THE FAMILY OF MAN: Was lange währt …

Die Verbindungen zwischen dem Großherzogtum und „The Family of Man“ kann man auch als einen Teil Luxemburger Kulturpolitik lesen – die sich schlussendlich dazu durchgerungen hat, die Ausstellung angemessen zu präsentieren.

Helle Aufregung herrschte am letzten Freitag in den beschaulichen Clerfer Gassen. Eine Heimsuchung der besonderen Art stand nämlich an: Die Rückkehr von „The Family of Man“ – Unesco-Weltkulturerbe, Flaggschiff der hiesigen Kunstsammlungen und nebenbei auch noch ein Stück Nationalstolz, da sie aufzeigt, wie weit es der Luxemburger Fotograf Edward Steichen gebracht hat, der in Amerika berühmt geworden ist. Eilig wurden also Schilder auf die Straße gestellt, um die Massen ins Stadtinnere zu geleiten, wurden Stände aufgebaut, Tische und Stühle aufgestellt und wurde auch schon mal ein verdächtig aussehender Journalist nach seinen Papieren gefragt, denn schließlich kam neben der gesamten kulturellen Nomenklatura auch royaler Besuch ins Ardennenstädtchen, da durfte man schon mal nervös werden.

Viel nervöser jedenfalls als 1966 – das Jahr, in dem die „The Family of Man“ dem Luxemburger Staat übergeben wurde, und das auf expliziten Wunsch Steichens. Dass damals ernsthafte Kulturpolitik in Luxemburg inexistent war und die Verantwortlichen nicht einmal ansatzweise ein- und wertschätzen konnten, was für ein Schatz ihnen vermacht worden war, kann man daran erkennen, dass die Steichen-Sammlung bisher sehr stiefmütterlich behandelt wurde ist. In der Nachkriegszeit schien künstlerisches Schaffen hierzulande sowieso nicht von Belang, andernfalls hätte die Regierung Steichen nicht bereits 1952 mit der Weigerung, die „The Family of Man“ Welttournee im Großherzogtum debütieren zu lassen, brüskiert.

Und so dümpelten die Fotos der „Family of Man“ nach 1966 lange Zeit zwischen Ritter- und Armeeausstellungen vor sich hin. Niemand dachte offenbar daran, dass die feuchte Schlossatmosphäre und starke Temperaturschwankungen den auf einfache Holzplanken aufgeklebten Arbeiten Steichens gar nicht gut bekommen würden. Einige Abzüge haben dadurch irreparable Schäden davongetragen. Auch an die Sicherheit wurde nicht gedacht, und man kann von Glück reden, dass in den ganzen Jahrzehnten nur ein Bild entwendet wurde: eines jener seltenen Bilder, die Steichen selbst gemacht hat und das seine Mutter zeigt.

Vom Speicherboden in den klimatisierten Expo-Raum gebracht.

Erst Mitte der 1990er Jahre wurde der „Family of Man“ die ihr gebührende Ehre erwiesen. Das Centre National de l’Audiovisuel (CNA) – 1989 gegründet – motzte die Bilder wieder auf, holte einige von den Speicherböden, auf die sie aus Platzmangel verbannt worden waren und hauchte der Szenographie Steichens neues Leben ein. 2010 ging es dann erneut auf Reisen, nach New York und Tokyo, und nun kam „The Family of Man“ schlussendlich, mit nur ein paar Monaten Verspätung, ins Clerfer Schloss zurück.

Dass die Arbeit an einer solchen Ausstellung nie beendet ist, betonte CNA-Direktor Jean Back bei der Pressekonferenz zur Wiedereröffnung: „Wir müssen permanent daran arbeiten, nicht nur die Ausstellung, sondern auch deren Begleitung immer besser zu machen“. Und tatsächlich gibt es noch immer viel zu tun, fehlt doch auch bei der brandneuen Ausstellung jedes pädagogische Konzept, um Kinder und Jugendliche altersgerecht an „The Family of Man“ heranzuführen.

Trotzdem wurde einiges verbessert, wie die Kuratorin Anke Reitz, seit 2005 im Amt, anmerkt: „Restaurierung ist ja an sich eine kontinuierliche Sache. Woran wir hauptsächlich gearbeitet haben, sind die klimatischen Bedingungen und die Lichtverhältnisse in der Ausstellung – in enger Zusammenarbeit mit der Architektin des Service des Sites et Monuments, Nathalie Jacoby. Das Schloss wurde von Grund auf entkernt und teilweise wieder aufgebaut. Auch, um die Szenographie so gut wie möglich wieder auferstehen zu lassen“.

Das Resultat lässt sich sehen: „The Family of Man“ hat endlich die Ausstellungsräume, die sie verdient, auch ein museales Konzept ist ansatzweise erkennbar. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob der Atem der Aussteller auch lang genug ist, um die Sammlung in ihrem neuen Kontext auch aktiv weiterleben zu lassen.

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Siehe auch: Die Menschheit – eine Familie?

 


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