Umgehung von Bascharage: Grüner Lackmustest

Straßen lösen keine Verkehrs- probleme. Der Mouvement kritisiert das umweltzerstörerische Projekt in Bascharage und schlägt Alternativen vor.

(Karte: MDDI)

(Karte: MDDI)

„Unvorstellbar“ ist es für den Mouvement écologique, dass die Umgehungsstraße von Bascharage ge- nehmigt wird. Am 11. Juli stellte die Regionale Süden der NGO ihre Position zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor (www.meco.lu). Weil eine Null-Plus-Variante wahrscheinlich ausreiche, um die Schadstoffwerte innerhalb der Ortschaft unter den Grenzwert zu senken, könne keine „raison impérative d’intérêt public majeur angewendet werden, um die Zerstörung großer, wertvoller Naturflächen zu erlauben“.

Der Mouvement kritisiert insbesondere den geplanten Bau einer Auffahrt im Gebiet der Naturzone Dreckwiss und die Lärmbelastung in den Naherholungsgebieten Bobësch und Zaemerbësch. Außerdem sei es ein „Trugschluss“, zu glauben, dass Umgehungsstraßen automatisch die Ortschaften entlasten: Es bilden sich neue Engpässe, und die Autofahrer weichen massiv auf die Ortsdurchfahrten als „Schleichwege“ aus. Die UVP habe solche Aspekte nicht korrekt analysiert. Vor allem aber habe sie als Alternative nur eine Null-Variante in Betracht gezogen, quasi ein Weiter-wie-bisher. Der Mouvement dagegen hat umfassende Vorschläge vorgelegt, wie man den Verkehrsfluss der PKW und den öffentlichen Nahverkehr so verbessern könnte, dass sich eine Umgehungsstraße erübrigen würde. Vorschläge, die in der UVP nicht berücksichtigt wurden.

Interessant ist, dass der Mouvement diese lokale Angelegenheit in einen breiteren Kontext setzt. So führt er den „Plan sectoriel paysages“ an: „Innerhalb des Grüngürtels (zone verte interurbaine) sind weitere Zerschneidungen durch Verkehrsstraßen landespflegerisch nicht wünschenswert.“ Die von François Bausch eingeleitete Mobilitätswende wird mit Lob bedacht, aber um die Forderung ergänzt, „dass jedes geplante Straßenprojekt sehr kritisch auf seine Notwendigkeit untersucht werden sollte“. Außerdem verlangt die NGO, bei allen Infrastrukturprojekten die in Paris beschlossenen Klimaschutzziele zu berücksichtigen.

Mini-Nordstrooss-Fiasko?

Führt man sich die dafür notwendigen Umwälzungen vor Augen, so sind die im Rahmen der Null-Plus-Variante vorgeschlagenen Projekte weniger verwegen, als sie auf den ersten Blick erscheinen: Einrichtung einer Busspur und eines Radweges in der engen Ortsdurchfahrt, sofortiger Bau mehrerer Park and Rides, Steigerung der Transportkapazität auf der Petinger Eisenbahnstrecke, Verbot von LKW-Transitverkehr in Bascharage, generelle Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene. Der Bau des Peripheriebahnhofes Hollerich schließlich könnte schon in der Umsetzung begriffen sein, wenn die Regierung nicht vor zwei Jahren am falschen Ende gespart hätte.

Für die Grünen ist diese Umgehungsstraße in gewisser Weise ein Lackmustest für den Sinn einer Regierungsbeteiligung als Juniorpartner. Dafür, dass er die Nordstraße einweihen musste – bei der mittlerweile offenkundig ist, dass sie die Verkehrsprobleme nicht gelöst hat – konnte der grüne Minister nichts. Nun kann er zeigen, dass es ihm ernst ist mit der Mobilitätswende – andernfalls wird einer seiner Nachfolger den „Contournement François Bausch“ einweihen müssen.


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