Fairphone 3: Details und Empfehlungen

von | 03.11.2019

Zwei Experten des Magazins ct haben das neue Fairphone unter die Lupe genommen. Ihre wichtigsten Feststellungen und Einschätzungen.

Die Kamera ist immerhin „schnappschusstauglich“.
(Fairphone CC BY-NC-SA)

Durchwachsen ist sie, die Bilanz des neuen Fairphone 3, die das Fachmagazin ct erstellt hat. In einem 2-seitigen Beitrag (Link siehe unten) werden Vorzüge und Schwächen des nachhaltigen Smartphones dargelegt. Dabei würdigt das Magazin durchaus den besonderen Ansatz des niederländischen Herstellers, der seit 2013 versucht möglichst umwelt- und  sozialverträgliche Geräte anzubieten: Beim Fairphone gehe es eben nicht um „schneller, besser und schöner“, man kaufe nicht nur „ein Stück Technik“, sondern „auch das Gefühl, die Welt ein klein wenig zu verbessern“.

Erstes Alleinstellungsmerkmal: Das Fairphone besteht aus einem Mainboard und sechs Modulen, die austauschbar sind. So lassen sich für wenig Geld und ohne das Gerät einzuschicken ein kaputtes Display oder ein am Ende seiner Lebensdauer angelangter Akku ersetzen. Das ermöglicht auch Hardware-Upgrades – zum Beispiel wird seit 2017 ein verbessertes Kameramodul für das zwei Jahre zuvor erschienene Fairphone 2 angeboten. Beides kann dazu beitragen, die Nutzungsdauer der Geräte zu verlängern und so weniger Energie und Rohstoffe zu verbrauchen. Außerdem engagiert sich der Hersteller, das Android-Betriebssystem fünf Jahre lang zu pflegen.

Fairtrade-Gold und Schnappschuss-Kamera

Ein Fairtradesiegel hat das Gerät als Ganzes nicht, das im Inneren verwendete Gold dagegen schon. Es wird in Peru abgebaut, wo auch das Fairtrade-Gold für Schmuck und Münzen herkommt (siehe woxx 1542: Faires Gold für die Enkel). Die sozial und ökologisch problematische Herkunft der Rohstoffe in Smartphones war einer der Gründe, das Projekt Fairphone in Angriff zu nehmen. Im dritten Modell versichert der Hersteller, „recycelte Kunststoffe und Kupfer sowie Zinn und Wolfram aus konfliktfreien Minen in Afrika“ zu verwenden. Außerdem kommen pro Gerät 1,5 Dollar als Lohnbonus zusätzlich bei den chinesischen Arbeiter*innen an und pro Jahr werden 100.000 Dollar in Projekte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen investiert.

Modularität ist eine der Stärken des Projekts. (Fairphone CC BY-NC-SA)

Ein Wermutstropfen ist allerdings der Preis. „Die Komponenten, die Fairphone für sein 450-Euro-Smartphone verwendet, sind vergleichbar mit jenen des Motorola G7 – für 200 Euro“, schreiben die ct-Technikexperten. In der Tat, anders als das mit Hochleistungskomponenten ausgestattete Vorgängermodell (woxx 1313: Teurer, besser, fairer), will das Fairphone 3 bewusst den mittleren Bereich des Marktes bedienen.

Wie nachhaltig ist mein Smartphone?

Der in diesem Sinne verbaute Snapdragon-632-Prozessor wird von den Experten als „schwachbrüstig“ bezeichnet und als potenziell „limitierender Faktor“. Die Kamera sei durchaus „schnappschusstauglich“, verfüge aber weder über einen brauchbaren Nachtmodus noch über mehr als eine Brennweite. Auch das Display sei ordentlich, doch die Ausleuchtung zu ungleichmäßig und mit einer zu hohen minimalen Helligkeit. Dafür bewertet die ct den Akku mit „sehr gut“.

In ihrem Fazit bemängeln die Experten zum einen, dass die lange Nutzungsdauer, auf die das Fairphone 3 abzielt, gerade durch den Rückgriff auf Mittelklasse-Komponenten erschwert wird. Zum anderen bezweifeln sie, dass man eindeutig sagen könne, das Smartphone sei nachhaltiger als andere. „Zu viele Komponenten und Rohstoffe stecken in Smartphones, zu viele Zulieferer arbeiten mit, zu viel hängt vom Nutzerverhalten ab“, so die ct. Allerdings helfe man durch den Kauf, die vom Hersteller initiierten sozialen und ökologischen Projekte voranzutreiben und „vielleicht auch andere Marken zu inspirieren“. Die Entscheidung sei also abhängig von den individuellen Ansprüchen der Nutzer*innen. „Wer [sowieso] mit einer echten Kamera fotografiert, Wert darauf legt, sein Handy auch mal selbst reparieren zu können und bei der Bedienung etwas geduldiger ist“, könne durchaus mit dem Fairphone 3 glücklich werden.

Was die woxx dieser Besprechung hinzuzufĂĽgen hat: Unsere Thumbs ups.
Frei zugänglicher Kurzbeitrag: Das möglichst nachhaltige Smartphone.
Der ct-Beitrag ist für Abonent*innen des Magazins oder des Dienstes heise+ zugänglich: Nachhaltiges Smartphone für ein besseres Gewissen.
In diesem Video diskutiert die ct-Redaktion ĂĽber das Fairphone: ct uplink 29.6 (ab Minute 25).

 

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