Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch: Luxemburgisch im Fokus

von | 11.09.2025

Die Luxemburger Sprache soll ab diesem Jahr jeden 26. September gefeiert und gefördert werden – und zwar mit Kulturevents, Aktivitäten und Diskussionsrunden. Das Programm der Erstauflage des „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ wurde am Montag bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Die luxemburgische Sprache baue Brücken, betonte Kulturminister Eric Thill am Montag bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms des „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“. (© Ministère de la culture)

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt“, sagte bereits Wilhelm von Humboldt. Und in Luxemburg gibt es derer viele – ein Hauptschlüssel ist und bleibt dabei aber das Luxemburgische, das seit 41 Jahren den Status einer offiziellen Landessprache besitzt. Ab Mitte der 1980er-Jahre hat sich in Bezug auf die Stärkung des Luxemburgischen einiges getan: Die Rechtschreibung wurde mehrfach überarbeitet, zudem entstanden das Institut für luxemburgische Sprache an der Universität Luxemburg sowie das „Zenter fir d‘Lëtzebuerger Sprooch“ (ZLS). Das vor sieben Jahren verabschiedete Gesetz zur Förderung der luxemburgischen Sprache gab dazu den gesetzlichen Rahmen vor.

Neuerungen wie diese trieben und treiben weiterhin die Standardisierung, Institutionalisierung und Aufwertung der Luxemburger Sprache voran. Im Kontext des „Aktiounsplang fir d’Lëtzebuerger Sprooch“ soll dieses Jahr nun eine weitere Initiative hinzukommen. Denn am 26. September, dem Europäischen Tag der Sprachen, wird die erste Ausgabe des „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ stattfinden.

Das Motto dieser Premieren-Edition lautet: „Schwätz mat – Lëtzebuergesch verbënnt“. Hiermit werde unterstrichen, dass die luxemburgische Sprache mehr als ein bloßes Kommunikationsmittel sei, betonte Kulturminister Eric Thill (DP) während der Pressekonferenz am vergangenen Montag. „Sie baut keine Mauern, sondern Brücken. Sie stiftet Zusammenhalt, sie ist für uns alle gelebtes Kulturerbe.“ Der Minister versicherte, dass neben der luxemburgischen Sprache aber auch die Mehrsprachigkeit gefeiert werde, denn sie sei ebenso wichtig und einzigartig.

Luxemburgisch in der Schule

Mit dem „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ soll ein Anreiz geschaffen werden, sich mit der luxemburgischen Sprache auseinanderzusetzen und sie bestenfalls aktiv zu benutzen – unerheblich ist dabei das persönliche Sprachniveau. Interessierte erwartet ein Kulturprogramm, das zur Gänze auf der Website des Kulturministeriums aufgeführt ist. Geplant sind unter anderem eine Ausstellung über die komplexe Sprachlandschaft von Luxemburg, ein Sprachenquiz, Live-Musik, ein Theaterworkshop, eine Konferenz über die Jugendsprache, und eine Diskussionsrunde über das geschriebene Wort auf Luxemburgisch.

Auch in den Schulen wird der „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ seinen Platz haben. Thill betonte, dass er am 26. September gemeinsam mit Bildungsminister Claude Meisch (DP) verschiedene Schulen besuchen werde; das Lehrpersonal werde ermutigt, an dem Tag die luxemburgische Sprache und Kultur im Unterricht stärker in den Vordergrund zu rücken. „In der Schule wird die Sprache mit am meisten gelebt, sie ist nicht nur eine Inklusionssprache, sondern auch eine Bildungssprache“, ergänzte der Minister.

Und was ist mit den Menschen, die gerne Luxemburgisch lernen würden – werden sie am „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ auf günstige und niederschwellige Lernangebote aufmerksam gemacht? Auf eine entsprechende Nachfrage der Woxx antwortete der Kulturminister, dass die Öffentlichkeit über alle Kurse noch einmal informiert werden würde. Doch: Diese seien in Luxemburg-Stadt ohnehin voll belegt. „Wir sind auf der Suche nach neuen Infrastrukturen, um die Möglichkeiten (zum Sprachenlernen Anm. d. Red.) auszubauen.“ Die nächste Herausforderung sei, mehr Luxemburgischkurse dezentral, also außerhalb der Hauptstadt, anzubieten. Die Lernprogramme würden künftig auch nicht mehr ausschließlich als Präsenzkurse angeboten und stärker an die individuellen Bedürfnisse der Lernenden angepasst. In verschiedenen Kursen werde dabei der Schwerpunkt auf mündliche Kommunikation gelegt, während der Grammatikunterricht reduziert werde.

Gute Berufsaussichten

Mit Blick auf die zweite Auflage des neuen Thementags wird das Kulturministerium bereits im Herbst einen Aufruf zur Einsendung von Projektideen starten. Hier können sich Akteur*innen aus dem Kultursektor, Vereine, Schulen und Privatpersonen gleichermaßen melden. „Jeder wird noch einmal eingeladen und angesprochen, seine Ideen einzureichen, um nächstes Jahr den Tag gemeinsam mit uns zu organisieren“, so der Kulturminister.

Die Pressekonferenz nutzte Pierre Reding, Kommissar für die Luxemburger Sprache, auch für einen Appell, der weit über den „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ hinausreicht: Bachelor-Studierende sollten sich trauen, einen Master in Luxemburgistik zu machen, denn auf dem Arbeitsmarkt hätten entsprechend qualifizierte Menschen vor allem im Bildungsbereich gute Chancen. „Die Zahl der Arbeitsplätze ist größer als die der Personen, die den Masterstudiengang abschließen“, bemerkte Reding.

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