Antisemitismus: Mangelnde Wahrnehmung

Die Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken bedroht nicht die freie Meinungsäußerung. Vielleicht kann sie jedoch eine längst überfällige Debatte über israelbezogenen Antisemitismus provozieren.

Protestaktion in Edinburgh gegen eine von den „Scottish Friends of Israel“ organisierte Ausstellung: Schon im Kampf gegen die Judenemanzipation war es eine zentrale antisemitische Strategie, den gesellschaftlichen Beitrag des Judentums zu diskreditieren. (Foto: Wikimedia Commons)

Der Kampf gegen Antisemitismus wird durch ein zweifaches Dilemma erschwert: erstens bezüglich der Frage, wann Antisemitismus strafbar wird, und zweitens hinsichtlich dessen, was in unserer Gesellschaft überhaupt als antisemitisch gilt.

Dieses Dilemma lässt sich an einem Beispiel illustrieren. Zu den Wahlplakaten, die in Deutschland vor den Europawahlen im vergangenen Monat einiges Aufsehen erregten, gehörte auch eines der Partei „Die Rechte“. mehr lesen / lire plus

Liberté d’expression : IHRA, la boîte de Pandore

Le Luxembourg ferait bien d’amender la définition de travail que donne l’IHRA de l’antisémitisme et de garantir la liberté d’expression. Dans sa forme actuelle, elle risque même d’entraver le travail des journalistes.

Portrait collectif des membres du comité de l’Association des journalistes républicains de H. Laissement, 1907 (© musée Carnavalet)

Dans un courrier adressé « à nos représentants à la Chambre des députés », le Comité pour une paix juste au Proche-Orient (CPJPO) s’inquiète d’un projet de motion introduit par le député chrétien-social Laurent Mosar, demandant au gouvernement d’adopter la définition de travail de l’antisémitisme de l’Alliance internationale pour la mémoire de l’Holocauste (IHRA). mehr lesen / lire plus

Spoliations : D’Amerikaner sinn do

Confronté à la pression politique des États-Unis, le Luxembourg réalise que les engagements pris par le passé n’étaient pas que symboliques et qu’il aurait mieux fait de les honorer à temps.

Randy Evans, ambassadeur des États-Unis (3e à dr.) entouré de Simona Frankel, ambassadrice d’Israël et de Tom Yazdgerdi, Special Envoy for Holocaust Issues. (Photo : Luxembourg US Embassy/Facebook)

Lorsque le 4 février dernier, le site de l’ambassade des États-Unis au Luxembourg annonça que le premier ministre Xavier Bettel venait de recevoir une délégation américaine composée du Special Envoy for Holocaust Issues et de plusieurs représentants de la World Jewish Restitution Organization (WJRO) pour « discuter des efforts internationaux, y compris du Luxembourg, visant à résoudre les problèmes de restitution en lien avec la période de l’Holocauste », quiconque un tant soit peu au courant du dossier comprenait que quelque chose d’important venait d’avoir lieu. mehr lesen / lire plus

Spoliation des Juifs
 : Point de 
non-retour

Aussi bien Vincent Artuso qu’Henri Juda exigent un changement de perspective dans l’approche de l’histoire de la Shoah.

Récemment l’historien Paul Dostert a reconnu dans nos colonnes ne pas avoir été indépendant mais « au service du ministère d’État » lors de ses recherches portant sur les comptes juifs en déshérence. Il réagissait à la publication sur notre site du rapport final sur les « comptes juifs inactifs », rapport complémentaire sur la spoliation qu’il avait livré au gouvernement et qui était resté confidentiel jusque-là. Dans ce document, il explique que les comptes titres, contenant actions et obligations « pour autant qu’ils aient existé à l’époque, ne peuvent faire l’objet de ce rapport ». mehr lesen / lire plus

Erinnerungskulturen : Wem gehört die Vergangenheit ?

Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg war lange von Zerwürfnissen zwischen Resistenzler*innen und Zwangsrekrutierten geprägt. Jüdische Schicksale blieben außen vor. Ein Vortrag von Eva Maria Klos und Elisabeth Schumacher gibt darüber Aufschluss.

Ungeschickte Wortwahl oder bewusste Unterdrückung der Judendeportationen, zB vom 7.10.1941? – Der „quai des déportés“ am ehemaligen Bahnhof Hollerich.

„(Qui est mort) pour la patrie ?“ Welche Akteure im Luxemburg der Nachkriegszeit Interesse daran hatten dies zu beantworten und welche Konflikte sie damit heraufbeschworen, diesen Fragen sind die Historikerinnen Eva Maria Klos und Elisabeth Hoffmann in ihren jeweiligen Recherchen über Zwangsrekrutierte und Resistenzler*innen nachgegangen.

Am kommenden Sonntag, dem 23. mehr lesen / lire plus

Kirche und Antisemitismus: Nur Kinder ihrer Zeit?


Ende Mai gab es von katholischer Seite eine Reaktion auf den in der woxx 1425 erschienenen Artikel „E kopernikaneschen Tournant“. Ihr Tenor: Antisemitische Ausfälle katholischer Geistlicher im 19. Jahrhundert waren lediglich Reaktionen auf die aggressiven Attacken ihrer damaligen Gegner.

In Luxemburg war es im 19. Jh. die katholische Presse, die antisemitische Vorstellungen in die große Masse hineintrug. Der Priester und Zeitungsredakteur Jean-Baptiste Fallize steuerte seinen Teil dazu bei. (Quellen: WikiCommons, Cornischong)

Worum ging es: Am 26. Mai erschien in der woxx ein Beitrag der Autorin, der die Umbenennung der früheren „Montée Monseigneur Fallize“ in Ettelbrück – und genereller den veränderten Umgang mit der Geschichte von Judentum und Antisemitismus in Luxemburg – behandelte. mehr lesen / lire plus

JÜDISCHE EMANZIPATION (3/6): „Hyänen“ und „Parasiten“

Antisemitische Äußerungen waren im Ersten Weltkrieg nicht mehr nur der katholischen Presse vorbehalten, sondern wurden auch in linken Zeitungen formuliert: Die Figur des galizischen Wucherers fügte sich in der Zeit von Hunger und Mangel ein in den antikapitalistischen Diskurs.

„Butterpolonaise“ in Esch während des 1. Weltkriegs.

Am 19. Februar 1907 meldete das „Luxemburger Wort“, „galizische Arbeiter“ seien durch einen Agenten nach Luxemburg gebracht worden, um in verschiedenen Fabriken zu arbeiten. Wenngleich damit nun erstmals von leibhaftigen „Galiziern“ in Luxemburg berichtet wurde, war hierzulande bereits seit dem 19. Jahrhundert von galizischen Juden die Rede. Vor allem in Berichten des „Luxemburger Wort“ zur „Judenfrage“ und zu den Judenpogromen in Österreich-Ungarn und Russland fanden sie reichlich Erwähnung: als Profiteure und arbeitsscheue Gesellen, die sich auch dem Militärdienst entzögen, als Wucherer, die Handwerk und Ackerbau verschmähten, oder als gefährliche Revolutionäre. mehr lesen / lire plus

JÜDISCHE EMANZIPATION (2/6): „Man kann aber Antisemit und doch ein guter Katholik sein“

Der „Fall Dreyfus“ in Frankreich, ein Spionage-Prozess um einen jüdischen Armee-Hauptmann, bewegte um die Jahrhundertwende ganz Europa. Auch in Luxemburg verhandelte die Presse an diesem Beispiel den gesellschaftlichen Status von Juden und Jüdinnen.

Robert Brasseur, Berichterstatter der „Luxemburger Zeitung“ zum Dreyfus-Prozess in Rennes, mit anderen Journalisten (mittlere Reihe, dritter von links). (Quelle: Biographie nationale, vol. 10, fasc. 19, S. 104.)

Der Prozess um den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus war eines der ersten Exempel moderner Medienberichterstattung, eine Presse-Affäre, die nicht nur Frankreich, sondern Europa und die gesamte sogenannte zivilisierte Welt in Atem hielt. Luxemburg machte keine Ausnahme. „Wir haben uns während des Dreyfusprozesses bemüht, allen billigen Forderungen, die in dieser Hinsicht an ein gut unterrichtetes Blatt gestellt werden können, nach Kräften gerecht zu werden,“ warb die „Luxemburger Zeitung“ 1899 um Leserschaft. mehr lesen / lire plus

JÜDISCHE EMANZIPATION IN LUXEMBURG (1/6): „Man gibt eine ganze Classe ehrbarer Bürger dem Hasse preis“

Die Französische Revolution brachte vielen, die zuvor aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren, die Gleichberechtigung. Dazu gehörte auch die jüdische Minderheit. Doch noch ein Jahrhundert später kämpften katholische Priester gegen dieses Prinzip.

Vikar Jean-Nicolas Breisdorff und Generalvikar Jean-Baptiste Fallize, beide auch Abgeordnete, führten die Redaktion des „Luxemburger Wort von 1855 bis 1885 bzw. von 1885 bis 1887. In dieser Zeit nahmen dort die antisemitischen Anwürfe stark zu.

„Das ?Luxemburger Wort für Wahrheit und Recht` bringt seit einiger Zeit die heftigsten Artikel gegen Juden und Judenemanzipation. Man fragt sich vergebens nach dem Zwecke dieser Artikel“, wunderte sich der Luxemburger Großrabbiner Samuel Hirsch 1850 im „Courrier du Grand-Duché“. mehr lesen / lire plus