Theater: Denk selbst nach!

„Schmock“ ist ein Kinderstück, beruhend auf einer Fabel des rumänischen Autors Ion Creanga. Die ausgefuchste Kreation wird im Rahmen der „Congés annulés“ im Carré Rotondes gespielt.

(Foto: Sven Becker)

(Foto: Sven Becker)

Es war einmal ein Fuchs, ein schicker, eben „schmocker“ Bursche, der ziemlich eingebildet war, sich für besonders prächtig und clever hielt. Er dachte, er könne den tolpatschigen Bären, der an nichts als an sein Futter denkt, hereinlegen, doch es kam anders. Denn der Gierige fiel auf die Nase, und der Klügere gewann. Die Erzählung gibt es in zahlreichen Varianten, Jean de La Fontaine hat sie als Fabel vom Fuchs und Ziegenbock überliefert, in Luxemburg ist sie als Märchen vom Wolf und Fuchs und bekannt.

„Schmock“ beruht ähnlich wie schon „Frrrups“, eine Version der Geschichte vom Wolf und den sieben Geißlein und zugleich das letzte Kinderstück der Theaterpädagogin Linda Bonvini, das im Januar 2014 im Carre Rotondes gespielt wurde, auf einer Fabel des rumänischen Autors Ion Creanga. Die Schauspielerin und gebürtige Rumänin Larisa Faber hat die Fabeln ausgewählt und aus dem Rumänischen übersetzt, Serge Tonnar ihnen in seiner luxemburgischen Adaptation das nötige Lokalkolorit und den lebendigen Wortwitz verpasst.

Nur 35 Minuten lang ist das Ein-Personen-Stück, in dem Larisa Faber mehrere Rollen zugleich verkörpert und von einer Rolle in die nächste schlüpft. Die jeweilige Körpersprache der Tiere zu entwickeln, darin habe die Herausforderung bestanden, erzählt Linda Bonvini. Denn jede Figur hat eine eigene, die sich Regisseurin Bonvini und Schauspielerin Faber gemeinsam erarbeitet haben. „Zuerst haben wir die Körpersprache des Fuchses entwickelt, dann die des Bären und darauf dann die Erzählung aufgebaut“, berichtet Faber. Die Bühne in dem holzverkleideten Raum der Rotunden ist schlicht, als Requisite dient lediglich ein Regenschirm, so dass die Verwandlung von einem Tier zum nächsten nicht an Kostümen festgemacht werden kann, sondern ganz der Fantasie der Kinder überlassen ist.

Die Kinder sitzen im Halbkreis. Interaktiv sei das Stück schon deshalb angelegt, weil Larisa Faber auf die Kinder eingeht und diese ihrerseits auf bestimmte Beschreibungen und Szenen spontan reagieren, sodass sich mitunter eine neue Dynamik entwickelt. In einer Szene etwa, in der der Fuchs dem Bären eine komplizierte Wegbeschreibung gibt und die Kinder verwirrt nach dem Weg fragt, antworteten diese in einer Vorstellung kollektiv, indem sie summten wie Bienen. Faber ihrerseits vermag spontan auf solche Interaktionen zu reagieren, spinnt das Stück kreativ weiter, wenngleich sie danach den Weg zurück in die Handlung finden muss. Nichtsdestotrotz fielen die Reaktionen der Kinder immer unterschiedlich aus, berichtet Faber, die das Stück vor der öffentlichen Premiere am 5. August schon achtmal vor Schulklassen gespielt haben wird. „Natürlich ist es für uns sehr wertvoll, wenn wir dadurch eine Testphase hatten“, meint Regisseurin Bonvini. Letztlich mache es aber keinen Unterschied, denn das Stück stehe nun und funktioniere – getragen durch die Reaktionen der Kinder. Während die Jüngeren eher auf Körperbewegungen, Mimik und körperlichen Slapstick reagierten, verstünden die Älteren eher den Sprachwitz.

Zwar sei es ein Kinderstück, doch auch Erwachsene würden auf ihre Kosten kommen. Die Kinder im Zusammenspiel mit Larisa zu betrachten, helfe zu verstehen, wie man selbst als Kind verzaubert wurde, meint Bonvini.

Schauspielerin Faber selbst ist fasziniert von der Arbeitsweise in „Schmock“. „Es ist für mich eine körperliche Arbeitsweise, die ich sehr mag und weiter entwickeln möchte und eben dank dieser Produktion entwickeln kann“ erklärt sie, zumal rein körperliche Ausdrucksformen normalerweise nicht viel Platz im Erwachsenentheater hätten.

Und die Moral von der Geschicht? „Im Großen und Ganzen: Vertraue nicht einem anderen oder höre nicht auf andere, sondern versuch’ es selber!“, meint Bonvini. Denn in diese Falle tappe der Fuchs. Er sei zu hilflos und am Ende auch noch so gutgläubig und naiv, dass er nicht nachdenke. Und auch für die Protagonistin des Stücks steht fest: „Es appelliert an die Eigeninitiative, daran, Eigenverantwortung zu übernehmen, selbst nachzudenken und zu agieren.“ Damit berge es subversives Potenzial. Wie schon das Vorgängerstück, indem dieses eine Kritik am Aberglauben wie an Religiösem, das tief in der rumänischen Gesellschaft verwurzelt ist, enthielt. Bei „Schmock“ werde eben sehr stark an die Eigenverantwortung appelliert. Zivilcourage kommt halt nicht von selbst. Denk(t) selbst nach und handel(t)!

Am 5.8. um 15h (Premiere), 6.8. um 10h30 und um 15h, 7.8. um 10h30 und 14h30 in den Rotunden. Die Vorstellung am 8. August um 11h ist bereits ausverkauft.

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