Amara: Kaffee trinken und Klima retten

von | 26.09.2019

Konsumieren und trotzdem den Amazonas erhalten? Mit einem neuen Produkt will partage.lu gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Fotos: partage.lu

Wer erinnert sich nicht an Pit aus Guy Rewenigs Roman „Mass mat drĂ€i HĂ€ren“, der vor lauter SolidaritĂ€t mit der nicaraguanischen Revolution in den 1980er Jahren literweise Kaffee trank. Die Kaffeebohnen bezog er im Abonnement, zehn Kilo im Monat. Das sind zehn Tassen am Tag, hat er ausgerechnet. „Bis bei dĂ©i drĂ«tt Taass weess ech nach genee, wat ech maachen: aus SolidaritĂ©it mam nicaraguaneschen Vollek an aus Verbonnenheet mat der sandinistescher Revolutioun drĂ©nken ech bewosst a konzentrĂ©iert dat saumĂ©issegt stoarkt GesĂ«ffs aus nicaraguaneschen Kaffisbounen, dee marxistesch-leninisteschen Schluutjen, ech froe mech wat dĂ©i do dra maachen! Do leet sech op eemol e Lasso Ă«m dĂ©ng HĂ€erzpomplel an zitt sech zou bei all Schlupp!“

WĂ€hrend der trotzkistisch-anarchistische Bankangestellte Pit aus politischer Überzeugung fast sein Leben aufs Spiel setzen musste, um seiner solidarischen Pflicht nachzukommen, haben wir es heute etwas leichter. Die fairgehandelten Kaffees sind inzwischen bester QualitĂ€t und passen sich auch in den Röstgraden hiesigen GeschmĂ€ckern und der AbsorptionsfĂ€higkeit der luxemburgischen Bevölkerung an, ohne lĂ€nger die Volksgesundheit zu gefĂ€hrden.

Aber auch die Zielregion unserer SolidaritĂ€t hat sich gewandelt: SpĂ€testens seit der rechtsextreme brasilianische PrĂ€sident Bolsonaro die Amazonasregion der Ausbeutung durch Großkonzerne uneingeschrĂ€nkt preisgegeben hat, ĂŒberlegen viele Zeitgenoss*innen, wie sie der geschundenen indigenen Bevölkerung zu Hilfe kommen und sich dabei auch noch etwas schönes gönnen können.

Abhilfe schafft nun die ONG partage.lu (frĂŒher „Bridderlech deelen“), die an diesem Mittwoch einen besonderen fair gehandelten Kaffee in Umlauf gebracht hat, der aus dem Amazonas stammt. Zwar nicht aus dem brasilianischen Teil der grĂŒnen Lunge, die eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel einnimmt (respektive deren kontinuierliche Zerstörung diesen zusĂ€tzlich befeuert), dafĂŒr aber aus dem angrenzenden Peru stammt der „Amazonas-Kaffi Amara“.

Er wird von den rund 3.000 Familien, die der im peruanischen Amazonas beheimateten, bio- und fairtrade zertfizierten Kooperative „CentrocafĂ©â€œ angehören, angebaut und geerntet. Geröstet und vertrieben wird der Amara-Kaffee ĂŒber eine luxemburgische Rösterei. Pro verkaufter Kaffeepackung fließt ein Euro an die ONG partage.lu, die damit ein Projekt der indigenen Bevölkerung im brasilianischen Amazonas mittrĂ€gt. Die Projektpartner*innen werden so in ihrem Kampf um den Erhalt ihres angestammten Territoriums, aber auch um eine nachhaltige Bewirtschaftung der Region unterstĂŒtzt.

Mit einer solchen Tasse Amazonas-Kaffee können also selbst nicht-trotzkistische engagierte BĂŒrger gleich mehrfach Gutes tun: Sie gewĂ€hren den peruanischen Produzent*innen einen fairen Preis, der diesen nicht nur eine gerechte Entlohnung bietet, sondern ihnen auch die Chance gibt, auf Dauer nachhaltig produzieren zu können, und sie solidarisieren sich mit den von Bolsonaro frontal angegriffenen indigenen Einwohner*innen des brasilianischen Regenwalds.

Wem die eingangs erwĂ€hnten zehn Tassen Kaffee am Tag dafĂŒr aber zu viel sind, und wer sich deshalb Sorgen um seine Gesundheit macht, der oder die kann natĂŒrlich das Projekt von partage.lu auch direkt unterstĂŒtzen.

Die Amazonas-Kaffee-Initiative scheint gerade pĂŒnktlich fĂŒr die morgige große „Fridays for Future“-Demo zu kommen: Die Marchierer*innen können die labbrigen, ĂŒbersĂŒĂŸen AufputschgetrĂ€nke samt Pet-Flaschen oder Aluminiumdosen im Regal stehen lassen und sich stattdessen eine ordentliche, wiederverwendbare Thermoskanne besorgen. FĂŒr die richtige Stimmung und Energie, gepaart mit einem guten Gewissen, sorgt dann der Amara-Kaffee. Ganz nebenbei wird damit so manche zynische Anmerkung gestresster Erwachsener, die mit ihren SUV im Stau steckenbleiben, wĂ€hrend die Sterndemo an ihnen vorbei zieht, ihrer Grundlage beraubt.

Weitere Infos: partage.lu

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