Rassismus im „Wuertschatz“

Anlässlich des Nationalfeiertages präsentierte Claude Meisch eine neue Website, die den luxemburgischen Wortschatz feiern soll. Unter den Beispielen fand sich auch ein rassistischer Spruch, der noch am gleichen Tag sang- und klanglos entfernt wurde. Die woxx hat nachgehakt.

„Luxemburgisch ist eine reiche Sprache. Mit starken Ausdrücken, starken Emotionen und starken Bildern. Auf spielerische und positive Art und Weise lassen wir alte Sprüche wiederaufleben.“ Das twitterte Bildungsminister Claude Meisch (DP) am vergangenen Montag – selbstverständlich auf Luxemburgisch. Damit bewarb er die neue Website wuertschatz.lu, auf der luxemburgische Sprüche und Sprichwörter vorgestellt werden. Neben einer Wahl für Sprüche, die auf ein Poster sollen und der Möglichkeit, selbst Sprüche einzusenden, gibt es eine Liste mit 99 Sprüchen aus dem LOD, dem Lëtzebuerger Online Dictionaire.

Auf dieser Liste fand sich der Spruch „d’Leit hu sech op de Buffet gestierzt ewéi déi Wëll op d’Banannen“, zu Deutsch: „die Leute haben sich auf das Buffet gestürzt wie die Wilden auf Bananen“. Ein rassistischer Ausdruck, dem deutlich eine kolonialrassistische Haltung innewohnt: Hier werden Menschen, die in Gegenden wohnen, in denen Bananen wachsen, als „Wilde“ bezeichnet, die sich nicht kontrollieren können. Eine Einordnung nahm wuertschatz.lu nicht vor. Die Erklärung bestand darin, den ersten Teil des „Spruchs“ zu wiederholen – immerhin ohne den Grammatikfehler des Spruchs.

Screenshot des Spruches, aufgenommen am 21. Juni um 15:27 Uhr

Der Autor dieses Artikels machte seiner Verwunderung über diesen Spruch auf twitter Luft, andere Nutzer*innen des sozialen Netzwerks konfrontierten den Bildungsminister selbst damit. Wenig später war der Spruch tatsächlich verschwunden, ohne dass es dafür eine Erklärung gab. Eine Möglichkeit, die Änderung nachträglich nachvollziehen, war nicht gegeben. Die woxx hat also nachgefragt, warum der Spruch entfernt wurde.

„Der Spruch wurde durch einen anderen ersetzt, nachdem er über soziale Medien hinterfragt wurde. Die Auflistung der Seite bietet keine Möglichkeit, um zu kontextualisieren und weil es tatsächlich möglich ist, dass Menschen diesen Spruch als problematisch bewerten, hat das Zenter fir d’Lëtzebuerger Sprooch (ZLS) ihn sofort ersetzt. Es sei angemerkt, dass das ZLS dabei ist, problematische Begriffe und Wendungen im LOD allgemein besser zu kontextualisieren“, lautet die Antwort der Sprecherin des Bildungsministeriums. Es handelt sich um eine klassische Nichtentschuldigung: Nicht der Spruch ist ein Problem, sondern dass es Menschen gibt, die ihn so bewerten.

Die Auswahl der Sprüche sei vom LOD vorgenommen worden, das Ministerium habe allerdings vor der Veröffentlichung drüber geschaut. „Bei den ‚99 Spréch aus dem LOD‘ auf wuertschatz.lu waren ursprünglich die 99 aus dem Band 2 der Serie ‚Lëtzebuerger Wuertschatz‘ vorgesehen. Um mehr und andere Sprüche zu zeigen, hat der Direktor des ZLS [Luc Marteling, A.d.Red.] aus einer Liste mit glossierten Beispielsätzen aus dem LOD andere zurückbehalten und dabei ist der visierte Spruch auf die Liste gekommen“, heißt es weiter aus dem Bildungsministerium.

In den Buch-Publikationen zum „Lëtzebuerger Wuertschatz“ sei der Spruch jedoch nicht zu finden. Laut woxx-Informationen ist jedoch „Di Wëll lafen am Bësch“ zu finden, der ebenfalls mit dem rassistischen Bild der „Wilden“ arbeitet. Auch unter den eingesendeten Sprüchen, die offenbar ohne Moderation veröffentlicht werden, findet sich dieser Spruch in zwei Versionen.


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