Amazon tritt bei der dritten Ausgabe des renommierten „Anne & Françoise Groben-Preises“, der an Nachwuchs-Musiker*innen vergeben wird, als Geldgeber auf. Eine Aktion, die nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Amazon durch seinen Streamingdienst unbekanntere Künstler*innen benachteiligt.

Mit dem „Anne & Françoise Groben-Preis“ sollen junge, aufstrebende Musiktalente ausgezeichnet werden. (Foto: CC-BY Images Money/flickr)
Auf dem steinigen Weg hin zur Etablierung sind Preise für junge Künstler*innen die bitter nötigen Wasserstellen, an denen sie nicht nur neue Kraft schöpfen, sondern auch ablesen können: „Weiter so, du bist auf dem richtigen Weg.“ Als Auszeichnung, Aufmerksamkeitsmagnet und persönliche Motivationsquelle gehören sie im weiteren Sinne zur Förderlandschaft, die den Nachwuchskünstler*innen den Einstieg in die von Konkurrenz geprägte Kulturszene erleichtern möchte. Durch die Würdigung wird das symbolische Kapital der Preisträger*innen gesteigert – sie gewinnen also an Ansehen – und, sofern ein Preisgeld ausgeschüttet wird, verbessert sich auch ihre finanzielle Lage, zumindest zeitweise. In einem Bereich, in dem prekäre Arbeit und Selbstausbeutung noch immer weit verbreitet sind, ist dieser Umstand nicht zu vernachlässigen.
Mit 10.000 Euro ist der prestigeträchtige „Anne & Françoise Groben-Preis“, der sich an junge Musiktalente im Klassik-Genre richtet, besonders gut dotiert. Alle Finalist*innen erhalten 1.000 Euro, das Orchestre de Chambre du Luxembourg (OCL) vergibt zudem einen Sonderpreis von 2.000 Euro und ein Publikumspreis in Höhe von 500 Euro winkt Teilnehmenden ebenfalls. Am vergangenen Mittwoch gaben das OCL und der Online-Handelsriese Amazon bekannt, dass sich letzterer als Sponsor der dritten Ausgabe des Preises engagiert, für die sich Interessierte zwischen 15 und 25 Jahren, beziehungsweise 30 für Opernsänger*innen, noch bis zum 15. Februar 2027 bewerben können.
Dass private Unternehmen aus PR-Gründen die Rolle eines Mäzens übernehmen, ist ein weit verbreitetes Phänomen.
Dass private Unternehmen aus PR-Gründen die Rolle eines Mäzens übernehmen, ist ein weit verbreitetes Phänomen; Kulturinstutionen oder -Vereinigungen sind bei der Ausschreibung von Wettbewerben oft auf die finanzielle Hilfe von Geldgeber*innen aus der Privatwirtschaft angewiesen. Dass gerade Amazon nun als Sponsor dieses Musikpreises fungiert, entbehrt jedoch nicht einer gewissen Ironie. Der E-Commerce-Gigant schreibt in seiner Pressemitteilung: „Die Finanzierung des „Anne & Françoise Groben-Preises“ ist ein aufrichtiger Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber einer Nation mit reichem kulturellem Erbe. Es zeigt den tiefen Respekt für das außergewöhnliche musikalische Talent, das Luxemburg über Generationen hinweg gefördert hat, sowie das Engagement, diese geschätzte Tradition für künftige Generationen weiterblühen zu lassen.“
Wie weit Amazons Respekt für außergewöhnliches musikalisches Talent wirklich reicht, ist fraglich. Denn laut zahlreicher Branchenquellen verwendet der Musik-Streamingdienst Amazon Music wie andere große Plattformen überwiegend das „Pro-Rata-Modell“, um unter anderem Labels und Produzent*innen, denen die Rechte an den gestreamten Liedern gehören, zu bezahlen. Das bedeutet, dass die monatlichen Einnahmen pro Land in einem einzigen Topf landen, aus dem ein*e Rechtinhaber*in ungefähr den Anteil, den seine*ihre Songs an allen Streams dieses Topfes haben, erhält. Große Namen der Musikindustrie werden somit bevorzugt, da ihr Marktanteil größer ist; das Geld zahlender Nutzer*innen, die zum Beispiel ausschließlich Bands und Solo-Künstler*innen abseits des Mainstreams hören, kommt ebenfalls zu einem Großteil bei ihnen an. Hierbei muss man auch sagen, dass kaum Genaueres über die Vergütungs- und Abrechnungssysteme von Amazon Music oder auch anderen Streamingdiensten in Erfahrung zu bringen ist; Intransparenz ist hier leider der Modus operandi.
Ein Marktschwergewicht wie Amazon, das sich in einem – wohl mit KI holprig übersetzten – Presseschreiben damit brüstet, musikalisches Talent zu respektieren, sollte auch dafür sorgen, das kleinere Acts, Nischen-Künstler*innen und Newcomer fair bezahlt werden. Aber das würde der Außendarstellung wohl weniger nutzen als das Sponsoring eines Preises, und ist deswegen schlichtweg uninteressant.

