CO2-Speicher: Unbekannter Untergrund

von | 13.03.2026

Statt CO2 zu vermeiden, wollen Regierung und Industrie es unter der Erde speichern. Ob das in Luxemburg machbar ist, ist mehr als zweifelhaft – warum, offenbaren Recherchen der woxx.

Die Regierung will den Untergrund Luxemburgs stärker untersuchen: Für Geothermie, aber auch für mögliche Lagerstätten für CO2. (Foto: Exploratary Drilling by derek dye, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Wenn ein unliebsames Problem vertuscht werden soll, spricht man davon, dass es unter den Teppich gekehrt wird. So ähnlich kann man die umstrittene und immer noch weitestgehend unerprobte Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung („Carbon Capture and Storage“ – CCS) beschreiben: CO2, das bei industriellen Prozessen anfällt, wird aus der Abluft herausgefiltert und dann unter der Erde gespeichert. Obwohl es ein Gesetz gibt, das dies in Luxemburg verbietet, untersucht die CSV-DP-Regierung nun Möglichkeiten, im Untergrund des Landes CO2 zu speichern.

Der bereits im Koalitionsabkommen angekündigte Aktionsrahmen, der vergangenen Dezember veröffentlicht wurde, sieht eine Abkehr der bisherigen Luxemburger Politik vor: Es soll aktiv untersucht werden, ob die Geologie des Landes sich nicht doch für die Speicherung von CO2 eignet („Keine Wunderwaffe in der Klimakrise“, woxx 1868). Als 2012 die EU-Direktive zu CCS in Luxemburg umgesetzt wurde, entschied man sich dagegen: Seitdem ist der Transport und das Lagern von CO2 auf dem Gebiet des Großherzogtums verboten. Der damalige Abgeordnete Marcel Oberweis (CSV), Berichterstatter des Gesetzes, gab in seiner Rede an, dass Expert*innenmeinungen eingeholt worden seien. Diese hätten ergeben, dass die Lagerung von CO2 in Luxemburg schlicht nicht möglich sei.

Suche nach dem Teppich

Bereits Mitte Dezember versuchte die woxx, eben jene Studie zu Gesicht zu bekommen. Zuerst vergebens beim Parlament, dann beim Umweltministerium. Nach über 10 Wochen Wartezeit und ebensovielen Nachfragen erhielten wir Ende Februar endlich das Dokument. Es handelt sich um ein kurzes, dreiseitiges Schreiben des geologischen Dienstes der Straßenbauverwaltung vom Dezember 2007. Das kommt zu dem Schluss, dass es in Luxemburg keine realistische Möglichkeit zur Speicherung von CO2 gibt.

Da es hierzulande weder erschöpfte Lagerstätten von Erdöl oder Erdgas, noch tiefliegende Kohlespeicher, Minen oder Höhlen gibt, bestünde nur ein mögliches Reservoir: tiefe salzhaltige Grundwasser. Diese fließen langsam und sind zu mineralhaltig, um als Trinkwasser benutzt zu werden. Damit CO2 unter Druck flüssig wird, müssen Lagerstätte jedoch mindestens 600 bis 800 Meter in der Tiefe liegen. Nur im äußersten Südwesten des Landes erreicht der Buntsandstein, unter dem sich in Luxemburg diese Grundwasser bilden, überhaupt eine Tiefe von 600 Metern. Da man allerdings auch nicht will, dass das Treibhausgas wieder entweicht, ist eine schützende geologische Barriere vonnöten – diese fehlten jedoch in Luxemburg, so die Expert*innen der Verwaltung.

Ein europäisches Forschungsprojekt namens „GeoCapacity“ ist 2006 zu dem gleichen Schluss gekommen, wie auch das Umweltministerium in einem Begleitschreiben betonte. Allerdings seien die Informationen über den tiefen Buntsandstein-Grundwasserleiter begrenzt. Die Regierung beharrt trotzdem darauf, den Untergrund weiter zu untersuchen: In erster Linie wegen der Geothermie, allerdings auch in der Hoffnung, eine mögliche unterirdische Lagerstätte für CO2 – den sprichwörtlichen Teppich also – zu finden.

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