Abfall: Falsch weggeworfen

von | 26.03.2026

154 Kilo Restmüll produziert jede*r Einwohner*in Luxemburgs im Jahr. Die Menge ist in letzter Zeit gesunken, doch weiterhin landet viel zu viel in der grauen Tonne, was dort nicht hingehört.

(Foto: Manfred Richter/pixabay)

Am vergangenen Dienstag präsentierte Umweltminister Serge Wilmes (CSV) die Ergebnisse der aktuellen Restmüllanalyse. Hierzu wurden in insgesamt 15 Gemeinden Stichproben genommen, diese wurden in mühevoller Kleinstarbeit sortiert und analysiert. Zwar wird stetig weniger Restmüll produziert – doch beinahe drei Viertel davon könnte eigentlich noch (wieder)verwertet werden.

Statistisch gesehen wirft jede Person in Luxemburg im Jahr 154 Kilo Abfall in die „graue Tonne“. In ländlichen Gemeinden etwas weniger, in städtischen etwas mehr. „Wir sind auf einem guten Weg, aber es ist noch Potenzial da“, beschreibt Wilmes die Situation. Dabei handelt es sich bei 37 Prozent – 57 Kilo pro Person pro Jahr – des vermeintlichen Restmülls um organische Abfälle. Nicht nur, dass viele Menschen in Luxemburg weder kompostieren noch die Biotonne benutzen – die Analyse identifizierte etwa 20 Kilo als „vermeidbare Küchenabfälle“, nicht wenig davon originalverpackt. EU-weit liegt der Durchschnitt der von Haushalten weggeworfenen Lebensmittel bei 69 Kilo pro Kopf im Jahr.

„Bei diesem Thema muss noch sensibilisiert werden. Die Kampagne ‚Anti Gaspi‘ spielt eine wichtige Rolle“, mahnt der Umweltminister. Aktuell sind im öffentlichen Raum wieder vermehrt Motive der Aktion des Landwirtschaftsministeriums, die zu weniger Lebensmittelverschwendung auffordern soll, zu sehen. Fokus liegt vor allem darauf, nicht zu viele Lebensmittel einzukaufen, sie richtig zu lagern, Informationen zur Haltbarkeit richtig zu interpretieren und Reste zu verwerten – nützliche Informationen, die jedoch bei der Wahl des richtigen Abfallbehälters weniger hilfreich sind.

Kunststoffe machen rund 11 Prozent des Restmülls aus. Obwohl einiges davon Materialien sind, die in den Restmüll gehören, wird auch Verpackungsmaterial entsorgt, das recycelt werden könnte. „Immer noch landen jedes Jahr 17 Millionen Plastikflaschen in den schwarzen Mülltonnen“, erklärte Tim Mirgain von der Umweltverwaltung. Der Beamte gab auch an, dass Luxemburg jedes Jahr 11 Millionen Euro für nicht-wiederverwertetes Plastik an die EU zahlen müsste. Obwohl Plastikrecycling längst nicht so einfach ist, wie die Industrie es glauben machen mag, ist es eine bessere Alternative als die sogenannte „thermische Verwertung“ – also das Verbrennen von Müll („Das Reyclingmärchen“; woxx 1781).

Kommt ein Pfandsystem?

Recycling ist bei Getränkeflaschen aus PET ist oft sinnvoll, bei Aludosen ist dies sogar uneingeschränkt der Fall. Trotzdem liegt Luxemburg bei beidem unter den von der EU geforderten Recyclingquoten: mittelfristig 80, langfristig 90 Prozent. „Beim Plastik sind wir zuversichtlich, dass wir das Ziel erreichen werden, aber bei den Dosen sieht es schwierig aus,“ gibt Wilmes zu. Während 2024 bereits 77 Prozent der in Verkehr gebrachten Plastikverpackungen recycelt wurden, waren es bei den Dosen nur 43 Prozent. Über ein Pfand auf Getränkeverpackungen denke man nach, so der Umweltminister: „Wir haben den Sektor gebeten, einen Aktionsplan zu erstellen und versuchen, die Sammelquote mit anderen Mitteln zu erhöhen. Aber wir sondieren schon in Gesprächen mit unseren Partnern, etwa im Benelux-Raum, wie so etwas umzusetzen wäre.“

Diese erfreuliche Entwicklung hat sicherlich damit zu tun, dass im „blauen Sack“ beinahe jede Art von Plastik gesammelt werden kann und mit dem Verbot gewisser Einwegplastikgegenstände. Das macht sich allerdings auch anderweitig bemerkbar: Zwar ist die Menge an Papier und Kartonage im Restmüll insgesamt gesunken, jedoch wurden mehr Papiertüten und Imbissverpackungen aus Karton gefunden. Sind diese stark verschmutzt, gehören sie nicht ins Altpapier.

Insgesamt, so verrät der Blick in die Mülltonnen, der turnusmäßig alle drei Jahre erfolgt, gibt es wohl ein Problem mit der Mülltrennung. Aufgrund der komplexen Materie will das Umweltministerium weiter sensibilisieren und verweist auf Flyer und eine entsprechende App („Mäin Offall – Meng Ressourcen“). Auch wenn die Restmüllmenge stets kleiner wird, so produziert Luxemburg enorm viel Abfall: Laut Eurostat wurden 2023 pro Person 712 Kilogramm Siedlungsabfälle produziert. EU-weit sind es nur in Österreich und Dänemark mehr.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

WHO erinnert an Notlage im Sudan

In einem Statement vom vergangenen Samstag erinnert der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, an die aktuelle Notlage im Sudan. „Der Sudan steht vor einer der schwersten humanitären und gesundheitlichen Notlagen der Welt. Mehr als 33,7 Millionen Menschen – über die Hälfte der Bevölkerung des Landes...

NEWS

Carburants : Trump plus fort que Poutine

Lorsqu’en 2022 la Russie avait envahi l’Ukraine, les prix des carburants avaient bondi de 11,8 % en un mois au Luxembourg. Avec l’attaque américano-israélienne contre l’Iran et le blocage du détroit d’Ormuz, le choc est encore plus violent, la hausse atteignant 15,3 % en mars. Il s’agit de « la plus forte augmentation mensuelle jamais observée...

NEWS

« Recul historique » des droits des réfugié·es

Dans un avis publié le 7 avril, le Collectif réfugiés Luxembourg (LFR) dénonce « avec la plus grande fermeté » un nouveau projet de loi, déposé à la mi-janvier. Le texte transpose en loi nationale plusieurs règlements de l’UE englobant le Pacte européen sur la migration et l’asile, un accord vivement condamné à maintes fois par les ONG de...

NEWS

Impôts : D’abord une affaire de ménage

En 2027, le gouvernement prévoit une nouvelle réduction du taux d’imposition des entreprises. Selon Luc Frieden, cela va doper la compétitivité de l’économie luxembourgeoise. Mais rien ne prouve que ce retour sur investissement fonctionnera, rétorque la Chambre des salariés, qui plaide pour un rééquilibrage fiscal entre ménages et entreprises.