Gutes Gold für Melusina

Ein Update zu fair gehandeltem Gold, ökosozialem Schmuck und Luxi-Kultur-Münzen.

Barren und Nugget aus Fairmined-Gold
(Wikimedia; Alliance for Responsible Mining; CC BY-SA 4.0)

Fairen Schmuck schenken? Ein Beitrag auf der Website von Alternatives économiques hat uns an diesen Themenbereich erinnert (Peut-on offrir un bijou éthique ?, Paywall). Für woxx-Leser*innen keine unbekannte Frage: In der Nummer 1542 hatten wir ein Mini-Dossier zum Fairtrade-Gold, Projekten in Afrika und der Maus-Ketti-Münze veröffentlicht.

Interessanterweise behandelt der Beitrag in Alternatives économiques nicht das Fairtrade-Label, sondern das Fairminted-Label. Bis 2013 haben beide eng zusammengearbeitet; auch heute scheinen sie sich wenig zu unterscheiden, was die Kriterien und die Glaubwürdigkeit angeht. Das Gold kommt aus 15 bis 20 Minen in Südamerika und der Mongolei, die jährlich kontrolliert werden. Die Minen, die auf den Einsatz des giftigen Quecksilbers im Veredelungsprozess verzichten, erhalten eine Sonderprämie.

Fairmined-Label für Goldschmuck aus dem Elsass

Das französische Magazin hat sich mit Amaury Noirel unterhalten, der in Straßburg den Juwelierladen Flore & Zéphyr mitgegründet hat und Gold mit dem Fairminted-Label verarbeitet. Als „joaillerie éco-responsable“ ist das Unternehmen eine Art Vorreiter. „Mit dem ökologisch und sozial fairen Schmuckhandel ist es ein bisschen wie mit den Bioprodukten vor 20 Jahren, als viele Menschen gar nicht wussten, dass es so etwas gibt“, sagt Noirel. „Der Luxussektor schützt sich mittels gewaltiger Werbebudgets; die Bedingungen unter denen Gold oder Diamanten gewonnen werden sind erst seit Kurzem ein Thema.“

Noirels Diamanten kommen aus Kanada, wo der Abbau streng geregelt ist. Zehn Prozent der Gewinne werden in sozial oder ökologisch sinnvolle Projekte zurückinvestiert. Seit Ende der 1990er-Jahre sind die „Blutdiamanten“ ein Thema: der Verkauf der Edelsteine, um bewaffnete Gruppen zu finanzieren – 2006 sogar von Hollywood aufgegriffen im Polit-Thriller „Blood Diamonds“ mit Leonardo DiCaprio und Jennifer Connelly.

Spielen Mode- und Minenkonzerne ein faires Spiel?

Die Schmuckindustrie reagierte mit dem Kimberley-Prozess, der staatliche Ursprungszertifikate vergibt und nicht zertifizierte Diamanten vom Handel ausschließt. Allerdings stellt dieses System nur einen kleinsten gemeinsamen Nenner dar. Kritisiert wird, von den Korruptionsvorwürfen einmal abgesehen, dass soziale und ökologische Kriterien für die Zertifizierung keine Rolle spielen.

Die Kimberley-Zertifizierung ist Teil der Anforderungen bei der von der Schmuckindustrie ins Leben gerufenen RJC-Zertifizierung für Unternehmen. RJC steht für „Responsible Jewellery Council“, wird aber, anders als die Fair-Label, von der Industrie selber, also Mode und Minenkonzernen wie Cartier, LVHM (Bernard Arnault) und Rio Tinto kontrolliert. „Die Zertifizierung ist interessant, beschränkt sich aber auf Absichtserklärungen“, merkt Amaury Noirel an. Patrick Schein, Goldhändler und beim Fairmined-Label engagiert, kritisiert laut Alternatives économiques insbesondere die Haltung des RJC beim Gold. Man zertifiziere eigentlich nur recyceltes Gold.

Nach der Maus- die Nixen-Münze

Die Information zu anderen Labels ergänzt unseren Fairtrade-Gold-Beitrag vom vergangenen Jahr, doch auch für dieses Label gibt es Updates. Zum einen wird die Zentralbank, nach der 175-Jahre-Unabhängigkeit- und der Maus-Ketti-Münze eine dritte Münze aus Fairtrade-Gold herausbringen. Die Melusina-10-Euro-Münze – der Verkaufspreis ist ein Vielfaches davon – erscheint vermutlich im kommenden April.

2019 erwähnten wir auch, dass drei Juwelierinnen in Luxemburg mit Fairtrade-Gold arbeiten: Annick Mersch in Berdorf, Sarah Hainaux in Bavigne und Martine Schmit auf der Corniche (Luxemburg-Stadt). Mittlerweile ist eine vierte hinzugekommen: Nancy Fis aus Heffingen. Links zu den Webseiten der Juwelierinnen auf der Fairtrade-Partnerseite (bis zu Or, lingots, bijoux nach unten scrollen).


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