Von MĂ€deln und Alphatieren

von | 07.02.2018

Der Antisemitismus ist zentraler Bestandteil der Programmatik der österreichischen Regierungspartei FPÖ, der Antifeminismus ebenso. Der Bezug auf die Volksgemeinschaft fungiert dabei als Scharnier.

Antifeministische VorkĂ€mpferin: Anneliese KitzmĂŒller (FPÖ), dritte NationalratsprĂ€sidentin und Mitglied des Gremiums zur Umsetzung des österreichischen Regierungsprogramms. (Bildquelle: Wikimedia)

Die Soziologin Karin Stögner von der UniversitĂ€t Wien analysiert in der woxx von kommendem Freitag die Programmatik der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und kommt zu dem Schluss, Antisemitismus und Antifeminismus gehörten fest zum Weltbild der FPÖ, wobei das Bekenntnis zur Volksgemeinschaft das Scharnier zwischen beiden bilde. „WĂ€hrend der Antisemitismus mittlerweile meist eher verschleiert wird, treten Sexismus und Antifeminismus in der FPÖ offen zutage“, so Stögner.

Neben den mĂ€nnlichen Parteimitgliedern, die von MĂ€nnern als „Alphatieren“ schwadronieren, betĂ€tigen sich auch weibliche FPÖ-Abgeordnete in antifeministischer Agitation, wie die Wiener Soziologin zeigt. Als prominentes Beispiel verweist Stögner auf Anneliese KitzmĂŒller, dritte NationalratsprĂ€sidentin und Mitglied eines neu installierten Gremiums zur Umsetzung des Regierungsprogramms. Abseits ihrer politischen Funktionen ist die ehemalige FPÖ-Familiensprecherin Vizeobfrau der „MĂ€delschaft Iduna zu Linz“.

Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen der FPÖ und der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) war Anneliese KitzmĂŒller fĂŒr Frauen- und Familienangelegenheiten zustĂ€ndig. Schon 2015 sprach sich die Politikerin gegen das Adoptionsrecht homosexueller Paare aus. Ein solches „Konstrukt“ bezeichnete sie als „ungeeignet fĂŒr die Psyche der Kinder“. Einige Passagen des Regierungsprogramms trĂŒgen unverkennbar KitzmĂŒllers Handschrift, so Stögner. Zum Beispiel, wenn prominent die „Besonderheit beider Geschlechter“ als „Mehrwert fĂŒr die Gesellschaft“ hervorgehoben werde. „Die Verschiedenheit von Mann und Frau zu kennen und anzuerkennen, ist ein Bestandteil menschlichen Lebens und damit unantastbar mit der WĂŒrde des Menschen verbunden“, sei im Abschnitt „Frauen“ zu lesen.

„Wider die Natur“

Darin spiegle sich auch die Grundhaltung der FPÖ zu GeschlechterverhĂ€ltnissen wieder, so Stögner und verweist auf das „Handbuch freiheitlicher Politik“. Hier werde beispielsweise darauf bestanden, dass die eindeutige GeschlechtsidentitĂ€t mit den traditionellen Rollen von Natur aus festgelegt sei. Sie aufzuweichen, sei also wider die Natur. Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern und Partnerinnen werde ebenso abgelehnt wie deren Recht auf Adoption. Die FPÖ begreife Gender Mainstreaming nicht als Gleichstellungsstrategie, sondern als ein Instrument zur Verwischung eindeutiger GeschlechtsidentitĂ€ten, womit die Zerstörung kultureller IdentitĂ€t einhergehe. Ziel von Gender Mainstreaming sei die Schaffung eines „neuen Menschen ohne feste GeschlechteridentitĂ€t“ und die „Abschaffung der Familie“.

Diese Ideen schlĂŒgen sich nun auch im Programm der neuen Regierung nieder, so Stögner: „Leistungen zur Familienförderung sollen erhöht, ArbeitslosenunterstĂŒtzung und Sozialhilfe hingegen gekĂŒrzt werden. WĂ€hrend Arbeitslose unter Generalverdacht gestellt werden, sich ‚durchzuschummeln‘, wird die Prokreation der ‚einheimischen‘ Bevölkerungsgruppe propagiert.“

Den Artikel von Karin Stögner lesen sie am Freitag in der gedruckten Ausgabe der woxx.

Dat kéint Iech och interesséieren

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #388 – Blutspende: Anhaltende Diskriminierung

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. Erst im Mai hat das Luxemburger Rote Kreuz erneut Alarm geschlagen wegen niedriger Blutreserven – und das, obwohl potenzielle Spender hierzulande nach wie vor diskriminiert werden. Schwule und bisexuelle MĂ€nner mĂŒssen nĂ€mlich seither 12 Monate zölibatĂ€r leben,...

INTERGLOBAL

Globale ErnĂ€hrung: Der Preis des KunstdĂŒngers

Die Blockade der Straße von Hormuz, steigende DĂŒngerpreise und der Klimawandel drohen, eine weltweite Nahrungskrise auszulösen. Die spĂ€tkapitalistische Landwirtschaft hĂ€ngt existenziell von fossilen EnergietrĂ€gern ab und produziert nicht nur Nahrung, sondern zugleich die Bedingungen ihrer eigenen Destabilisierung.

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #387 – KI-Wahn: Wann wird aus einem Etwas ein Jemand?

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. Et ginn Ă«mmer mĂ©i Berichter iwwer Leit, dĂ©i duerch d'Notzung vu KI-Chatbots a WahnzoustĂ€nn gerĂ©ie sinn. MĂ€ wĂ©i genau geschitt dat? A firwat versoen d'SĂ©cherheetsmecanisme vun dĂ«se Systemer? D'Melanie Czarnik huet mam Psychiater a Psychotherapeut Marc Augustin...