FORTBEWEGUNG: Talk talk

Moderne Formen urbaner Mobilität waren das Thema der jüngsten „Cité Talks“-Gesprächsrunde. Doch eine heiße Debatte zu dem interessanten Thema fand nicht statt.

Keinen einzigen Meter Schiene mehr als in den 70er Jahren: Ein modernes schienengebundenes Verkehrsystem lässt immer noch auf sich warten.

Es hätte ein spannender Abend werden können. Die Organisatoren von „Cité Talks“, die Stadt Luxemburg und die Fondation de l’Architecture et de l’Ingénierie, hatten für die Veranstaltung am vorigen Donnerstag das Thema Fortbewegung gewählt. Um eine „neue Kultur der urbanen Mobilität“ sollte es gehen, um Carsharing, autoloses Wohnen in der Stadt, um neue Infrastrukturprojekte im Transportbereich u. a. m.

Doch so modern die Themen, so altbacken die Diskussion. Nachdem Jean Schiltz, Direktor der technischen Dienste der Stadt Luxemburg, Romain Diederich vom Landesplanungsamt und Charles Ruppert, Leiter der Internetseite „Les Frontaliers“, in langen Monologen ihre Gedanken und Pläne dargestellt hatten, war die Zeit fast um: Die angekündigte Debatte fand so gut wie gar nicht statt.

Dabei fehlte es nicht an interessanten Stichworten. So deutete Schiltz an, dass gerade eine neue Bushaltestelle auf der Kirchberger Seite der Roten Brücke entsteht ? wohl im Rahmen der Reamenagierung des Straßenabschnitts des Boulevard Kennedy vor dem Place de l’Europe, die zügig voranschreitet. Gearbeitet wird auch an einem Carsharing-Konzept. Der Vertreter der Stadt betonte aber, wie wichtig es sei, die Mobilität nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch hinsichtlich des Zugangs zu ihr zu verbessern. Wenn dann allerdings, wie auch hier, vom Ausbau des Boulevard périphérique auf sechs Spuren geredet wird, fragt man sich, ob in Sachen Mobilität wirklich ein profundes Umdenken stattgefunden hat.

Landesplaner Romain Diederich freute sich darüber, dass es im Personentransport nach einer langen Durststrecke nun wieder konsequent bergauf gehe. Ein Indiz dafür sei die Tatsache, dass mit der Gare Belval zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder ein neuer Bahnhof in Luxemburg entstanden ist. Was allerdings die Stadt Luxemburg betrifft, hielt er sich mit Informationen auffällig zurück. Zur Anbindung von Kirchberg an den Zugverkehr, so verriet er immerhin, werde es „in einer gewissen Zeit“ mehr Details vonseiten des zuständigen Ministers geben.

Charles Ruppert, der vom früheren Wort-Direktor zum Betreiber einer Homepage mutiert ist, die sich speziell an GrenzgängerInnen richtet, befand ebenfalls: „Mir sinn a Saache Verkéier den Entwécklungen onwahrscheinlech hannendru gelaf.“ Heute spiele Luxemburg jedoch häufig eine Vorreiterrolle, wenn es um neue Konzepte gehe. Als Beispiel nannte er den Novabus, einen Taxibus für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. So etwas gebe es zum Beispiel im nahen Frankreich nicht.

Ganz in ihrer Rolle war Laure Simon vom Mouvement écologique, als sie die angekündigten Projekte kritisch hinterfragte. So dürfe man beim Thema Carsharing das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verlieren. Dieses sei, eine Einrichtung zu schaffen, die es den Leuten ermöglicht, auf den Besitz eines eigenen Autos ganz zu verzichten. Die im Zuge dieser Umstellung freigewordenen Autostellplätze müssten zudem konsequent dem Individualverkehr entzogen und in Grünflächen umgewandelt werden.

Simon forderte die Stadt auch auf, über ihre Urbanismus-Politik nachzudenken: „Nei Quartiers-Flächen sollt een direkt sou bauen, datt manner Autoverkéier entsteht.“ Doch eine Urbanismus-Fachperson der Stadt stand leider bei der Diskussion nicht zur Verfügung – das monierte auch ein Zuhörer, der vor Jahren aus der Stadt weggezogen war: „Ech géif rëm zréck kommen, wann d’Häiser méi gënschteg wieren.“


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