CO2-ARME AUTOS: Langsam beschleunigen

Die jüngste Auto-Umweltliste belegt: Die Mühlen der Hersteller mahlen langsam, wenn es um Klima- und Umweltschutz geht. Ein Überblick über bewährte Hybride, sparsame Erdgasautos und stotternde Elektromobile.

„Revolutionäre Neuerungen“ habe es binnen der vergangenen zwölf Monate nicht gegeben, stellt der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD) in seiner am Mittwoch veröffentlichten „Auto-Umweltliste 2014/2015“ fest. Es handelt sich um die 25. Ausgabe eines Vergleichs von PKW unter ökologischen Gesichtspunkten, wie CO2-Ausstoß, Luftverschmutzung und Lärmbelastung. Schwerpunktthema sind in diesem Jahr komfortable und zugleich umweltschonende Wagen für die ältere Generation. Stolz hält der VCD fest, in all den Jahren habe es zwar viele Diskussionen über die Rangliste gegeben, nie aber einen Skandal – ein Seitenhieb auf den ADAC, der jahrelang die Wertung „Gelber Engel“ manipuliert hat. Auch die woxx berichtet seit über zehn Jahren regelmäßig über die Auto-Umweltliste und die Positionen des VCD.

Die Top Ten werden dieses Jahr angeführt vom Hybridfahrzeug Lexus CT 200h, gefolgt von den drei baugleichen Erdgasmodellen „Volkswagen eco up!“, „Seat Mii 1.0 Ecofuel Start&Stop“ und „Skoda Citigo 1.0 CNG Green tec“. Hybrid- und Gasfahrzeuge sind denn auch unter den Top Ten besonders gut vertreten. Ein Hinweis auf die Stagnation bei der technischen Entwicklung ist, dass der Lexus bereits 2011 die Liste anführte und es nur eines „Faceliftings“ – mit leichter Verbrauchssenkung – bedurfte, um ihn wieder an die Spitze zu bringen. Ähnlich der leicht verbesserte Toyota Yaris, der es auf Platz 8 schafft. Zwar kann er einen bisher noch nie erreichten CO2-Ausstoß von nur 75 Gramm pro Kilometer vorweisen, doch wegen des Lärmwerts von 73 Dezibel wurde er wieder heruntergestuft. Streng ist der VCD ebenfalls, wenn es um Schadstoffe geht, und warnt vor dem Kauf von Dieselfahrzeugen unterhalb der Norm „Euro?6“. Abgeraten wird schließlich noch von Autos mit dem leicht entzündbaren Kältemittel R1234yf – darunter sind ein paar ansonsten gut platzierte Modelle von Citroën und Peugeot.

Auch die deutsche Autoindustrie bekommt ihr Fett ab. Japanische Hybride dominieren in allen Wagenklassen, deutsche dagegen finden sich vor allem im Premium-Segment. Diese Strategie der deutschen Hersteller schätzt der VCD als „gefährlich“ ein: „Auf das fragile Geschäft mit Russland und China sollten sie sich nicht verlassen, ebenso wenig wie auf die ?Supercredits` für Elektroautos, die ihnen den Verkauf zusätzlicher Spritschlucker erlauben.“

Jein zu E-Cars

Bei der Bewertung von E-Cars erlegt sich der VCD weiterhin Zurückhaltung auf – unter anderem wegen deren Alibi-Funktion für die Industrie. Diese Autos werden aufgrund der unklaren Datenlage bei Verbrauch und Reichweite in einer separaten Liste aufgeführt (woxx 1252). Das mag übervorsichtig erscheinen, doch Verkaufszahlen und Angebot an Ladestationen belegen, in Deutschland wie in Luxemburg, dass die Elektromobilität es noch nicht über die Pionierzeit hinausgebracht hat. Immerhin bezeichnet der VCD sie als „Baustein für zukünftige Mobilität“ und empfiehlt als Zwischenlösung den Kauf von Plug-in-Hybriden. Diese werden in Luxemburg bis Jahresende – wie die E-Cars – mit 5.000 Euro bezuschusst. Dass der VCD solche Plug-in-Modelle aufgrund des stark variierenden Verbrauchs aus der normalen Umweltliste ausschließt, ist zwar nachvollziehbar, erschwert aber eine Kaufentscheidung.

Bei aller Kritik an der Trägheit der Autohersteller sieht der VCD doch Fortschritte: „Die Bestenlisten zeigen, dass der für Europa für das Jahr 2020 festgelegte Flottengrenzwert von 95 Gramm pro Kilometer ohne Probleme zu erreichen ist.“ Für diesen Wert hatte sich eine vom VCD unterstützte Kampagne eingesetzt – als Nächstes wird über einen Grenzwert für 2025 verhandelt. Immerhin: In diesem Jahr erreichen 62 Modelle aus der Auto-Umweltliste die 95-Gramm-Marke; 2013 waren es 45 und im Jahr davor nur 30. Doch ob effizientere Verbrennungsmotoren oder neue Antriebsformen ? der VCD macht ein grundsätzliches Problem aus, das in Luxemburg noch akuter ist als in Deutschland: „Solange Sprit so wenig kostet wie heute, haben es Alternativen schwer.“

Bestenlisten, Erläuterungen und Bestellmöglichkeit für die komplette Umweltliste: www.vcd.org.


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