Schon gestreamt? Big Little Lies

von | 11.02.2018

Die HBO-Serie „Big Little Lies“ wirft einen differenzierten Blick auf häusliche Gewalt. An anderer Stelle mangelt es der Serie leider an Tiefe.

©familyvideo.com

In der Hauptsache reiche Menschen, die keine anderen Probleme habe, als ihre Nachbarn zu beneiden, ihre Kinder zu verhätscheln und pünklich in ihre Yogakurse zu gehen – das klingt erstmal nicht nach einer besonders innovativen Serie. In den ersten Folgen gelingt es der HBO-Serie „Big Little Lies“ auch nicht, dieser Prämisse etwas frischen Wind einzuhauchen.

Den Überbau der Serie, die auf einer Buchvorlage mit dem gleichen Titel beruht, liefert ein Mordfall. Von Anfang an steht fest: Eine der Figuren wird im Laufe der Staffel von einer der anderen umgebracht werden. Folglich erhalten die Zuschauer*innen Hinweise, es werden aber auch falsche Fährten gelegt. Denn: Zahlreiche zwischenmenschliche Konflikte werden so gestaltet, dass die Möglichkeit eines tödlichen Ausganges nicht ausgeschlossen werden kann. Parallel dazu werden in Flash Forwards Menschen gezeigt, die als Zeug*innen Informationen über die verdächtigten Personen liefern. Spannung will trotz alledem nicht wirklich aufkommen.

Es gibt aber auch Positives an „Big Little Lies“. So zum Beispiel der Cast: Nicht nur, dass Schauspielerinnen wie Nicole Kidman, Reese Witherspoon und Laura Dern mitspielen, sie liefern mit die beste Leistung ihrer jeweiligen Karrieren ab. „Big Little Lies“ ist auch angenehm fürs Auge. Jede Figur ist normschön, die Wohnungen sind extravagant, der Lifestyle luxuriös. Auf dieser Ebene kann man sich einfach berieseln lassen und sich über die Abgehobenheit der Protagonist*innen amüsieren.

Schaut man aber über die Oberflächlichkeiten hinweg, dann ist „Big Little Lies“ in der Hauptsache eine Erzählung über Missbrauch. So handelt es sich bei Jane (Shaileen Woodly) um ein Vergewaltigungsopfer,  das daraus resultierende emotionale Trauma wird auf äußerst glaubwürdige Weise vermittelt. Dann ist da auch noch Kidmans Figur Celeste, die in einer von Missbrauch geprägten Beziehung mit ihrem Mann Perry (Alexander Skarsgard) ist. Obwohl aber anhand dieses Paares ein differenzierter Blick auf die Problematik der häuslichen Gewalt vermittelt wird – vor allem auf die Gründe, weshalb Celeste sich das so lange gefallen lässt – wird der Handlungsstrang im Laufe der Folgen unnötig repetitiv.

Ein sehr viel wesentlicher Kritikpunkt aber ist, dass die Gewalt gegen Celeste derart oft veranschaulicht wird. Dass Perrys Ausraster schlimm sind, hat das Publikum bereits nach dem ersten Mal verstanden. Gewalt gegen Frauen auf derart inflationäre Weise zu zeigen, trägt zu einer allgemeinen Normalisierung und Verharmlosung solcher Bilder bei. Viel zu oft werden Frauen in Medienprodukten als Sexobjekte oder eben Opfer gezeigt. Celeste ist natürlich mehr als nur das: Sie ist willensstark und ihre Persönlichkeit ist eindeutig komplexer gestaltet als diejenige Perrys. In dieser Hinsicht sticht „Big Little Lies“ positiv neben Serien wie „Game of Thrones“ oder „The Fall“ hervor.

Alles in allem ist „Big Little Lies“ eine gute Serie: Die Bilder sind ästhetisch, die Umsetzung kompetent, die Schauspieler*innen exzellent. Besonders erfreulich ist, dass dem hartnäckigen Indivivualismus der Figuren gen Ende der Staffel eine Alternative entgegengestellt wird, und die Serie, trotz ihrer Beschränkung auf eine extrem privilegierte Minderheit , mit einer bestärkenden Botschaft aufhört.

Auf Sky, Amazon, iTunes und Google Play.

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