AM KNUEDLER: Ende eines Spielzeugparadieses

Eines der letzten traditionellen Familiengeschäfte verlässt demnächst seinen Stammsitz und zieht um.
Verloren geht dabei die erzählende Kulisse einer anderen Zeit.

Geschenke verpacken im „historischen“ Ambiente. (Foto: Christiane Walerich)

Wenn man an den gefliesten Eingangssäulen der Maison Lassner vorbei in die Haushaltswarenabteilung tritt, fällt einem gleich auf, dass hier noch der Geist einer anderen Zeit herrscht: Das Personal berät die Kundschaft in hellblauen Arbeitskitteln. Was noch auffällt: Die Waren sind herabgesetzt und mit handbemalten gelben Preisschildern versehen.

Schlängelt man sich an den Auslegtischen mit Küchenutensilien, den beleuchteten Regalen, bestückt mit Restbeständen floraler Porzellankollektionen sowie dem Kaffeeservice im Goetropa-Design vorbei, gelangt man zu einer schmalen Treppe. mehr lesen / lire plus

RICHARD GLATZER: Echo Park L.A.

Mit überzeugenden Darstellern thematisiert Richard Glatzer Generations- und Traditionskonflikte der lateinamerikanischen Gemeinschaft in Los Angeles. „Quinceañera“, der 15. Geburtstag, wird dabei zum Wendepunkt in einer Welt, die gespalten ist in Limos und Madonnen, den ersten sexuellen Erfahrungen und den Erwartungen der Eltern. Insgesamt ein sehenswerter Sozialfilm, wobei präzise Milieuschilderungen verhindern, dass der Film ins Melodrama umkippt.

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ENGAGIERTE KUNST: WATCH OUT!

Endlich einmal wieder eine Galerie, die es schafft auf kleinem Raum ein Maximum an engagierter Kunst zu bieten. „WATCH OUT“, so der Titel der Ausstellung, versteht sich als warnender Ausruf im Kontext von Angstkonstellationen der modernen Gesellschaft. Themen wie Migration, Umwelt, Krieg und Globalisierung werden von internationalen, namhaften Künstlern mittels Installationen, Projektionen, Skulpturen oder Malerei diskutiert. Jenny Holzer stellt ein eigentlich illegales und politisch-brisantes Dokument zur Schau: ein Briefwechsel zwischen dem früheren CIA Direktor William Casey und einem Militärmajor, John Singlaub, das offenbart wie präsent der „Staat im Staate“, ist mit all seinen Gefahren für eine Demokratie. Im Mittelpunkt der Videofrequenz „Barbed Hula“ von Sigalit Landau – auf dem Strand bei Tel Aviv gedreht – steht ein nackter junger Frauentorso vor dem Meereshintergrund. mehr lesen / lire plus

LUCAS BELVAUX: La raison du plus faible

Un film noir social qui décrit la tentative des exclus d’une société capitaliste de rebrousser chemin.

Une grande plaque en fer est déposée par un levage aimanté, un rideau de fer rouillé s’écroule d’une grue de chantier, tombe en soulevant de la poussière – puis la caméra tourne – gros plan de visages d’ouvriers aux regards égarés, privés de leur travail derrière une grille. Devant les portes fermées de la sidérurgie – que faire pour rebrousser chemin?

Dès le départ le cinéaste belge Lucas Belvaux amène le spectateur à l’intérieur de son récit situé à Liège – l’histoire d’un hold-up. C’est surtout aux motifs du crime que Belvaux s’intéresse. mehr lesen / lire plus

JENS WOLF: Geometrische Abstraktion

An diesen heißen Sommertagen wirken die kühlen, in einer minimalistischen geometrischen Abstraktion gehaltenen Gemälde von Jens Wolf regelrecht erfrischend. Seine Malerei ist eine Art von künstlerischer Aneignung: Wolf greift die Formensprache der Vorgänger des 20. Jahrhunderts auf – etwa des Hard Edge oder des Konstruktivismus – durchbricht allerdings das Perfekte dieser Gestaltungsweise, indem er ungrundiertes Sperrholz als Bildträger verwendet. Auch lässt er Spuren des Malprozesses wie ausgefranste Farbränder oder Schmutzflächen stehen. Seine gestaffelten, linearen oder auch mal konzentrisch ausgreifenden Farbstreifen sind flächige Formen, die keine Raumtiefe erzeugen und nicht an Gegenständlichem orientiert sind. Auch die Farbgebung ist reduziert: Wolf verwendet einen dunklen Blau- oder Grünton, schwarze oder weißE Farbstreifen und manchmal ein grelles Orange, das er auf die mit Maserungen versehenen Holzplatten aufträgt. mehr lesen / lire plus

JEAN-MARC VALLEE: C.R.A.Z.Y.

Fumer n’est pas encore un crime dans le nouveau film de Jean-Marc Vallée. Cela, parce que le film joue dans les années 60, 70 et 80. Le jeune Zac s’oppose aux attentes traditionnelles de ses parents et doit trouver sa place par rapport à ses frères aînés. D’une manière dramatique et drôle le film met en scène l’adolescence et la recherche de soi. mehr lesen / lire plus

ERZÄHLKUNST: „Raconte-moi/ Tell me“

„Raconte-moi/ Tell me“ – ein Dutzend Künstler sind der Aufforderung nachgekommen. Diese Ausstellung, die vom Casino in Kooperation mit dem Musée national des beaux-arts du Québec organisiert wurde, untersucht die Funktion und Veränderung von Erzählung in der Komplexität der gegenwärtigen Gesellschaft. Durch Videoprojektionen, Installationen und Gemälde haben die Künstler Erzählverfahren etwa aus dem Bereich der traditionellen Malerei, des Kinos, der Musik oder des Tons aufgegriffen und verfremdet. Der Südafrikaner Trever Gold verwendet historische Gemäldesujets und Maltechniken der Kolonialzeit und reproduziert sie in einem heutigen Kontext – historische Narration wird wiederholt. Dagegen lässt der Belgier Francis Al˜s die gegenwärtige „Realität“ sprechen: Seine assoziativen Diaaufnahmen in Endlosschleife von schlafenden Obdachlosen, Straßenkindern und Hunden brauchen keine Erklärungen. mehr lesen / lire plus

EUROPÄISCHE DIREKTIVE: Wenig Lärm um Krach

In aller Stille wird das Lärmgesetz verabschiedet. Zu hoffen ist, dass durch das neue Gesetz nicht nur der Lärm verwaltet – sondern auch die Ruhe geschützt wird.

Vogelgezwitscher, Wasserplätschern, ein Kakaduruf vor gemächlich dahinklimpernder Pianomusik – so ertönt der telefonische Standby-Modus im Umweltministerium. Friedlich und paradiesisch wie das Umweltministerium sich mit dem Wartemodus gibt, werden auch gewisse Tagesgeschäfte in aller Stille abgewickelt – darunter nicht zuletzt das Gesetzesprojekt „relative à la lutte contre le bruit“.

Bei dieser Initiative handelt es sich um eine europäische Direktive, die Luxemburg – mittlerweile fast schon Europameister im verspäteten Hausaufgabenmachen – theoretisch bis zum 18. Juli 2006 verabschiedet haben sollte. mehr lesen / lire plus

MICHAEL WESELY: Langzeitbelichtung und Strichkodes

Der in Berlin lebende Fotograf Michael Wesely setzt sich in seinen Arbeiten mit den Materialien Licht und Zeit auseinander, um so das Wesen der Fotografie zu befragen.

Bekannt wurde Wesely durch seine Langzeitaufnahmen von Großbaustellen, wie denjenigen am Potsdamer Platz oder am Leipziger Platz in Berlin, sowie den Fotos vom Neubau des Museum of Modern Art in New York. Diese schwarz-weiß Aufnahmen sind gespenstische Dokumente. Auf einem Foto wird die zeitliche Entwicklung von mehreren Monaten, ja sogar Jahren festgehalten. So entstand etwa ein Bild von den Bauarbeiten am Potsdamer Platz, das vom 9. April 1999 bis zum 11. Dezember 2000 belichtet wurde; es dokumentiert die Entwicklung von den Grundmauern bis zu den fast fertigen Gebäuden. mehr lesen / lire plus

HOCHOFEN BELVAL: Industriedenkmal oder Krebsgeschwür?

Einen irreparablen Schaden fürchtet der Méco, wenn auf Belval der Abriss weiter läuft wie bisher.

„Die Art, wie das Dossier zum Erhalt der Hochöfen vom Fonds Belval und somit implizit auch vom Staat gehandhabt wird, wirft Probleme auf. Es wäre viel mehr möglich mit dem Geld, das der Staat bis jetzt bewilligt hat“, so Blanche Weber, Präsidentin des Mouvement écologique, anlässlich einer Pressekonferenz, die unter dem Motto stand: „Ne commettons pas l’irréparable – Osons le futur“. Gerade jetzt, wo es noch nicht zu spät sei – weitere Abrissarbeiten an den Hochöfen stehen an – sei es wichtig, das Ganze öffentlich zu thematisieren. mehr lesen / lire plus

PIERRE MARTIN-LAVAL: Essaye-moi

Ce film de Pierre François Martin-Laval pourrait bien être joué pour Noël. Il s’agit d’une comédie burlesque, qui mélange le kitsch, le fantastique avec comme thème principal la recherche noble du grand bonheur. Un film comme un conte, l’air innocent, enfants admis – son humour reste à la limite du supportable. mehr lesen / lire plus

CHAPLIN DANS TOUS SES ETATS: Komischer Darsteller des kleinen Mannes

„Ruhm hat nichts mit Popularität zu tun. Popularität hält manchmal nur von einem Klatsch zum nächsten …“, meinte Charlie Chaplin einmal. Den Klatsch jedenfalls, sei
es über seinen unsteten Lebenswandel oder seinen politischen Nonkonformismus, hat er überdauert. Dies, weil es ihm gelungen war eine archetypische Filmfigur zu schaffen – den Tramp.
Als tragischer und zugleich komischer Darsteller des „kleinen Mannes“, eines romantischen Träumers, ewigen Verlierers, der seine Niederlagen nie akzeptierte und sich immer wieder erfindungsreich zur Wehr setzte, hatte Chaplin die Lacher auf seiner Seite.
Seinem umfangreichen Schaffen als Darsteller, Autor, Produzent und Komponist widmet sich zurzeit eine Ausstellung in der Galerie „Am Tunnel“. mehr lesen / lire plus

CRISTINA DIAS DE MAGALHAES: Hinterrücks in Licht und Schatten

„Wie kann ich meinen eigenen Rücken, den Teil, den ich sonst nie sehe, einfangen?“ so die Ausgangsfrage der jungen Fotografin, Cristina Dias de Magalhaes, die zur Zeit in der Galerie Clairefontaine ausstellt. Benötigt hat sie zur Beantwortung einzig ein Interieur, einen Spiegel, kurzzeitiges Winterlicht, das gebrochen durch feinmaschige Vorhänge fällt sowie eine handliche Digitalkamera, die auf Armlänge gehalten, Nahaufnahmen schießt. Ergebnis ist eine serielle Fotoarbeit in warmen Farbtönen, die den Rücken so unmittelbar als Oberfläche gebraucht, dass er fast verschwindet. Der Wechsel von Licht- und Schattenstrukturen in Form von geometrischen oder floralen Netzrastern, die sich wie Spitzenstickerei über Wölbungen und Einbuchtungen des Rückens dehnen, bewirken, dass dieser zum Motivträger des Lichtspiels wird. mehr lesen / lire plus

CHRISTIAN VINCENT: Quatre étoiles

A peu près le même classement aurait mérité la nouvelle comédie de Christian Vincent: avec une vitesse enflammée et une bonne dose d’humeur l’histoire commence avec le lit de mort de la grand-mère, son testament et une jeune héritière, qui embarque à Nice dans le fameux Hotel Carlton pour tomber amoureux d’un gangster coléreux … En convaincant surtout par des caractères, ce film garantit de l’amusement – seul la fin est un peu maladroit. mehr lesen / lire plus

RICCARDO ALBANESE: Quello che non ti piace ti da da mangiare

„Was einem nicht gefällt, daran hat man zu kauen“, so eine ungefähre Übersetzung des italienischen Titels der Ausstellung, die zur Zeit in der Galerie Stéphane Ackermann zu sehen ist. Gezeigt werden Zeichnungen und kleine Skulpturen eines jungen neapolitanischen Künstlers mit dem klangvollen Namen Riccardo Albanese. Hier wird dem Besucher keine unverdauliche Kost vorgesetzt, sondern es findet eine ganz persönliche, eher meditative Auseinandersetzung statt, die sich ganz simpler Darstellungsmittel bedient: Auf großformatigen Papierbögen, die an die Wand gepinnt sind, benutzt Albanese eine Mischtechnik mit Kohle, schwarzer Kreide oder Tinte, um in kruder expressiver Linienführung verwelkte, dürre Gräser, gebogene Halme sowie stilisierte Sonnenblumen wieder zu geben. mehr lesen / lire plus

OBDACHLOSE: Ohne Lobby

Kritisiert werden die Obdachlosen, die Bonneweg belagern. Dabei wird übersehen, dass die Betroffenen keine Alternativen haben.

Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Rezession und steigender Arbeitslosigkeit könnte man erwarten, dass bei den meisten BürgerInnen eine neue Einsicht gewonnen wird: Armut wird gesellschaftlich produziert und muss gesellschaftlich gelöst werden. Auch und vor allem dem städtischen Bürgermeister sowie den sozialen Institutionen müsste das klar sein. Eigentlich. Doch in einem kürzlich erschienenen Télécran-Artikel ermuntert Paul Helminger (DP) in populistischer Manier die Bonneweger Bevölkerung und somit auch seine potenziellen WählerInnen zu, mehr Selbstbewusstsein gegenüber den Obdachlosen – sie sollen sich „behaupten und (…) die Parkbänke für sich in Anspruch nehmen.“

Schlimm ist, dass gerade jene, die über die öffentlichen Mittel verfügen soziale Hilfe richtig anzuwenden, wie die staatlichen und karitativen Institutionen und Repräsentanten, sich aktiv daran beteiligen, das Phänomen Obdachlosigkeit zu vertuschen und die eigentlichen Probleme nicht anpacken. mehr lesen / lire plus

PASCAL WIROTH: Le temps des amours

Le temps des amours – Pascal Wiroth
Studio Nylon / Records Luxembourg

Mit Vogelgezwitscher beginnt die neue Le temps des amours von Pascal Wiroth. Der luxemburgische Gitarrist ist kein Unbekannter mehr – durch etliche Konzerte, bei denen er Stücke von Antonio Lauro, Augustin Barrios, Bach, Ferré, Brassens oder Hector Ayala sowie eigene Kompositionen interpretierte, hat er sich bereits einen Namen gemacht. Auf dem nun erschienenen Album hat Wiroth als Autor und Interpret vierzehn recht unterschiedliche Tracks zusammengestellt, die von schwermütigen, temperamentvollen, chansonartigen Stücken bis hin zu traditionellem Tanz- und Liedgut reichen. Hauptinstrument ist die akustische Gitarre, die vor instrumentellem Klangteppich oder zu den Gesangseinlagen gespielt wird. mehr lesen / lire plus

OBDACHLOSE: Pannenhilfe im Foyer Ulysse?

Obdachlose schlucken eben nicht alles. Die Initiativen einiger Bewohner des Foyer Ulysse haben in letzter Zeit für ziemlichen Rummel bei „Caritas Accueil et Solidarité“ sowie im Familienministerium gesorgt.

„Wir würden Herrn H. auch eine Wohnung und Arbeit organisieren, damit er aus dem Centre Ulysse und den Umständen der Obdachlosigkeit herauskommt“, so André Manderscheid, Commissaire de Gouvernement im Familienministerium. Was muss passiert sein, dass man sich auf ministerieller Ebene so engagiert um ein Einzelschicksal sorgt?

Eigentlich war es ein alltäglicher Vorgang: H., seit Jahresbeginn „sans domicile fixe“, war entsprechend der Luxemburger Gesetzgebung verpflichtet, eine „Domiciliation“ zu beantragen, auch um soziale Ansprüche geltend machen zu können. mehr lesen / lire plus

FERNAND RODA: Über Qualität lässt sich streiten

In der Galerie „L’Indépendance“ der Dexia fand diese Woche vor auserlesenem Publikum und umrahmt von einem üppigen Buffet mit einer Vielfalt an Käsesorten, Schinkenarten und edlen Getränken, die Vernissage von
Fernand Roda’s neuesten Arbeiten statt. Nach der Thematik seiner Bilder befragt, verwies der ehemalige Meisterschüler bei Joseph Beuys auf den Ausstellungskatalog. Da der Meister sich selbst nicht erklärte, stand man ein wenig verloren vor seinen Gemälden und fragte sich, woran sich Qualität noch ermessen lässt: Ist es Kunst, wenn etwas als zu einfach, teilweise schlecht gemalt erscheint? Braucht es immer eine komplexere Auseinandersetzung, ein Engagement um der Einfachheit artistische Gloria zu verleihen? mehr lesen / lire plus

JURGEN SCHADEBERG: Afrique du Sud – Drum – Kliptown

„Unsere Leser wollen zum Frühstück keine schwarzen Gesichter sehen“, kommentierte der Chef einer Sonntagszeitung in den 60er Jahren die Fotos von Jürgen Schadeberg. Schadeberg gilt als Pionier der südafrikanischen Fotografie. Seine Arbeit dehnt sich über 50 Jahre und ist nun im Rahmen einer dreigeteilten Ausstellung Afrique du Sud – Drum – Kliptown zu bewundern.

Die schwarz-weiß Abzüge von Schadeberg thematisieren das Aufkommen einer schwarzen städtischen Kultur in Südafrika während der fünfziger Jahre sowie die Bewegungen gegen die Apartheid. Verblüffend sind rezentere Aufnahmen aus Kliptown, die den Bildern der 50er Jahre zum Verwechseln ähnlich sehen: Immer noch leidet die schwarze Bevölkerung unter Armut und Arbeitslosigkeit. mehr lesen / lire plus