längst weltweit eine Fangemeinde. Der Name der Band ist insofern etwas irreführend, als das Ensemble zwar viel Cumbia im Repertoire hat, aber ebenso andere Latinstile beherrscht. So ist es auch auf dem neuen Album, das sie Quinto Mundo genannt haben. Das ist aber durchaus kein Nachteil, sondern sorgt für interessante Abwechslung. Das Stück „Esa manera“ hat ein starkes Salsa-Feeling und „Yacumama“ ist deutlich am Afrobeat orientiert. Drei Perkussionisten und ein Bassist beziehungsweise Gitarrist sorgen für eine stabile Basis, auf der sich Keyboard, Akkordeon, Flügelhorn, Kornett und Posaune entfalten können. Von den drei Stimmen gefällt vor allem der Sopran von Pati Gajardo. Eine sehr schöne Latinscheibe mit ordentlich Groove!

Cumbia Chicharra – Quinto Mundo – Music Box Publishing

Indonesien Rock

Nusantara Beat ist eine Gruppe von sechs jungen Menschen aus Amsterdam, die eine moderne Form indonesischer Musik spielen. Indonesien war jahrhundertelang eine niederländische Kolonie und alle Bandmitglieder haben dort ihre familiären Wurzeln. „Nusantara“ ist eine alte Bezeichnung für die Gesamtheit der Inseln, die heute Indonesien bilden. Von indonesischer Musik kennt man in Europa bestenfalls Gamelan als Begleitung zeremonieller Zusammenkünfte. Die modernen Stile von dort, auf die sich Nusantara Beat beziehen, sind hier weitestgehend unbekannt geblieben. Die Besetzung der Gruppe ist rocktypisch und klanglich orientiert sie sich an Surf- und Psychedelic-Sounds, wie man vor allem im Spiel der E-Gitarre hören kann. Ganz entscheidend ist aber die melodiöse Orientierung am fünf- bis siebenstufigen Tonleitersystem der Gamelan-Variante Pelog mit unterschiedlich großen Intervallen. Nach drei Vinyl-Singles ist jetzt das Debütalbum Nusantara Beat erschienen, in dessen Mittelpunkt die Stimme von Megan de Klerk steht, die mal glockenhell, mal kräftig artikuliert. Spannender Indonesien-Rock und erfrischend anders!

Nusantara Beat – Nusantara Beat – Glitterbeat


World Music Charts Europe Januar – Top 10 (online) / Top 20 (print)

1. Júlia Kozáková – Manuša  II – CPL-Music
2.Noura Mint Seymali – Yenbett – Glitterbeat
3. Syran Mbenza – Rumba Africa – Hysa Productions, Sterns
4. Xabi Aburruzaga – Bask – DND
5. Le Vent du Nord – Voisinages – La Compagnie du Nord
6. Lívia Mattos – Verve – YB Music
7. Senduki – Stranìa – Alfa Music
8. Veronika Varga – True Picture – CPL-Music
9. Nusantara Beat – Nusantara Beat – Glitterbeat
10. Suntou Susso – Jaliya Silokang – Suntou Susso
11. Saodaj – Lodèr la vie – Buda Musique
12. Terrae – Nostre Gra – Segell Microscopi
13. Lina & Marco Mezquida – O Fado – Galileo
14. Burhan Öçal & Jamaaladeen Tacuma – Gülbaba Records
15. Almasäla – Yendö – Ventilador Music
16. Arnau Obiols – Ocelltambor – Segell Microscopi
17. Barlast – Imitation Game – Barlast
18. Joao Leao – Celestial – YB Music
19. Divanhana – Radio Sevdah – CPL-Music
20. Guitari Baro – Guitari Baro – Chrysaliy Records

Die WMCE TOP 20/40 bei: www.wmce.de, Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und woxx.lu

 

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