Stand-Up: River Butcher: A Different Kind of Dude

Seit Beginn der Pandemie wurde Komiker River Butcher geschieden und outete sich als trans. Das und vieles mehr thematisiert er in seinem neuen Stand-up-Special. Trotz ernster Themen bleibt der Ton durchgehend leicht.

Copyright: River Butcher

Das neue Comedy-Special von River Butcher verlangt etwas Geduld. Zumindest für diejenigen, die von professionellen Komiker*innen mehr als lahme Pandemie-Witze erwarten. Wer aber innerhalb der ersten beiden Minuten der Verlockung widerstehen kann, das nächste vom Youtube-Algorithmus vorgeschlagene Video anzuklicken, wird belohnt: mit queerem, originellem und vor allem witzigem Inhalt.

Im Laufe des insgesamt 34-minütigen Videos wird der Eindruck verstärkt, dass der verhältnismäßig uninspirierte Einstieg wohl weniger auf einen Mangel an Ideen als vielmehr auf eine bewusste Strategie zurückzuführen ist. Nämlich jener eine Balance zwischen queerem und nicht-queerem Inhalt herzustellen. Konkret heißt das, dass Butcher im Laufe des Specials immer wieder zwischen Bits, die spezifisch auf seine Erfahrungen als aus Idaho stammender trans Mann zurückgehen, und solchen, die auch im Comedy-Special eines x-beliebigen nicht-queeren Comedians vorkommen könnten. Er ist nämlich nicht nur der titelgebende „different kind of dude“, sondern auch einfach „some random dude“. „At every turn, Butcher diverts the joke’s attention onto the less vulnerable folks in ways that honor moments of lovable dudeness while also shredding the deep gender weirdness of the cishet world“, bringt es Autorin Yashwina Canter in ihrer Autostraddle-Rezension des Specials auf den Punkt.

Ob man diese Balance gelungen findet, beziehungsweise welche der beiden Gewichtungen man ansprechender findet, ist letzten Endes eine Frage des Geschmacks. Worüber sich allerdings nicht streiten lässt, ist die Originalität, mit welcher Butcher seine Erfahrungen als seit Kurzem transitionierender Mann thematisiert. Wenn er Menschen auf die Schippe nimmt, dann stets auf wohlwollende Weise. Für Tankwart*innen, die ihn schon vor seiner Transition konsequent mit „Sir“ ansprachen, hat er nichts als Anerkennung: „They knew me and they loved me, before I could love myself. I’m very grateful to those guys.“ Wenn er weiße cis Frauen kritisiert, die mit ihrer Wokeness angeben, ihn dann aber misgendern, nimmt Butcher sich keineswegs aus der Kritik heraus: „It takes one to know one, I used to be you. I thought I was, you know. And I was wrong, but…“. Butcher erzählt von einem Telefonat mit seinem Vater. Anlass war der Tod von dessen Hund. „He was the son I never had“, habe der trauernde Vater damals zu ihm gesagt. „Which was hard for me, because I thought I was the son he never had“, kommentiert der Künstler diese Aussage in sarkastischem Tonfall.

In seinem Special kommen die meisten also gut weg. Und er selbst spricht die Herausforderungen, die er in den letzten zwei Jahre bewältigen musste zwar an, in Selbstmitleid versinkt er dabei aber nie. Ganz im Gegenteil dominiert im Special durchweg eine gewisse Leichtigkeit.

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