Todesstrafe: Rückgang mit bitterem Beigeschmack

von | 10.04.2019

Nach einem Bericht von Amnesty International war die Zahl der Hinrichtungen 2018 allgemein rückläufig. In manchen Ländern stieg die Anzahl der Exekutionen jedoch an – in einigen wurde die Todesstrafe sogar wieder eingeführt.

Amnesty International verzeichnete 2018 weltweit den niedrigsten Wert bekannt gewordener Hinrichtungen seit zehn Jahren. Der Rückgang beläuft sich auf 31 Prozent. Die Menschenrechtsorganisation führt ihn auf die Abnahme der Exekutionen in den Ländern zurück, in denen die meisten Todesurteile vollstreckt werden: Irak, Iran, Pakistan und Somalia. In Irak und Pakistan sank die Zahl der Hinrichtungen um etwa ein Drittel im Vergleich zu 2017. In Somalia ging sie von 24 auf 13 Hinrichtungen zurück, im Iran halbierte sich der Wert. Amnesty betont, dass der Iran 2018 mit 253 vollstreckten Todesstrafen dennoch für mehr als einen Drittel der bekannt gewordenen Hinrichtungen verantwortlich ist. Weltweit wurden letztes Jahr 690 Menschen in zwanzig Staaten hingerichtet.

In manchen Ländern wurde die Todesstrafe reformiert. Burkina Faso schaffte sie im Juni 2018 für gewöhnliche Straftaten ab – in Friedenszeiten. „Gambia verhängte ein offizielles Hinrichtungsmoratorium und trat einem völkerrechtlichen Vertrag bei mit dem Ziel, die Todesstrafe vollständig abzuschaffen“, berichtet Amnesty weiter. „Die Regierung Malaysias kündigte ebenfalls einen Hinrichtungsstopp sowie eine Reform der Todesstrafengesetzgebung an.“

Die Menschenrechtsorganisation spricht allgemein von einer positiven Entwicklung, die allerdings auf internationaler Ebene von mehreren gravierenden Faktoren überschattet wird. Zum Einen führten Botsuana, Sudan, Taiwan und Thailand die Todestrafe wieder ein. Sie exekutierten insgesamt sechs Menschen. Die Zahl der Länder, über die bekannt ist, dass sie neue Todesurteile verhängt haben, stieg von 53 auf 54. Zum Anderen fehlen exakte Informationen über die Anwendung der Todesstrafe in China, Belarus und Vietnam. Zu Ländern wie Laos, Nordkorea oder Syrien konnten 2018 wenig bis gar keine Informationen erlangt werden. Amnesty führt diesen Umstand auf die restriktive Informationspolitik und die bewaffneten Konflikte in den betreffenden Staaten zurück. Gleichzeitig offenbart die Organisation, dass beispielsweise der Iran die Todesstrafe mehrfach „unter Verletzung des Völkerrechts und internationaler Normen“ vollzog. Darunter fallen unter anderem öffentliche Hinrichtungen oder die Todesstrafe gegen Minderjährige. In Japan, den Malediven, Pakistan und den USA wurden Menschen mit mentalen Behinderungen zum Tode verurteilt, andere hingerichtet. Das ist nur ein Bruchteil der Beispiele, die Amnesty in ihrem Bericht aufführt.

Die Organisation zeigt sich darüber hinaus besorgt über den konstanten Anstieg der Hinrichtungen in den USA sowie traurige Rekordwerte in Japan und Singapur. Die Menschenrechtsorganisation vermerkt zudem eine Verdopplung der Hinrichtungen im Südsudan und in Belarus. Ende 2018 waren laut Amnesty mindestens 19.362 Menschen zum Tode verurteilt. Die Organisation hebt hervor, dass ihr diesbezüglich zu manchen Ländern keine Zahlen oder Schätzungswerte vorliegen. Sie nennt in dem Kontext Ägypten, China, Iran, Nordkorea und Saudi-Arabien.

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