Zwischen 23 und 6 Uhr gilt in Luxemburg eigentlich eine Flugeinschränkung. Die wird aber nicht streng genug respektiert, kritisiert die Gruppe „Findel+“, die seit Jahren den Anstieg von Nachtflügen erfasst.

(© María Elorza Saralegui/woxx)
Die Zahl der Nachtflüge, die am Flughafen Findel starten und landen, hat sich in den letzten zehn Jahren beinahe verdoppelt: 2014 waren es laut der Datenbank der Flugsicherungsbehörde (Ana) 1.554, jedoch schon im Jahr 2023 kam man auf 2.553 und 2024 auf 3.034 Flüge, die die Nachtruhe störten. Zum Vergleich: Der Londoner Flughafen Heathrow – einer der verkehrsreichsten Flughäfen der Welt – verzeichnete 2024 rund 5.800 Nachtflüge, nicht mal doppelt so viele wie Luxemburg. Obwohl zwischen 23 und 6 Uhr eine Flugverbot gilt, gibt es mehrere Gründe für Ausnahmen, zum Beispiel wenn ein ankommender Flug sich verspätet. In den letzten Monaten scheint es aber für die von Fluglärm geplagten Anwohner*innen einen Lichtblick zu geben: Verglichen mit 2024 ist ein leichter Rückgang der Anzahl der Nachtflüge zu erkennen: Flogen im vergangenen Jahr zwischen Januar und Juli 1.761 Nachtflüge, so sind es im gleichen Zeitraum dieses Jahr mit 1.607 etwas weniger.
Die Daten der Ana seien zu unklar, kritisiert Patrick Wilhelmy gegenüber der woxx, diese erfassen nämlich nur die Anzahl pro Monat und nicht pro Nacht oder Flugstrecke. Der Gaspericher ist Teil der Gruppe „Findel+“, die auf Facebook rund 350 Mitglieder versammelt und den Himmel nach Flugzeugen, die die Nachtruhe stören, untersucht. Beinahe täglich dokumentieren Mitglieder Flüge, bei denen dies der Fall ist. „Seit Monaten schlafe ich keine sechs Stunden pro Nacht“, schreibt ein frustriertes Mitglied.
Gebilligte Verspätungen
Die nächtliche Lärmbelastung für die Bürger*innen, die in den überflogenen Gemeinden leben, hat in den letzten Jahren zugenommen: „Wenn es eigentlich vorbei sein sollte, dann fängt [der Lärm] wieder an“, so Wilhelmy. Laut der Weltgesundheitsorganisation kann Fluglärm zu Gesundheitsproblemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. „Die Reduzierung der Anzahl der Flüge und das Ende der Erweiterungen von Flughäfen sind die besten Lösungen, um sowohl den gesundheitlichen als auch den Klimaschäden entgegenzukommen“, fordert deshalb das internationale Netzwerk „Stay Grounded”, dem auch Findel+ angehört.
Zusammen mit 184 anderen NGOs und Gruppierungen hat Findel+ eine internationale Deklaration unterschrieben, um Nachtflüge abzuschaffen. Denn obwohl einige europäische Flughäfen, wie der Brüsseler Low-Cost-Flughafen Charleroi, Lärmeinschränkungen oder Nachtflugverbote eingeführt haben, bestehen weiterhin Ausnahmen. In Luxemburg machen verspätete Flüge die überwältigende Mehrheit der Nachtflüge aus – meist wegen Verkehrsproblemen oder den Wetterbedingungen, wie aus einer Antwort von Mobilitätsministerin Yuriko Backes (DP) auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Verspätungen werden systematisch gebilligt, kritisiert Wilhelmy: „Ob es sich um eine Derogation oder um eine Verspätung handelt, der Lärm einer Boeing 747 ist der gleiche.“ Er findet, Verspätungen sollten besser eingeplant werden: „Wenn gewusst ist, dass ein Flugzeug mit großer Wahrscheinlichkeit nach 23 Uhr ankommen wird, dann müsste der Flugplan geändert werden und das Flugzeug vorher starten.“
Anfang dieses Monats unterzeichneten die Ana und Luxair eine Charta mit dem Ziel, die Anzahl der Nachtflüge zu reduzieren. Im Juni bestätigte die zuständige Ministerin aber auch eine geplante Ausweitung des Flughafens in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Sven Clement (Piraten), und die freiwillige Charta sieht keine neuen Einschränkungen vor. Findel+ sieht die Charta zwar als einen Lichtblick, mahnt jedoch: für die Einwohner*innen der unter den Flugstrecken liegenden Gemeinden hat sich bisher „nichts geändert“, so Wilhelmy. Die Mitglieder engagieren sich weiterhin. Ob am kommenden 13. September, dem internationalen Tag für ein Verbot von Nachtflügen, an dem letztes Jahr mehr als hundert Organisationen Proteste veranstalteten, auch eine Aktion in Luxemburg anstehe, sei noch nicht entschieden. Für große Aktionen mangele es der Gruppe oft an Freiwilligen, denn die wenigsten Luxemburger*innen fühlten sich betroffen. So erzielte auch eine Petition gegen Nachtflüge nicht die nötigen Unterschriften. „Wir brauchen ein Umdenken in unserer Gesellschaft“, meint Wilhelmy: „Um die Findel-Euphorie etwas zu bremsen und die Frage zu stellen, ob wir wirklich für unseren Wochenendenurlaub das Flugzeug nehmen müssen.“

