Kathrin Hartmann – Die grüne Lüge

von | 25.05.2018

Kaum ein Produkt kommt noch ohne ein Label aus, das Nachhaltigkeit verspricht. Kathrin Hartmann ist in ihrem neuesten Buch den grünen Lügen auf der Spur.

„Grüne Fake News“ nennt Hartmann die Tendenz, dass immer mehr Produkte und Firmen von sich behaupten, nachhaltig, umweltschonend und irgendwie „grün“ zu sein. Das also, was gemeinhin als Greenwashing bezeichnet wird – ein Unternehmen gibt sich grüner, als es eigentlich ist. An Beispielen wie dem Katastrophenmanagement von BP (Deepwater Horizon), Kleidung aus recyceltem Ozeanplastik, der Palmölindustrie, staatlichen Umweltlabels in Deutschland und der Agrarindustrie in Brasilien erläutert die Autorin, wie Konsument*innen hinters Licht geführt werden. Zu großen Teilen erzählt sie dabei reportagenartig von ihren Erlebnissen bei den Dreharbeiten zum Film „The Green Lie“, den sie gemeinsam mit dem Österreicher Werner Boote („Plastic Planet“) realisiert hat.

Während viele Aussagen durch das reichhaltige Quellenverzeichnis belegt sind, stellt Hartmann immer wieder Behauptungen in den Raum, die die Leser*innen einfach so schlucken müssen. Zum Beispiel, dass Greenwashing besonders gerne geglaubt würde. Und obwohl die Autorin alle möglichen Siegel unter die Lupe nimmt, scheint Bio-Landwirtschaft für sie immer gut und grün zu sein. Der Aufbau des Buches ist ebenfalls nicht besonders gelungen: Warum Hartmann erst in der zweiten Hälfte das Konzept „Coperate social responsibilty“ (das wohl für das meiste Greenwashing verantwortlich ist) erklärt, ist nicht nachvollziehbar. Wer sich mit dem Thema auskennt, wünscht sich ebenfalls einen differenzierteren Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und NGOs in Sachen Selbstregulierung.

Nach den vielen Negativbeispielen, die beim Lesen nicht unbedingt optimistisch auf den Zustand der Welt stimmen, gibt es im letzten Kapitel zum Glück einen kleinen Hoffnungsschimmer. Wer sich mit dem Thema Greenwashing beschäftigen will, findet in „Die Grüne Lüge“ sicherlich genug Stoff – die Grauzonen müssen danach allerdings selbst ausgelotet werden. Im Buch prangen übrigens auch zwei Labels: Es ist „klimaneutral“ auf FSC-zertifiziertem Papier gedruckt, wobei Hartmann mit letzterem Siegel ebenfalls hart ins Gericht geht.

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