Endgültige Fassung des Klimaplans: Wasserstoff (5/5)

Die woxx hat alle Änderungen der Regierung am Klimaplan analysiert: Im fünften und letzten Teil unserer Analyse dreht sich alles um die überraschende Ankündigung einer Wasserstoff-Strategie.

Foto: US Department of Energy

Die umfassendste und überraschendste Änderung des nationalen Energie- und Klimaplans (NECP) ist im Kapitel über Wasserstoff zu lesen. Dort wurden ganze Absätze eingefügt, die im Entwurf fehlten. So wird die Produktion von „grünem“ Wasserstoff genauer beschrieben. Auch wird präzisiert, dass längere Fahrten mit Wasserstoffantrieben innerhalb Europas „insbesondere im Lastkraft- und Logistik-Bereich“ ermöglicht werden sollen. Die Überraschung kommt aber ganz zum Schluss des Kapitels: Die Regierung arbeitet an einer Wasserstoff-Strategie und will die Potenziale für „erneuerbare“ Wasserstoffproduktion in Luxemburg ausloten. Das passiert im Rahmen des Europäischen Green Deals. Laut der endgültigen Fassung des NECP wird im Energieministerium „in enger Zusammenarbeit und regem Austausch mit Akteuren der Wissenschaft und der Industrie“ an dem Plan gearbeitet.

Haben Interessenverbände der Industrie die Regierung erfolgreich Lobbyarbeit geleistet, um Wasserstoff auf die politische Agenda zu setzen? Im Bericht über die Konsultation ist dies unauffindbar – lediglich von Bürger*innen, die Wasserstoff-basierte Mobilität gefordert hätten, ist dort die Rede. Erwähnt wird im NECP – auch schon in der vorläufigen Fassung – jedoch, dass „die auf den Bau von Stahlwerken spezialisierten Unternehmen in Luxemburg“ bereits im Wasserstoff zur Reduktion von CO2-intensiven industriellen Prozessen einzusetzen. International und auf EU-Niveau drängen vor allem Riesen der Gas- und Ölindustrie auf Wasserstoff und preisen ihn als nachhaltige Energieform, obwohl nur ein Bruchteil des Wasserstoffs, der aktuell eingesetzt wird, mittels erneuerbaren Energien produziert wird (siehe woxx-Artikel Stoff der Träume).

Eine andere Änderung im NECP ist eher kurios: Um die Klimaziele zu erreichen ohne auf den motorisierten Individualverkehr verzichten zu müssen, hat die Regierung die Beimengung von Kraftstoffen aus Agrokraftstoffen (sogenannte „Biokraftstoffe“) in Benzin und Diesel beschlossen. In der vorläufigen Version war der Anteil derer im Jahr 2020 auf 7,5 Prozent beziffert, in der endgültigen Fassung sind es jetzt 7,7 Prozent. Im Bericht zur öffentlichen Konsultation ist derweil zu lesen, dass Organisationen der Zivilgesellschaft den Ausstieg aus Agrokraftstoffen bis 2030 fordern oder den Einsatz gar komplett ablehnen. Eine Forderung, die nicht auf offene Ohren gestoßen ist.


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