Der Antisemitismus ist zentraler Bestandteil der Programmatik der österreichischen Regierungspartei FPĂ, der Antifeminismus ebenso. Der Bezug auf die Volksgemeinschaft fungiert dabei als Scharnier.

Antifeministische VorkĂ€mpferin: Anneliese KitzmĂŒller (FPĂ), dritte NationalratsprĂ€sidentin und Mitglied des Gremiums zur Umsetzung des österreichischen Regierungsprogramms. (Bildquelle: Wikimedia)
Die Soziologin Karin Stögner von der UniversitĂ€t Wien analysiert in der woxx von kommendem Freitag die Programmatik der Freiheitlichen Partei Ăsterreichs (FPĂ) und kommt zu dem Schluss, Antisemitismus und Antifeminismus gehörten fest zum Weltbild der FPĂ, wobei das Bekenntnis zur Volksgemeinschaft das Scharnier zwischen beiden bilde. âWĂ€hrend der Antisemitismus mittlerweile meist eher verschleiert wird, treten Sexismus und Antifeminismus in der FPĂ offen zutageâ, so Stögner.
Neben den mĂ€nnlichen Parteimitgliedern, die von MĂ€nnern als âAlphatierenâ schwadronieren, betĂ€tigen sich auch weibliche FPĂ-Abgeordnete in antifeministischer Agitation, wie die Wiener Soziologin zeigt. Als prominentes Beispiel verweist Stögner auf Anneliese KitzmĂŒller, dritte NationalratsprĂ€sidentin und Mitglied eines neu installierten Gremiums zur Umsetzung des Regierungsprogramms. Abseits ihrer politischen Funktionen ist die ehemalige FPĂ-Familiensprecherin Vizeobfrau der âMĂ€delschaft Iduna zu Linzâ.
Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen der FPĂ und der konservativen Ăsterreichischen Volkspartei (ĂVP) war Anneliese KitzmĂŒller fĂŒr Frauen- und Familienangelegenheiten zustĂ€ndig. Schon 2015 sprach sich die Politikerin gegen das Adoptionsrecht homosexueller Paare aus. Ein solches âKonstruktâ bezeichnete sie als âungeeignet fĂŒr die Psyche der Kinderâ. Einige Passagen des Regierungsprogramms trĂŒgen unverkennbar KitzmĂŒllers Handschrift, so Stögner. Zum Beispiel, wenn prominent die âBesonderheit beider Geschlechterâ als âMehrwert fĂŒr die Gesellschaftâ hervorgehoben werde. âDie Verschiedenheit von Mann und Frau zu kennen und anzuerkennen, ist ein Bestandteil menschlichen Lebens und damit unantastbar mit der WĂŒrde des Menschen verbundenâ, sei im Abschnitt âFrauenâ zu lesen.
„Wider die Natur“
Darin spiegle sich auch die Grundhaltung der FPĂ zu GeschlechterverhĂ€ltnissen wieder, so Stögner und verweist auf das âHandbuch freiheitlicher Politikâ. Hier werde beispielsweise darauf bestanden, dass die eindeutige GeschlechtsidentitĂ€t mit den traditionellen Rollen von Natur aus festgelegt sei. Sie aufzuweichen, sei also wider die Natur. Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern und Partnerinnen werde ebenso abgelehnt wie deren Recht auf Adoption. Die FPĂ begreife Gender Mainstreaming nicht als Gleichstellungsstrategie, sondern als ein Instrument zur Verwischung eindeutiger GeschlechtsidentitĂ€ten, womit die Zerstörung kultureller IdentitĂ€t einhergehe. Ziel von Gender Mainstreaming sei die Schaffung eines âneuen Menschen ohne feste GeschlechteridentitĂ€tâ und die âAbschaffung der Familieâ.
Diese Ideen schlĂŒgen sich nun auch im Programm der neuen Regierung nieder, so Stögner: âLeistungen zur Familienförderung sollen erhöht, ArbeitslosenunterstĂŒtzung und Sozialhilfe hingegen gekĂŒrzt werden. WĂ€hrend Arbeitslose unter Generalverdacht gestellt werden, sich âdurchzuschummelnâ, wird die Prokreation der âeinheimischenâ Bevölkerungsgruppe propagiert.â

