ROMA: „Armut macht nicht sympathisch“

„Sie musizieren, betteln und sind kriminell“, so die gängigen Klischees über Roma. Dabei gehören sie längst zum Stadtbild. Warum der Zuzug von Roma nach Westeuropa vor allem ein Armutsphänomen ist, erklärt Norbert Mappes-Niediek im Gespräch mit der woxx.

Norbert Mappes-Niediek, geboren 1953, arbeitet seit 1991/1992 als Südosteuropa-Korrespondent für deutsche und niederländische Medien.
Er ist Autor mehrerer Sachbücher zu Themen aus der Region und war 1994/95 im Stab des Uno-Sonderbeauftragten für das ehemalige Jugoslawien.

Woxx: Zuzüge bestimmter Bevölkerungsgruppen ins reiche Westeuropa hat es von jeher gegeben. Hat Europa die Zigeuner als „ethnische Gruppe“ bzw. als „Rasse“ erfunden?

Norbert Mappes-Niediek: Ja, natürlich! Rassen- und Ethnizitätsbegriff sind ja viel jünger als diese Gruppen, die im 15. mehr lesen / lire plus

KULTURGESCHICHTE: Stiller Triumph unter der Trauerweide

Auch wenn sich die Bitburger Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in ihrem Haus Beda zunehmend der Ausstellung moderner Kunst widmet, verwahrt sie doch in ihrer umfangreichen Sammlung auch zahlreiche Werke von Künstlern, die dem NS-Regime nahe gestanden haben.

Unkommentiert steht Arno Brekers „Prometheus“ im Garten des Haus Beda.

Vom „Drang zum Hässlichen, Krankhaften, Verrückten, Perversen, ja zur Pornografie“ in der Kunst ist die Rede. Von Dekadenz und Verfall. Und von Besuchern, die an „diesen so genannten modernen Kunstwerken verständnislos, kopfschüttelnd oder auch erbost und empört vorbeigehen“. Diese Sätze sind Ausschnitte aus einer Rede. Allerdings nicht etwa aus der Eröffnungsrede zur Münchener Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937, sondern aus der zu einer Veranstaltung rund 40 Jahre später. mehr lesen / lire plus

KÜNSTLERISCHE THERAPIEN: Kreatives Gestalten als Heilmethode

Obwohl die künstlerischen Therapien im Ausland boomen und einen wichtigen Beitrag leisten, werden sie in Luxemburg nach wie vor stiefmütterlich behandelt.

Die Puppen der Puppenspieltherapeutin Fabienne Thoma waren bei der Fachtagung
der künstlerischen Therapeuten ein Hinkucker.

Immer mehr SchülerInnen zeigen Verhaltensweisen, die den schulischen Betrieb stören. Solche Kinder und Jugendlichen benötigen oftmals eine andere Zuwendung, als sie sie im klassischen Unterricht erfahren. Können künstlerische Therapien hier eine Lösung sein? Dies ist eine der zentralen Fragen, die letztes Wochenende bei der Fachtagung „(Fir d‘)Liewe léieren – der Beitrag der künstlerischen Therapien zur Entwicklung ganzheitlicher Kompetenzen“ behandelt wurden.

Das Interesse an der Tagung war groß: Über hundert Einschreibungen verzeichneten die Organisatoren, der Berufsverband für Kunst-, Theater-, Musik- und Tanztherapien, die „Association luxembourgeoise des Art-thérapeutes Diplômés“ (ALAtD asbl) und die „Gesellschaft fir Musiktherapie zu Lëtzebuerg“ (GML asbl). mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Das Verschwinden der Linken

In ihrer Ablehnung der europäischen Austeritätspolitik erklärt die außerparlamentarische Linke Italiens den Feind ihres Feindes zum Freund ? dabei hat der jüngste Wahlausgang vor allem den Berlusconismus gestärkt.

Mobilisiert die Wutbürger Italiens: Der „Antipolitiker“ Beppe Grillo.

Es herrscht großes Chaos unter dem italienischen Himmel, doch vielen außerparlamentarischen Linken erscheinen die Bedingungen exzellent. Mao zitierend, lässt sich einmal mehr die revolutionäre Hoffnung beschwören. „Es lebe Grillo! Es lebe die Instabilität!“ frohlockt Antonio Negri im Interview mit dem postoperaistischen Netzwerk Uninomade (www.uninomade.org). Der Medientheoretiker Franco „Bifo“ Berardi erklärt, er habe mit seiner Stimme für Beppe Grillo einen Beitrag zur „Unregierbarkeit“ Italiens und zur Niederlage der europäischen Austeritätspolitik leisten wollen. mehr lesen / lire plus

JAZZ: Frauenpower

Ausschließlich Frauen stehen an diesem Wochenende im Düdelinger Kulturzentrum Opderschmelz auf der Bühne. Gerade im Jazz und der modernen Gegenwartsmusik sind sie dünn gesät.

oreline de Cat interpretiert Philip Glass.

Junge Interpreten, die schon auf moderne Gegenwartsmusik und Jazz spezialisiert sind, sind eher die Ausnahme. Und unter diesen stellen Frauen noch eine weitere Besonderheit dar. „We Love Girls!“ nennt sich darum programmatisch die Veranstaltung im Kulturzentrum Opderschmelz in Düdelingen an diesem 9. März, einen Tag nach dem internationalen Frauentag. Auch wenn sich die Situation von Musikerinnen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren deutlich geändert hat, sind „starke“ Frauen außerhalb des Mainstream immer noch selten. mehr lesen / lire plus

REBECCA THOMAS: God’s Vessel

Une cassette audio peut-elle être à l’origine d’une nouvelle « Immaculée Conception » ? C’est la question qui donne à « Electrick Children » une tournure certes humoristique mais honnête sur l’Amérique profonde et ses contradictions.

Elle attend l’enfant divin.

Pour la jeune Rachel, qui vient d’avoir quinze ans, la vie dans la réclusion religieuse et sous la férule de l’absolutisme est la seule chose qu’elle connaisse – donc la normalité. Dans la communauté mormone de l’Etat de l’Utah où elle a grandi, la société en est encore à un état que certains décriraient comme « original », mais qui en fin de compte ne peut être qualifiéeautrement qu’arriéré. mehr lesen / lire plus

COLLAGE: Wahnsinn war weiblich

In ihren surreal anmutenden Arbeiten hinterfragt Paula Muhr Konstruktionen von Weiblichkeit und Hysterie. Ihre Collagen legen offen, dass weiblicher Wahnsinn lange Zeit vor allem Folge einer reaktionären Wissenschaft war.

Wann gilt eine Frau als geisteskrank? Bereits wenn sie jähzornig ist? Wenn sie schielt, unbeteiligt dasitzt oder einen irren, abwesenden Blick hat, der sich in der Ferne verliert? Bedarf es sichtbarer Anzeichen der neurotischen Störung, wie der eines herablaufenden Speichelfadens am Kinn? Oder spiegelte die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung von Frauen im letzten Jahrhundert nicht oft einen Mangel an Empathie und Kenntnissen wider, setzt sie doch ein hetero-normatives Bild einer unemanzipierten Frau voraus, die sich den gesellschaftlichen Mustern, in einer von Männern dominierten Gesellschaft und Wissenschaft, unterzuordnen hatte? mehr lesen / lire plus

2030.LU: Sur fonds de commerce

Jusqu’en été, le petit monde luxembourgeois pourra donner son opinion sur l’avenir du pays par le biais d’une campagne qui se veut neutre et transparente.

Les instigatrices et instigateurs de la campagne fraîchement lancée « 2030.lu ambition pour le futur » demandent qu’on leur accorde le bénéfice du doute. Financée à cent pour cent par la Chambre du commerce et gérée par une équipe de « cinq à six personnes », presque entièrement à la solde de cette même chambre, la campagne serait impartiale pour autant, et donnerait aux concitoyennes et aux concitoyens la possibilité de se prononcer sur l’avenir du Luxembourg et les défis qui l’attendent pour 2030. mehr lesen / lire plus

RELIGIONS: Complexifications

Pour préparer le débat parlementaire sur les futures relations entre Etat et communautés religieuses, le ministre des Cultes a organisé un séminaire avec tous les concernés.

Invité par le ministre Biltgen, tout le gratin confessionnel était présent ce mercredi à l’occasion du débat avec la commission d’experts qui a rédigé un rapport sur l’avenir des relations entre l’Etat et les communautés religieuses (voir woxx 1183). Il y avait donc : les églises catholique, protestante, anglicane, orthodoxe et néo-apostolique, les communautés musulmane, juive et même les bahaï – ne manquaient que les pentecôtistes, les témoins de Jéhovah et – pourquoi pas ? – la scientologie. mehr lesen / lire plus

LSAP macht sich Mut

Wenn man die eigene Existenzberechtigung selbst beschwören muss, dann läuft irgendetwas schief! Nein, die Rede ist nicht von der Piratenpartei, sondern vom Parteitag der LSAP am vergangenen Sonntag, auf dem sich die Parteispitze Mut machte. „Mehr Bildung, mehr Beschäftigung“ waren die dominierenden Schlagwörter und man müsse Geschlossenheit nach außen signalisieren, appellierte Parteichef Bodry an seine „Genossen“. Darüber hinaus hält die Partei erstaunlicherweise an sozialer Gerechtigkeit fest. So sei es nach wie vor eines ihrer Hauptanliegen, das luxemburgische Sozialmodell zu erhalten. „Dem Diktat der Märkte dürfen wir nicht nachgeben“ und „Der Mensch muss wieder im Herzen unseres Interesses stehen“, so Bodry. Von der Mehrheit beklatscht wurde die Grundschul- und Berufsausbildungs-Reform, die von Ministerin Mady Delvaux-Stehres nach „Jahrzehnten des politischen Stillstands“ auf den Weg gebracht wurde; denn bisher sei da irgendetwas schief gelaufen, stellte Arbeitsminister Schmit fest. mehr lesen / lire plus

Bibliothekenreform: Jahr der Entscheidung

Das im Jahre 2010
verabschiedete Bibliothekengesetz tritt in eine entscheidende Phase: Die
öffentlichen Bibliotheken, die von einer staatlichen Subvention
profitieren wollen, müssen spätestens in diesem Jahr einen Antrag auf
ein „agrément“ einreichen. Von 16 Bibliotheken, die dem Verband der ULBP
(Union des Bibliothèques Publiques du Luxembourg) angehören, haben
bisher vier diese Etappe hinter sich, acht sind auf dem Weg dorthin. Die
restlichen Bibliotheken wollen kein agrément beantragen, da sie die
Bedingungen dafür nicht erfüllen können oder wollen. Dass das Verfahren
so lange dauert, hat vor allem mit der obligatorischen Anbindung der
lokalen Bibliotheken an das nationale Bibnet.lu-Netz zu tun. Es setzt
hohe materielle, aber vor allem personelle Ressourcen voraus, um die
Bestände der Bibliotheken aufzunehmen. mehr lesen / lire plus

Mamer PAG wirft weitere Fragen auf

Ende
vergangener Woche schlugen die Wellen hoch in der Gemeinde Mamer, da
der Bürgermeister Gilles Roth (CSV) mit Rückendeckung des Innenministers
(ebenfalls CSV) zwei grünen Gemeinderäten vorgeschlagen hatte, nicht an
der Abstimmung des neuen Bebauungsplanes wegen angeblichem
Eigeninteresse teilzunehmen (siehe woxx 1204). Andernfalls könnte die
Prozedur als Ganzes verworfen werden, was gut und gerne eine Million
Euro kosten würde. Dass die Verabschiedung des PAG tatsächlich wegen
Verfahrensfehlern null und nichtig sein könnte, monierten am Montag auch
die Vertreter der Opposition: Die Schwägerin eines CSV-Mehrheitsrates
profitiert von einer Umklassifizierung im neuen PAG. Der betroffene Rat
hatte an der ersten Abstimmung im Herbst 2012 teilgenommen. mehr lesen / lire plus

OEKOSTADTTEIL: Alternativen Lebensstil vermarkten

Nicht der Staat, sondern ein Privat-unternehmen will Pionier des ökologischen Städtebaus werden und plant den ersten Ökostadtteil des Landes.

Nichts überließ das Privatunternehmen Schuler letzte Woche im Exit 07 dem Zufall: nämlich bei der Vorstellung des Projekts „Hollerich Village“, des ersten sogenannten Ecoquartiers der Stadt Luxemburg, das auf einem hinter dem Friedhof in Hollerich gelegenen, 3,6 ha großen Terrain realisiert werden soll.

Für das auch marktwirtschaftlich minutiös durchkalkulierte Projekt hat das Unternehmen sich bedeutende Partner an Bord geholt – von CRP Tudor über BioRegional hin zu Natur & Ëmwelt. Dabei hatte sich Schuler anfänglich nicht gerade durch Umwelt-Engagement hervorgetan – im Gegenteil: Anfang des 20. mehr lesen / lire plus

Gaydeamus !

Ce mois-ci, l’organe traditionnel des catholiques de gauche se lâche. La couverture annonce d’ailleurs bien la couleur : sur fond rose, deux lions rouges bien érigés comme il se doit se roulent une pelle toute virile. 13 ans après avoir consacré un numéro à l’homosexualité, Forum récidive. Et constate que les temps ont bien changé : dans son édito, la rédaction rappelle qu’en 1999, personne n’aurait parié que 13 ans plus tard, non seulement le mariage homosexuel, mais aussi l’homoparentalité seraient à portée de main. Les contributions en valent la peine : citons parmi d’autres Marc Rollinger (dont le woxx a brossé le portrait), qui est actuellement à l’affiche dans le documentaire « Naked Opera », qui y évoque sa foi catholique et son homosexualité, le journaliste et ancien porte-parole de la Cour Claude Neu qui analyse l’évolution du « milieu gay » grand-ducal et le psychanalyste Thierry Simonelli qui consacre son article à l’homophobie. mehr lesen / lire plus

Un peu de déontologie après tout

Cette semaine, la Chambre des
députés a pu démontrer qu’elle est en train de tirer les leçons des
récents scandales autour de Wickrange/Livange, le Srel ou la Cargolux.
Pour appuyer une nouvelle culture de la transparence, elle a publié une
première mouture d’un code de déontologie pour les députés – celui
concernant les ministres devrait suivre. Le texte, qui s’appuie sur le
code de conduite du Parlement européen que les eurodéputés ont adopté en
2011, obligera les députés de signaler tous leurs revenus au centime
près, tous les conflits d’intérêts, qui pourraient résulter d’une
activité extra-politique, ainsi que leur carrière professionnelle avant
leur accès à la Chambre des députés et les cadeaux qu’ils reçoivent. mehr lesen / lire plus

Fukushima : tous ensemble !

Deux
ans déjà que la ville japonaise de Fukushima fut frappée par une
catastrophe nucléaire, conséquence d’un tsunami. Alors que ni l’archipel
et encore moins son économie ne s’en sont véritablement remis, les
voeux d’alors de mettre fin au tout nucléaire semblent déjà bien loin.
Pourtant, à en croire les professions de foi, tout le monde s’oppose au
nucléaire. Y compris le DP, le parti historiquement le plus
pro-nucléaire, a fait sa mue. Il l’a fait savoir ce jeudi par la voix du
député Eugène Berger (ancien secrétaire d’Etat à l’environnement) : les
libéraux ont découvert les énergies alternatives et ils appellent de
leurs voeux une renégociation du traité Euratom. mehr lesen / lire plus