48 Stunden Republik in Luxemburg: Ein Rundtischgespräch

Vor exakt hundert Jahren wäre es um ein Haar um die Dynastie geschehen gewesen, denn das republikanische Fieber hatte das Großherzogtum gepackt. Wie es gelang, die revolutionären Massen zu bändigen, soll ein Rundtischgespräch erläutern.

Sie gehören wahrlich nicht zum offiziellen Geschichtskanon des Landes: Genauso wie die Kollaborateur*innen im Zweiten Weltkrieg sind die Aufständischen, welche nach dem Ersten Weltkrieg Luxemburg zur Republik machen wollten, den meisten Historiker*innen bisher fast keiner Erwähnung wert gewesen. Und das ist bedauerlich, denn nicht nur für Monarchiegegner*innen – die es auch heutzutage noch gibt – sollte diese Periode, in der für kurze Zeit schier alles möglich zu sein schien, von Interesse sein, zeigt sie doch auf, wie das erst aus Hungersnot und Krieg wieder auferstandene Land mit sich selbst und seiner Zukunft haderte. Auch ist es wichtig herauszustreichen, dass nicht nur die militante Linke die Großherzogin und ihre Dynastie zum Teufel jagen wollte, sondern auch gemäßigtere Stimmen, wie etwa bei den Liberalen, sich durchaus vorstellen konnten, sich auf den Weg in eine moderne Gesellschaft zu begeben – ohne gekrönte Häupter. Unterdessen retteten einige Sozialist*innen, wie der damalige Unterrichtsminister Nikolaus Welter, sich auf die Seite der deutschfreundlichen Großherzogin Adelheid.

Hatte die woxx schon vor zehn Jahren, also zum 90. Jahrestag dieses weißen Flecks im hiesigen Kollektivbewusstsein, der kaum mehr als 48 Stunden währenden Republik Luxemburg gedacht, so scheint das Ereignis zum 100. Jubiläum mehr Interesse zu wecken. Infolgedessen hat sich mit 1919.lu (übrigens dem kürzlich verstorbenen Journalisten Jean Rhein gewidmet) eine eigene Vereinigung gegründet, die am morgigen Freitag, dem 11. Januar ein Rundtischgespräch im Café Streik in Esch/Alzette organisiert. Moderiert von den beiden Tageblatt-Journalisten Pol Schock und Luc Laboulle, diskutieren die Historiker*innen Renée Wagener, Denis Scuto, Jacques Maas und Frédéric Krier den Werdegang der Revolution bis zu ihrer Niederschlagung durch die republikanischen französischen Truppen. Der Eintritt ist frei – Beginn um 19h30.


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