Trotz extremer Hitze stellt kaum jemand den Flugverkehr in Luxemburg in Frage. Ganz im Gegenteil: Er soll noch ausgebaut werden.

Sobald das Wetter einigen zu „ungemütlich“ wird, steigen die Reservierungen bei der Luxair. Doch vor der Klimakrise kann man nicht wegfliegen. (Foto: CC BY-SA 4.0 Bene Riobó, via Wikimedia Commons)
Der vergangene Sommer war der wärmste der Messgeschichte. Er hatte auch mit Abstand die meisten Hitzetage, bei denen die tägliche Höchstemperatur 30 Grad Celsius überschritt. In den drei Monaten gab es 37 Prozent weniger Regen und ein Fünftel mehr Sonnenschein als im langjährigen Durchschnitt, wie der nationale Wetterdienst Meteolux berichtet. Die direkte Folge: Es starben europaweit zehntausende Menschen an der Hitze. Auch in Luxemburg gab es eine Übersterblichkeit, die zum Glück geringer war, als in den Nachbarländern – das bestätigte das Gesundheitsministerium gegenüber „RTL“.
Die Hoffnung, dass ein derart katastrophaler Sommer vielleicht zum Umdenken anregt, stellt sich jedoch als vergebens heraus. Das zeigt sich besonders beim Umgang mit dem Flugverkehr im Land. Die Ankündigung, dass „United Airlines“ ab nächstem Jahr eine Flugverbindung zwischen dem Großherzogtum und den Vereinigten Staaten anbieten wird, wurde von gewissen Medien regelrecht bejubelt.
Die neuen Flugzeuge der nationalen Fluggesellschaft „Luxair“ wurden hingegen kritisch beäugt. Das jedoch nicht, wegen ihrem hohen CO2-Ausstoß, sondern weil der Flugzeugtyp durch Unfälle in Verruf geraten ist. Im Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender „100,7“ konnte sich Luxair-Generaldirektor Gilles Feith über leichte Fragen freuen – die Verantwortung für die Klimakrise der Firma, die sich zum Teil in staatlichem Besitz befindet, interessiert beim „service public“-Sender wohl niemanden mehr. Feith hingegen erklärte, dass die niedrigeren Temperaturen der letzten Wochen für mehr Buchungen gesorgt hätten.
Wenn wir so weitermachen wie bisher, könnte die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts 2,6 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen.
Bis 2050 soll der Flughafen Findel so ausgebaut werden, dass 10 Millionen Passagier*innen im Jahr abgefertigt werden können, doppelt so viele wie aktuell. Diese Pläne präsentierten die Flughafengesellschaft und die Mobilitätsministerin im April – auch hier wurden kaum Stimmen laut, die sich mit den Auswirkungen auf das Klima beschäftigten. Dabei ist der Flugverkehr klimaschädlicher als andere Arten des Reisens, da die Abgase in so großer Höhe anders reagieren als näher am Boden.
Die Einwohner*innen Luxemburgs reisen viel: Im Schnitt tätigten sie im vergangenen Jahr 5,2 Reisen, wie das nationale Statistikamt Statec im Juli berichtete. 37 Prozent davon sind Flugreisen. Das liegt, wie auch das „Tageblatt“ Anfang dieser Woche feststellte, unter anderem daran, dass es kaum attraktive Zugverbindungen ab Luxemburg gibt. Die großen europäischen Schnellzugverbindungen fahren größtenteils am Großherzogtum vorbei und Nachtzüge halten in Luxemburg auch keine.
Laut dem neusten Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, der am vergangenen Mittwoch vorgestellt wurde, lässt sich das 1,5 Grad-Ziel nicht mehr halten. Wenn wir so weitermachen wie bisher, könnte die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts 2,6 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Was bedeutet, dass ein Großteil des Planeten unbewohnbar sein wird. Der Flugverkehr ist für einen großen Anteil der globalen Emissionen verantwortlich – und doch wird er medial nicht (mehr) in Frage gestellt. Das muss sich ändern. Medien, insbesondere solche, die einen staatlichen Auftrag haben, haben die Verantwortung, auf die Realität der Klimakrise hinzuweisen und müssen auch jenen, die sie verursachen, entsprechende Fragen stellen.

