Woche der Sensibilisierung: Ein Schlaglicht werfen reicht nicht

von | 28.05.2026

Was haben „Frauengesundheit“ und „psychische Gesundheit“ gemeinsam? Richtig: Sie spielen nur eine Woche im Jahr eine Rolle. Wirkliche Fortschritte werden immer wieder auf die lange Bank geschoben.

Die Grafik zeigt das Logo der ersten Woche der Frauengesundheit in Luxemburg.

Vom ersten bis zum siebten Juni gibt es eine Reihe von Veranstaltungen zu Luxemburgs erster Woche für „Frauengesundheit“. (Foto: Ministère de la Santé et de la Sécurité sociale)

Der 28 Mai ist seit 1987 der internationale Tag für Frauengesundheit. Anlässlich dieses Tages veranstaltet das Ministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit dieses Jahr die erste Ausgabe der Woche der Frauengesundheit in Luxemburg. In der ersten Juni-Woche soll es hierzulande Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops geben. Expert*innen wie Laien werden zum Austausch eingeladen, um „Tabus abzubauen“, zu sensibilisieren, zu mobilisieren und über ,frauen-spezifische‘ gesundheitliche Themen zu informieren. Dass der Gender Health Gap in Luxemburg „alive and well“ ist, zeigte zuletzt eine Veranstaltung im Februar, die vor Augen führte, wie relevant, wichtig und nötig es ist, in allen gesundheitlichen Bereichen nach Gleichberechtigung zu streben und endlich (endlich!) etwas dafür zu tun (woxx 1875, Der „kleine“ Unterschied).

Schaut man sich das Programm der nächsten Woche an, fallen drei thematische Schwerpunkte ins Auge: Menopause, Menstruation und Endometriose. Nicht falsch verstehen: Das ist nicht nichts, im Gegenteil. Dass eine solche Woche überhaupt existiert, dass zivilgesellschaftliche Akteure wie das CID Fraen an Gender, die LEQGF oder das Planning Familial eingebunden sind, dass Themen wie Endometriose und Menopause öffentlich und ohne Scham diskutiert werden sollen, verdient Anerkennung. „Mit dieser ersten Ausgabe setzt Luxemburg einen wichtigen Schritt, um Prävention zu stärken, Information zu verbessern und die spezifischen Gesundheitsbedürfnisse von Frauen besser anzuerkennen“, heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums. Ein wichtiger Schritt – ohne Zweifel. Aber wohin führt er? Und noch wichtiger, wann kommt endlich der nächste, der über das Feld hinausgeht und einen nachhaltigen Eindruck auf die reale Gesundheitsversorgung hinterlässt?

Wie viele Wochen der Sensibilisierung braucht es, bis sich die Realität der Betroffenen positiv verändert?

Auffällig ist nicht nur, was auf dem Programm steht, sondern auch, was fehlt. Psychische Gesundheit: ein blinder Fleck. Wie so oft, wenn es um Gesundheitsversorgung geht, richtet sich der Blick nicht auf das breite Feld der psychosozialen Versorgung. Dafür ist ja eine weitere Woche aus den 52 Wochen im Jahr reserviert. Meist im September, rund um den internationalen Tag der psychischen Gesundheit am zehnten. Auch reproduktive Rechte jenseits von Verhütung bleiben kommende Woche lieber unerwähnt. Schwangerschaftsabbruch, in Luxemburg seit 2023 legal, aber strukturell nach wie vor schwer zugänglich, kommt in keiner Veranstaltungsbeschreibung vor. Häusliche und strukturelle Gewalt als das, was sie nachweislich ist: ein zentraler Gesundheitsfaktor? Fällt ebenfalls raus. Dabei hatte der Vortrag der französischen Neurobiologin Catherine Vidal im Februar deutlich gemacht: Care-Arbeit, Mental Load und Gewalterfahrungen sind keine Randthemen der Frauengesundheit, sondern ihr Kern. Queer-inklusive Perspektiven tauchen im Programm zwar einmal auf, aber als Randtermine außerhalb der offiziellen Woche. Ansonsten meint „Frauengesundheit“ cis-Frauen.

Auch die politische Dimension wird ausgespart. Vor einem Jahr debattierte die Chamber die Petition 3254 zur Anerkennung von Endometriose als chronische Erkrankung (woxx1842, „Krankheit zweiter Klasse“). Das Ergebnis: wohlwollendes Verständnis, Versprechen weiterer Gespräche, und die Ankündigung eben dieser Woche. Nun ist sie da. Und Endometriose ist in Luxemburg immer noch nicht als chronische Erkrankung anerkannt. Betroffene haben weiterhin keinen gesicherten Anspruch auf den „Statut de salarié handicapé“ oder eine Invalidenrente. Wie viele Wochen der Sensibilisierung braucht es, bis sich die Realität der Betroffenen positiv verändert?

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