MOBILITÄTSWOCHE: Das vergessene Car-Sharing

Die Bilanz der Mobilitätswoche ist zwar positiv, doch der Aspekt der Nachhaltigkeit ging in die Rechnung nicht mit ein.

Ein Parkplatz in der Avenue de la Gare – am „Park(ing) Day“ zu einem kreativen Platz zum Ausruhen verwandelt.

Von Donnerstag vergangener Woche bis einschließlich gestern wurde auch in Luxemburg die Europäische Mobilitätswoche mit dem Motto „Travel smarter, live better“ durchgeführt. Das Nachhaltigkeitsministerium, der Syvicol (Syndicat des Villes et des Communes Luxembourgeoises) und der Verkehrsverbund hatten ein breitgefächertes Programm an Aktionen und Aktivitäten rund um das Thema Mobilität zusammengestellt. Dabei standen dieses Jahr vor allem die Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs im Vordergrund. Eines der Highlights in der Hauptstadt war fraglos die Inbetriebnahme der modernen elektronischen Anzeigetafeln für die Busfahrzeiten.

François Bausch, Déi Gréng-Abgeordneter und Schöffe der Stadt Luxemburg, zieht im Großen und Ganzen eine positive Bilanz der Woche: „Ich bin sehr zufrieden, weil wir geschafft haben, was wir uns konkret vorgenommen hatten, so zum Beispiel das neue Busleitsystem in der Stadt. Auch die Beteiligung der Bürger an den Aktivitäten war sehr gut, zum Beispiel am ,Park(ing) Day‘ oder an den organisierten Fahrradtouren.“ Tatsächlich verzeichnete der erste „Park(ing) Day“ in Luxemburg 17 angemeldete Projekte und zusätzlich eine Reihe spontaner Ideen zur anderweitigen Verwendung von Parkplätzen.

Dennoch wurde ein ganz wichtiger Aspekt nicht weiter verfolgt, wie François Bausch hervorhebt: „Was insgesamt doch stört, ist, dass auf nationaler Ebene nicht ausreichend Nachhaltiges geboten wurde. Es gab viele Einzelaktionen, die für einen Tag oder für diese Woche eine gewisse Gültigkeit hatten, nun aber nicht weitergeführt werden.“ Dazu gehören wohl auch einige Aktivitäten der Mobilitätszentrale. „Es ist sicher nett, wenn das Transportministerium am Abschlusstag im Hauptbahnhof den Kunden eine Blume oder ein Getränk überreicht, doch ist das nichts Konkretes. Leider besteht die Mobilitätswoche viel zu sehr aus netten Gesten und symbolischen Aktionen.“

Auch das nachhaltige Konzept des Car-Sharing hat man diesmal links liegenlassen. „Die Behauptung des Generaldirektors des Verkehrsverbunds, Gilles Dostert, gegenüber der woxx, dass die Stadt Luxemburg für Car-Sharing ungeeignet sei, ruft bei der Stadtverwaltung Empörung hervor. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie die Mobilitätszentrale das hat behaupten können. Wir sind mit einem konkreten Projekt befasst und waren noch im Juli in der Schweiz, um uns eines der ersten Car-Sharing Systeme anzusehen“, so Bausch.

Tatsache ist, dass ein solches Konzept der Autonutzung an die jeweiligen Gegebenheiten einer Stadt angepasst werden muss, was eine gewisse Planungsphase notwendig macht. Gerade die zahlreichen Grenzgänger in der Hauptstadt stellen einen Faktor dar, der in anderen Städten nicht anzutreffen ist. Auch muss hierzulande im „Code de la Route“ eine Änderung vorgenommen werden, nach der es gesetzlich zulässig ist, öffentliche Parkplätze für Car-Sharing Autos zu reservieren.

Bei der Mobilitätswoche 2011 soll das Prinzip des Autoteilens jedoch auf die Tagesordnung kommen. „Wenn alles so läuft, wie erwünscht, dann werden wir nächstes Jahr im September Car-Sharing in den Mittelpunkt stellen“, gibt sich François Bausch zuversichtlich. Bis dahin wird weiterhin zumindest ein universelles und umweltfreundliches Fortbewegungsmittel gefördert: das Fahrrad.


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