MeYouZik: Hinter der Fassade von Weltoffenheit verbirgt sich die Provinz

von | 21.08.2018

Am 14. und 15.8 August fand in Luxembourg wieder das Weltmusik-Festival MeYouZik mit einem Programm statt, das erstklassige Bands nach Luxembourg holte. In einem Radius von mindestens 100 Kilometern gibt es kein Weltmusik-Festival dieses Formats.

(© LCTO)

Etliche dieser Gruppen haben in der Weltmusikszene einen hohen Bekanntheitsgrad und finden auf Festivals und Konzerten in der ganzen Welt viele Hunderte oder gar Tausende Zuschauer.Auf dem Knuedler konnte man bei allen Konzerten die Anzahl der Besucher leicht durch Zählen ermitteln. Es waren lächerlich wenig. Auch an den anderen Veranstaltungsorten blieb die Besucherzahl überschaubar. Wie ist das möglich? Am Programm hat es nicht gelegen und auch das Wetter war optimal. Die Gründe liegen beim Veranstalter selbst und bei den Medien. Die Promotion Abteilung hat erst zweieinhalb Wochen vor der Veranstaltung das Programm veröffentlicht und außer den Namen der Gruppen keinerlei Informationen weitergegeben. Die beigefügten Internetlinks werden erfahrungsgemäß nur von einer Minderheit genutzt.

Es hätte doch möglich sein müssen, dass irgendeine Person beim LCTO zwei Tage das mit Sicherheit dort vorliegende Werbematerial sichtet und im Internet recherchiert, um wenigstens paar beschreibende Sätze zum Programm hinzuzufügen.

Die Medien, die ĂĽber jede Dorfveranstaltung berichten, blieben weitestgehend stumm. Das Wort berichtete mit keinem Wort und selbst der sogenannte Medienpartner Tageblatt beschränkte sich auf ein Foto und sechs Zeilen. RTL setzte mal wieder kommentarlos ein nutzloses Sammelsurium von Hunderten von Fotos auf seine Homepage – nach dem Festival. Luxembourg versucht sich weltweit als weltoffene, multikulturelle Stadt zu präsentieren. Sie leistet sich ein Festival, in das einige viel und erfolgreiche Arbeit investiert haben und das mit Sicherheit viel Geld gekostet hat und macht dann eine armselige Promotion dafĂĽr. Die Medien ignorieren das Festival, oder im Falle des Tageblatts, ist ihnen Ihre Nennung auf Plakaten, Stellwänden und Flyern offenbar wichtiger, als eine vernĂĽnftige AnkĂĽndigung oder Berichterstattung.

Das ist nicht Weltoffenheit und Multikulturalismus, sondern übelster Provinzialismus. In Luxembourg leben rund 9.000 Bürger mit kapverdischen Wurzeln. Wenn in der Ettelbrücker Deichhall kapverdische Gruppen auftreten, kommen ein paar Tausend Kapverdier, obwohl in der Nordstadt lediglich eine Handvoll Plakate an Hauswänden zu finden sind. Beim Konzert der kapverdischen Legende Bitori im Rahmen von MeYouZik am letzten Dienstag auf dem Knuedler war nicht nur die Besucherzahl insgesamt gering, sondern auch höchstens 200 Kapverder zugegen. So ist das hier. Ist es Ignoranz, Inkompetenz oder Überforderung bei der LCTO Marketing-Abteilung und den Medien? Im Ergebnis ist das jedenfalls tiefste Provinzialität. Ich möchte, dass das Festival auch in Zukunft hier stattfindet. Dann aber mit engagierter und kompetenter Begleitung im Vorfeld.

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