Transfeindliche „Harry Potter”-Autorin beklagt sich über Backlash

Autorin J.K. Rowling nutzt weiterhin ihre Plattform, um transfeindliche Ansichten zu verbreiten. Sie sieht sich dabei absurderweise als Opfer.

Not now J.K. Rowling”, twitterten am Wochenende zahlreiche User*innen. Sie drückten damit wohl ihre kollektive Frustration gegenüber den neusten transfeindlichen Tweets von „Harry Potter”-Autorin J.K. Rowling aus. Diese hatte auf Twitter am Samstag einen Artikel geteilt mit dem Titel „Creating a More Equal Post-Covid-19 World for People Who Menstruate” . Sie kommentierte den Titel, indem sie sich über die Formulierung „Personen, die menstruieren“ lustig machte und schoss noch einige weitere Tweets dieser Art nach.

Ihr Timing ist in der Tat denkbar schlecht. Denn abgesehen davon, dass sich die Welt in einer beispiellosen Krise befindet, ist auch noch Pride Monat. Gleichzeitig ist klar: Transfeindlichkeit macht auch vor Ausnahmezuständen nicht halt. Und gutes Timing für Transfeindlichkeit gibt es ohnehin nicht.

Auf den ersten Blick wirkt es albern, sich mit den ignoranten Tweets einer Millionärin zu befassen. Doch Rowling hat 14,5 Millionen Twitter-Follower. Bei nicht wenigen davon handelt es sich wahrscheinlich um Kinder und Jugendliche, was deutlich macht: Nicht zu reagieren, wäre unverantwortlich. Es ist eine traurige Wahrheit, dass Interessengruppen, die sich für die Rechte von LGBTIQA-Menschen einsetzen, selten soviel Reichweite erlangen wie Rowling mit einem einzigen Tweet.

Dass die Autorin sich durch Kritik und Gegenargumente nicht von ihrer Position abbringen lässt, wurde bereits in den letzten Jahren deutlich. 2018 likte sie einen Tweet, in dem trans Frauen als Männer in Kleidern bezeichnet wurden, und im Dezember 2019 zeigte sie sich auf Twitter solidarisch mit einer Person, deren Arbeitskontrakt aufgrund transfeindlicher Aussagen nicht verlängert worden war (die woxx berichtete darüber). Beide Male war der Backlash groß. Der rezente Fall zeigt jedoch, dass sie sich in puncto Transgeschlechtlichkeit bisher kaum weitergebildet zu haben scheint.

Dann wüsste sie nämlich, dass nicht nur Frauen menstruieren können, sondern auch trans Männer und nicht-binäre Personen. Auch in ihren weiteren Tweets stellt sie wissenschaftlich unfundierte Thesen auf. Dass gerade sie, eine ach so tolerante Feministin, transfeindlich gewesen sein soll, empfindet sie als unvorstellbar. Dass es ein Anfang wäre, sich von ihren trans Fans eines Besseren belehren zu lassen, kommt ihr scheinbar nicht in den Sinn.

Ihre Aussagen sind erwartungsgemäß polarisierend: Denn neben Kritik machen die zahlreichen Likes und Retweets, die sie für solche Posts erhält, sowie der Hashtag #standwithrowling deutlich, dass ihre Haltung durchaus auch Anklang findet. Trotzdem sieht sich Rowling als Opfer. Ebenfalls am Montag teilte sie einen Artikel, aus welchem sie folgenden Satz zitierte: „I’ve never felt as shouted down, ignored, and targeted as a lesbian *within* our supposed GLBT community as I have over the past couple of years“. Sie weigert sich zur Kenntnis zu nehmen, dass sie hier in der Machtposition ist. Sie ist die weiße, reiche, heterosexuelle cis Frau, die ihre Plattform nutzt, um diskriminierende Ansichten zu verbreiten. Und sie ist die, die mit ihren Tweets die ganzen Diskussionen in ihrem Feed überhaupt erst auslöst.

Am Montag nutzte jemand anderes seine öffentliche Sichtbarkeit. In diesem Fall allerdings, um sich für Transrechte einzusetzen: „Harry Potter-Schauspieler Daniel Radcliffe veröffentlichte einen entsprechenden Text auf dem Blog des Trevor Projects, einer NGO, die psychologische Beratung und Suizidprävention für LGBTQ-Jugendliche leistet. “Transgender women are women. Any statement to the contrary erases the identity and dignity of transgender people and goes against all advice given by professional health care associations who have far more expertise on this subject matter than either Jo or I“, schrieb er dort unter anderem und verpasste Rowling damit den notwendigen Realitätscheck: Es geht in dieser Angelegenheit nicht um eine abstrakte Argumentation,  sondern um die Lebensrealität einer besonders marginalisierten Menschengruppe. Dass sich die Fangruppen von Rowling und Radcliffe in großen Teilen überschneiden dürften, macht die Wichtigkeit seiner Wortmeldung umso deutlicher.


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