Associatioun: Lëtzebuerger Literatur: Neuer Autor*innenverband gegründet

von | 09.10.2020

Die „Associatioun: Lëtzebuerger Literatur“ strebt die Professionalisierung der nationalen Literaturszene an. Präsident Samuel Hamen über strenge Kriterien und den elitären Club, der man nicht sein möchte.

A:LL Schrëftsteller*innen repräsentiert primär hauptberufliche Autor*innen und die auf dem Weg dahin. (© A:LL Schrëftsteller*innen)

Die Gewerkschaft Lëtzebuerger Schrëftstellerverband (LSV) zerbrach vor vier Jahren, unter anderem an den homofeindlichen Aussagen der Sekretärin Marie-Jeanne Reichling und ihrem verweigerten Rücktritt. Die Auflösung des Verbands zog sich wegen mangelnder Beteiligung an den Generalversammlungen in die Länge. Der freie Autor Samuel Hamen fragte damals im Lëtzebuerger Journal nach der Notwendigkeit eines Autor*innenverbandes. In den Folgejahren kam es zu informellen Treffen einzelner Autor*innen und zu Gesprächen mit dem Kulturministerium. Der Bedarf einer Gewerkschaft stellte sich heraus. Seit einer Woche ist Hamen nun Präsident der „Associatioun: Lëtzebuerger Literatur (A:LL Schrëftsteller*innen), dem neuen Verband für Autor*innen.

Zu den unverbindlichen Zulassungskriterien zählen beispielsweise Auszeichnungen und Residenz-Aufenthalte. Hamen relativiert, was nach einem elitären Auswahlverfahren klingt: „Es ist kein festzementierter Katalog, den wir abarbeiten. Die Liste dient der Orientierung und soll unser Profil vermitteln.“ Der Verband sei aus der Idee heraus geboren, die Professionalisierung des Berufsstands voranzutreiben. Dazu gehöre auch, sich Zulassungskriterien zu geben, die dieses Signal intern und extern vermitteln. „Am Ende kommt es auf den Werdegang der Autorinnen und Autoren, auf ihre Motivation und ihr Interesse an der schriftstellerischen Tätigkeit an“, führt Hamen aus. „Wir verfolgen keine ‚happy few‘ Mentalität. Wir wollen keinen elitären Club gründen.“

Die Teilnahme am Verband noch nicht etablierter Autor*innen, ob jung oder alt, ist erwünscht. Auch Selbstver- leger*innen und Blogger*innen werden nicht kategorisch abgelehnt. Hamen legt ihnen nahe, ihrem Mitgliedsantrag ein kurzes Motivationsschreiben beizulegen, um ihr Interesse an der Gewerkschaft zu erklären.

„Wir wollen keinen elitären Club gründen“, sagt Samuel Hamen, Präsident der Assoziation: Luxemburger Literatur. (© Philippe Matsas)

Hin zu mehr Professionalität

Die Regierung versucht mit Plattformen wie Reading Luxembourg – einer Initiative zur Verbreitung luxemburgischer Literatur im Ausland – zur Professionalisierung des Literatursektors beizutragen. Die Realität ist allerdings die, dass selbst erfolgreiche Autor*innen in Luxemburg nur nebenberuflich schreiben. „Die Zusammensetzung des Vorstandes spiegelt diese Situation: Drei von vier Mitgliedern (Anm.d.R.: Claudine Muno, Nathalie Ronvaux und Jeff Schinker) schreiben nebenberuflich, obwohl sie davon leben wollen würden. Bei Muno kommt noch ihre Tätigkeit als Musikerin dazu“, sagt Hamen. „Diesen Umstand wollen wir etappenweise verbessern. Ich meine es nicht despektierlich, wenn ich sage, dass es in Luxemburg mehr als anderswo unterschiedliche Formen der Schriftstellerei gibt – für viele ist es nur ein Hobby. Deren Lage unterscheidet sich stark vom Alltag der Menschen, die das Schreiben zum Beruf machen wollen, die auf Veröffentlichungen, auf einen Verlag, auf Lesungen angewiesen sind, um zu überleben. Sie sind es, die wir als Gewerkschaft primär unterstützen und repräsentieren wollen.“

Gutenberg-Bibel (Flickr ; NYC Wanderer ; CC BY-SA 2.0)

Der Verband will Arbeitsgruppen zu administrativen Fragen, Sprache oder Jugend zusammenstellen, an denen bei Bedarf externe Expert*innen teilnehmen können. Auch deshalb hält Hamen es für unerlässlich, dass die Mitglieder den Sektor kennen oder Interesse daran haben, einer schriftstellerischen Karriere nachzugehen.

Darauf angesprochen, inwiefern sich A:LL Schrëftsteller*innen vom LSV unterscheiden will, sagt Hamen: „Gar nicht, abgesehen vom Management am Ende des LSV und von den personellen Konflikten. Inhaltlich wollen wir eine gewisse Kontinuität herstellen.“

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