CENTRE COMMERCIAL: Großes Feld für Auchan

von | 12.01.2007

Im Gaspericher Großfeld entsteht Luxemburgs bisher größtes Shopping-Zentrum. Im Vergleich mit der Diskussion um die Auchan-Niederlassung auf Kirchberg fallen die Reaktionen gelassen aus. Auch Stadtväter und Citymanagerin sind zuversichtlich.

Wie viel Läden verträgt die Stadt? Und welche will sie haben? Luxemburg soll das Einkaufszentrum der Region werden, lautet der Plan der Regierung und der Stadt. (Foto: Hilde Leubner)

„Luxemburg ist noch nicht gesättigt.“ Citymanagerin Geraldine Knudson ist überzeugt: Die Stadt kann noch mehr Kommerz vertragen. „Auf lange Sicht wird sich ein Auchan in Gasperich positiv für die ganze Stadt auswirken“, lautet ihre Prognose.

Doch nicht alle stehen dem Bau des bislang größten Einkaufszentrums auf der Cloche d’Or derart positiv gegenüber. Eine Commission Consultative der Chambre du Commerce hatte vor gut drei Wochen ihre Bedenken angemeldet: Das 600 Millionen Euro schwere Projekt sei mit rund 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche überdimensioniert, das geplante Angebot zu breit gefächert, die geschätzten Zahlen für das Einzugsgebiet des Standortes Gasperich zu hoch. Kurz drauf teilte die „Commission d’équipement commercial“, in der die Berufskammern, die Confédération du Commerce, der Konsumentenschutz sowie die zuständigen Ministerien vertreten sind, dem Mittelstandsminister ihre Empfehlung mit. Dieser Avis ist zwar vertraulich, hinter den Kulissen war jedoch zu hören, dass auch darin Skepsis angemeldet wurde.

Dennoch: Kurz vor Jahresende, am 29. Dezember, gab Fernand Boden grünes Licht für das Projekt Auchan im Gaspericher Großfeld. Ganz wohl mag dem Mittelstandsminister bei seinem Tun nicht gewesen sein. Der seit Wochen gespannten Öffentlichkeit teilte er seinen Entschluss erst eine Woche später in einer zehn Zeilen langen Presseerklärung mit. Genehmigt werde eine Verkaufsfläche von 37.500 Quadratmetern. Jeweils über 6.000 Quadratmeter sind für den Lebensmittel- und den Elektrobereich vorgesehen, über 11.000 für Bekleidung, der Rest verteilt sich auf Sportartikel, Schuhe, Buchhandel und anderes.

Kein Grabenkrieg

Man wolle keinen Kannibalismus, äußerte sich Boden tags drauf im DNR: Nach Gasperich kämen neue, andere Marken. Und: Die Betreiber des neuen Shopping-Centers seien willens, mit den Geschäften der Stadt zusammenzuarbeiten. Damit die Konkurrenz zu den Geschäften der Innenstadt aber nicht zu groß werde, habe er die Verkaufsfläche im Bereich Kleidung und Schuhe um insgesamt 3.500 Quadratmeter kürzen lassen. Nicht mit dem Resultat zufrieden ist dennoch die städtische Union Commerciale. Diese Kürzung reiche nicht aus, teilte deren Präsident Jean-Claude Backes im Interview mit der Voix du Luxembourg mit. 37.500 Quadratmeter mit neuen Marken füllen, wie soll das gehen, so seine Frage.

Doch im Allgemeinen scheinen die Gemüter in der Stadt ob der neuen Auchan-Perspektive nicht hochzukochen. „Mit der Kürzung hat der Minister unseren Bedenken Rechnung getragen“, sagt Paul Emering, Generalsekretär der Chambre de Commerce gegenüber der woxx. „Es gibt keinen Grabenkrieg“, so Emering, der ebenfalls auf die ausdrückliche Dialogbereitschaft der Betreiber des neuen Zentrums hinweist. Nun käme es darauf an, welche Läden sich konkret in Gasperich niederlassen.

Zuversicht auch in der Stadtverwaltung: „Es gibt wesentlich mehr Käuferschichten als man denkt“, sagt Geraldine Knudson, die auch an eine Zusammenarbeit zwischen Zentrumsbetreibern und innerstädtischen Geschäftsleuten glaubt. „Denkbar sind gemeinsame Werbeaktionen“, so die Citymanagerin, „ich bin gerne bereit, zusammen mit allen Betroffenen zu überlegen, wie man sich in der Region positioniert“.

Offensiv rangehen will auch Bürgermeister Paul Helminger. Er möchte die fünf Jahre, die noch bis zur Eröffnung der Mall in Gasperich bleiben, dafür nutzen, um die Stärken der innerstädtischen Geschäftswelt zu optimieren. „Das entspricht auch unserer Meinung“, bekräftigt der erste Schöffe der Stadt, Francois Bausch (déi Gréng). Ohnehin seien im Stadtzentrum zu 85 Prozent Luxusgeschäfte zu finden. Diese fühlten sich durch einen Auchan nicht gestört. „Verkehrstechnisch ist der Standort Gasperich nicht der Schlechteste“, so Bausch. „Die große Herausforderung besteht darin, die Stadtzentren durch ein entsprechendes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln miteinander zu verbinden.“ Ohnehin habe die Stadt kaum Möglichkeiten, das Projekt zu verhindern. Im Masterplan „Ban de Gasperich“ sei von vornherein ein größeres Einkaufszentrum vorgesehen gewesen. Zwar muss Auchan nun nach dem Ja vom Mittelstandsminister bei der Gemeinde einen Plan d’aménagement particulier (PAP) einreichen. Bausch geht jedoch davon aus, dass dieser Antrag konform mit dem Plan d’Aménagement Général (PAG) sein wird.

Vitale Konkurrenz

Ein PAG allerdings, den die Grünen vor ihrer Koalitionsbeteiligung bei den Abstimmungen im Gemeinderat nicht guthießen. „Das Projekt Ban de Gasperich ist und bleibt eine Fehlplanung“, meinte etwa Gemeinderätin Viviane Loschetter in der Sitzung vom 31. Januar 2005. Auch die LSAP hatte damals gegen den PAG gestimmt.

„Heute haben wir tatsächlich keine Handhabe mehr“, sagt Gemeinderat Ben Fayot (LSAP), der nun in einer parlamentarischen Anfrage vom Mittelstandsminister wissen will, mit welchen Maßnahmen er den lokalen Handel unterstützen will. Fayot weist auch auf die beiden geplanten Einkaufszentren an der Place de l’Etoile und im Centre Hamilius hin. „Persönlich halte ich nicht viel von Mammut-Einkaufszentren“, so der LSAP-Abgeordnete. „Ich weiß zwar, dass das altmodisch ist und ich weiß auch, wie die Entwicklungen auf dem kapitalistischen Markt ablaufen.“ Die Stadt müsse sich zwangsläufig verändern, doch sehe er ihre Attraktivität nicht in einem Shopping-Zentrum. Dem Schöffenrat wirft Fayot vor, nach wie vor kein Konzept zu haben.

Das sieht die Citymanagerin anders: Durch dieses Auchan-Projekt lasse man sich nicht etwa das Heft aus der Hand nehmen. „Einkaufszentrum und Innenstadt sind zwei ganz verschiedene Dinge“, so Geraldine Knudson. Und: „Konkurrenz belebt das Geschäft – das hat bisher noch immer gestimmt.“ Dass im städtischen Konkurrenzkampf so manches Unternehmen auf der Strecke blieb, ist die andere Seite dieser Markt-Weisheit.

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