GIRLS‘ DAY 2003: Kurbelwelle statt Dauerwelle

von | 14.03.2003

Jungen werden Baggerfahrer, Programmierer oder Professoren. MĂ€dchen werden Friseurin, SekretĂ€rin oder Grundschullehrerin. Der Girls‘ Day 2003 will am 8. Mai mit diesen Klischees aufrĂ€umen und MĂ€dchen fĂŒr atypische Berufe begeistern.

„Les filles en avant!“ lautet das Motto des zweiten Girls‘ Day, der am 8. Mai diesen Jahres in Luxemburg stattfindet. Der Startschuss ist gefallen, das Fraueninformations- und Dokumentationszentrum Cid-femmes, das den Girls‘ Day koordiniert, hat in einer Pressemitteilung und mit Briefen Betriebe, Verwaltungen und Organisationen im ganzen Land dazu aufgerufen, an jenem Tag ihre TĂŒren fĂŒr interessierte MĂ€dchen zu öffnen. Vor allem im Technik- und Kommunikationsbereich werden noch PraktikumsplĂ€tze gesucht.

„Die Sache nimmt Gestalt an“, sagte Christa Brömmel auf Nachfrage der woxx. Die zustĂ€ndige Koordinatorin des Cid-femmes rechnet dieses Jahr mit mehr TeilnehmerInnen als noch im Vorjahr, „unsere Initiative spricht sich allmĂ€hlich herum“. Im vergangenen Jahr, beim ersten Girls‘ Day, hatten 26 MĂ€dchen im Alter von 13 bis 18 Jahren an der Aktion teilgenommen. Im Angebot: 85 PlĂ€tze in 13 Betrieben, von AutowerkstĂ€tten (so sie denn ĂŒber Frauenklos verfĂŒgten) bis hin zu den „Services du GĂ©omĂštre“, also mehr, als von den MĂ€dchen tatsĂ€chlich genutzt wurden. FĂŒr dieses Jahr gilt es deshalb, den „MĂ€dchenzukunftstag“, wie er in Deutschland genannt wird, insbesondere unter den SchĂŒlerinnen bekannter zu machen. Die erste HĂŒrde wurde auch schon genommen. Anders als im Vorjahr ist das Unterrichtsministerium – neben den Gewerkschaften OGBL und LCGB, welche die Initiative finanziell und mit diversen Kontakten zu BetriebsrĂ€ten und betrieblichen Gleichstellungsbeauftragten fördern – als Partner mit von der Partie.

OGBL, LCGB und MEN mit dabei

„Wir unterstĂŒtzen den Tag, in dem wir die Schulleitungen und die Lehrergewerkschaften auffordern, das Projekt bekannt zu machen“, sagt Chantal Fandel, zustĂ€ndige Sachbearbeiterin des Unterrichtsministeriums, gegenĂŒber der woxx. Zudem soll fĂŒr den Girls‘ Day auch auf der hauseigenen Website und in verschiedenen Publikationen geworben werden. Auch finanziell beteiligt sich das Unterrichtsministerium an der Initiative, es ĂŒbernimmt Druck- und Materialkosten, die dem Cid-femmes im Rahmen der Mobilisierung entstehen, und LehrerInnen, die sich fĂŒr das Projekt engagieren wollen, bekommen ihre Überstunden weitgehend ersetzt.

„Wir haben Ă€hnliche Ziele“, erklĂ€rt Fandel das diesjĂ€hrige Engagement. Im vergangenen Jahr habe man sich noch nichts darunter vorstellen können, aber nun, nach der ersten positiven Bilanz des Cid-femmes, wolle man sich verstĂ€rkt am Girls‘ Day beteiligen. Immerhin gehe es darum, so Fandel, Schule und Betriebe zusammenzubringen. Eine Erkenntnis, die wohl auch daher rĂŒhren dĂŒrfte, dass die Zahl der Jugendlichen, die nach dem Schulabschluss keinen Arbeitsplatz bzw. keine Lehrstelle finden, auch hierzulande steigt.

Erstaunlich bleibt vor diesem Hintergrund allerdings, dass sich der Arbeitsminister bisher noch nicht zum Girls‘ Day geĂ€ußert hat. Überhaupt scheint es Kommunikationsprobleme zu geben: Den Brief, den das Cid-femmes vor Wochen ans Arbeitsministerium verschickte, hat das der Behörde unterstellte Arbeitsamt ADEM jedenfalls nicht erhalten. Deren Frauenbeauftragte Karin Meyer ist der Initiative gegenĂŒber zwar grundsĂ€tzlich aufgeschlossen, wartet aber noch bis heute auf Details.

Offenbar ist die ADEM-Mitarbeiterin aber nicht die einzige, die sich einen besseren Informationsfluss wĂŒnscht, Ähnliches ist auch von einigen Unternehmen zu hören. Und sogar in den angeschriebenen Verwaltungen grĂ¶ĂŸerer Gemeinden scheint der MĂ€dchentag noch nicht sehr gelĂ€ufig zu sein. Reaktionen wie in Bettemburg oder Sanem, wo auf Nachfrage sofort an die Gleichstellungsstelle weitervermittelt wird und diese fachkundig Rat geben kann, sind noch relativ selten. Offenbar wurde mal das entsprechende Informationsmaterial nicht oder spĂ€t weitergeleitet, mal fehlten AnsprechpartnerInnen oder einfach das nötige Interesse. Darum sollen, so fern bekannt, verstĂ€rkt Frauen und Frauenbeauftragte in den Verwaltungen und Betrieben angesprochen werden und es soll – bei ausbleibender Antwort – telefonisch nachgehakt werden. Viel Arbeit fĂŒr die zustĂ€ndige Cid-Koordinatorin, die lediglich eine Teilzeitstelle innehat.

Landesweit und grenzenlos

Wichtige VerstĂ€rkung bekommt die Initiative nun aus dem SĂŒden: Das GleichstellungsbĂŒro der Stadt Esch/Alzette ĂŒbernimmt die Organisation des Girls‘ Days im Escher Raum. „Wir haben schon mehrere Zusagen von Escher Lyzeen“, berichtet Nicole Jemming. Die stĂ€dtische Mitarbeiterin hat neben Schulen, dem Jugendhaus und den schulpsychologischen Diensten auch etwa 90 Unternehmen, unter ihnen mĂ€nnerdominierte Bereiche wie Schreinereien, Malerbetriebe, technische Verwaltungsbereiche und Baufirmen, kontaktiert – erste interessierte RĂŒckfragen und Angebote, zum Beispiel vom im Esch ansĂ€ssigen nationalen Institut fĂŒr berufliche Weiterbildung CNFPC, hat sie schon.

„Ich denke, das ist ein wichtiges Thema und ein echter Beitrag zur Chancengleichheit“, erklĂ€rt Jemming ihre Motivation. GewĂŒnschter Nebeneffekt: Das erst vor kurzem eingerichtete Escher Gleichstellungsamt knĂŒpft erste Kontakte zu wichtigen sozialen AkteurInnen in der Region.

Die Nachbargemeinde Sanem wird am 8. Mai wahrscheinlich nicht dabei sein: Sanem hat keine Lyzeen, die meisten SchĂŒlerInnen zwischen 13 und 17 Jahren gehen in Esch zur Schule und profitieren deshalb vom Escher Engagement. Ein Engagement, das die Sanemer Frauenbeauftragte Jeannine Kettmann-Schumann in jedem Fall unterstĂŒtzt. Ihre Gemeinde plant fĂŒr Juni diesen Jahres eine Ă€hnliche Aktion, um MĂ€dchen und Jungen fĂŒr eine „klischeefreie“ Berufswahl zu sensibilisieren.

Und noch eine Besonderheit hat der diesjĂ€hrige Girls‘ Day, der sich ĂŒbrigens stark am deutschen Vorbild orientiert: Dieses Mal wird grenzĂŒberschreitend zusammengearbeitet. So ist der Cid-femmes im Arbeitskreis Verbundstelle Trier mit dabei. Erstmalig sollen MĂ€dchen Einrichtungen in der Grenzregion besuchen können: etwa die Trierer Uni, die mit dem Frauen-Mentoring-Projekt „Ada Lovelace“ vor allem im hochqualifizierten IT-Bereich ĂŒber wertvolle Kontakte und Informationen verfĂŒgt. Die Kooperation ist freilich keine Einbahnstraße. Angesichts der eher zögerlichen RĂŒckmeldungen von Unternehmen aus dem Trierer Raum freuen sich die dortigen Girls‘ Day-Organisatorinnen, ihre SchĂŒlerinnen auch nach Luxemburg vermitteln zu können.

Ines Kurschat

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