Die woxx von morgen #3: Schreibend die Welt verbessern

von | 11.06.2020

Linker Journalismus und kostenloser Informationszugang waren immer schon zentrale Anliegen der woxx. Entsprechende Bestrebungen können aber immer nur so umfassend sein, wie unsere begrenzten finanziellen Mittel es erlauben.

Angesichts der heutigen Medienpluralismus ist die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal einer bestimmten Zeitung, nicht immer leicht zu beantworten. Die woxx hatte damit noch nie ein Problem: Als linkes, emanzipatorisches Projekt rückt sie Themen, Argumentationen und Bevölkerungsgruppen in den Vordergrund, die gemeinhin zu kurz kommen. Wir sind der Meinung: Neutralen Journalismus gibt es nicht. Sachlich, objektiv und gut recherchiert kann er dennoch sein. Seit ihrer Entstehung berichtet die woxx kritisch über politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen, die strukturelle Unterdrückung begünstigen und demokratischen Werten entgegenstehen. Problematiken wie Diskriminierung, Hate Speech, Desinformation, Demokratiefeindlichkeit und Populismus, prangern wir konsequent an, egal ob sie analog oder virtuell anzutreffen sind. Im Sinne eines intersektionalen Feminismus nehmen wir Homo-, Trans-, Dicken-, Jugend- und Behindertenfeindlichkeit ebenso ernst wie Rassismus, Feminismus, Klassismus, Antisemitismus und Islamophobie.

Die woxx versteht sich als Gegenöffentlichkeit und Safe Space: Das Mitbedenken marginalisierter Existenzen gehört ebenso zu ihrem Selbstverständnis wie ein diskriminationsfreier Sprachgebrauch. Nachdem die Redaktion bei deutschen Texten lange Zeit auf das Binnen-I zurückgegriffen hatte, wurde Ende 2017 das Sternchen als Gendering-Methode eingeführt. Ziel war es dabei, die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten zu berücksichtigen. Wer sich mit diskriminationsfreier Sprache auskennt, weiß aber, dass das Gendern nur einen Bruchteil davon ausmacht. Sprache spiegelt immer bestehende Machtverhältnisse wider. Nicht nur durch unsere Themensetzung, sondern auch den Sprachgebrauch wollen wir zur Hinterfragung des Status quo beitragen.

Das Gendern ist sicherlich das sichtbarste Beispiel dafür, dass die woxx sich nicht scheut, wenig populäre Wege zu gehen, um damit strukturelle Ungleichheiten anzufechten. Das bringt zweierlei Herausforderungen mit sich: Bei liberaleren und konservativeren Leser*innen ecken wir immer wieder an; gleichzeitig hat die Community, die wir anzusprechen versuchen, verständlicherweise hohe Erwartungen an uns. Diesen gerecht zu werden erfordert eine konstante Reflexion darüber, wie wir unsere Inhalte noch besser, inklusiver und zugänglicher machen können. Privilegien hinterfragen, Vorurteile überwinden, wenig Sichtbares offenlegen – das alles kostet Mühe und erfordert eine konstante Selbstreflexion und Selbstkritik. Wir leisten dies sowohl durch gegenseitiges Feedback, Grundsatzdiskussionen und Weiterbildungen, als auch durch Berücksichtigung von Leser*innenfeedback.

Dabei geht es keineswegs darum, einer bestimmten Zielgruppe nach dem Mund zu reden: Wir machen einen Journalismus, der hegemoniale Denkweisen herausfordert und seinen Teil zum Aufbau einer besseren Welt leistet. Dennoch ist es uns wichtig, diejenigen zu erreichen, die sich in der übrigen Luxemburger Presselandschaft nicht wiederfinden. Neben inhaltlichen, sind auch technische Aspekte eine wichtige Voraussetzung dafür: Das Gratisangebot all unserer Texte, mehrsprachige Inhalte, gestaffelte Abo-Preise, Social-Media-Präsenz und die Ergänzung der Artikel durch Podcasts, stehen allesamt im Dienste eines demokratischeren Informationszugangs. Als kleines, unabhängiges Projekt kann unser Beitrag zu einer zugänglichen Gegenöffentlichkeit aber immer nur so vielfältig und umfassend sein, wie unsere begrenzten finanziellen Mittel es erlauben. Lesen Sie hier, wie Sie uns unterstützen können: woxx.lu/support

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