Wie die Nordstad zur Parkstad werden soll

Ein neues landesplanerisches Leitbild und ein Mobilitätskonzept sollen die Nordstad zum dritten urbanen Entwicklungspol des Landes machen. Claude Turmes und François Bausch sind dieser Tage auf Tour, um den Bürger*innen das schmackhaft zu machen.

So könnte die verkehrsberuhigte Nordstad in Erpeldingen aussehen. (Grafik: Ministère de la Mobilité et des Travaux publics)

Seit Jahren arbeiten die fünf Gemeinden der Nordstad – Bettendorf, Diekirch, Erpeldingen an der Sauer, Ettelbrück und Schieren – daran, die Region zu einem urbanen Zentrum zu machen. Ganz abseits der Frage, ob sich die Einwohner*innen in einem Referendum für eine Fusion aussprechen, wird an einem einheitlichen landesplanerischen Leitbild gearbeitet. Um den zu präsentieren, touren Mobilitätsminister François Bausch und Landesplanungsminister Claude Turmes (beide Déi Gréng) durch die Nordstad.

Die erste Informationsversammlung zum „Leitbild Nordstad 2035“ fand am Montag, dem 4. Oktober in Diekirch statt. Turmes hatte also Heimvorteil, der – eher ungewohnt für den Minister – auch dialektal zur Geltung kam: „Dir wësst, wéi sching d’Nordstad ass.“ Er präsentierte den landesplanerischen Teil des Leitbildes. Die stärkere Urbanisierung der Nordstad soll nicht etwa eine graue Betonwüste zur Folge haben, sondern der gesamte Naturraum soll zu einem „großflächigen Landschaftspark“ verbunden werden. Hochwasserschutzmaßnahmen wie Renaturierungen, aber auch die Verlegung von Verkehrsflächen sollen dazu führen, dass mehr Naherholungsgebiete entstehen. So soll die Sauer wieder zum Flussbaden einladen und in den Städten sollen „Pocket Parks“ für mehr Grün sorgen.

Der Platz dafür soll durchaus auf die Kosten des Autoverkehrs gehen: „Park statt Parkplatz“ lautet das Motto. Dennoch sieht das Verkehrskonzept für die Nordstad auch viele neue Straßen vor: Ettelbrück und Diekirch sollen von zwei „Nah-Umgehungsstraßen“, die vor allem durch Tunnel fahren sollen, vom Verkehr entlastet werden. In den Ortskernen könne dann, so Bausch, „wenn die Gemeinden das wollen“, Verkehrsberuhigung umgesetzt werden. Nur: Wenn die Nordstad-Gemeinden das nicht wollen, wird das Konzept nicht aufgehen, denn es lebt davon, dass Autofahren etwas komplizierter, dafür der öffentliche Verkehr und die aktive Mobilität gefördert wird.

Eine Fahrradschnellstraße soll die Nordstad miteinander verbinden und so gelegen sein, dass die immer häufiger über die Ufer tretenden Wassermassen von Alzette und Sauer sie nicht überschwemmen – zusätzlich sollen alle lokalen und nationalen Fahrradwege angebunden werden. Für die vieldiskutierte Zugstrecke zwischen Ettelbrück und Diekirch wurde nun auch eine Lösung gefunden: In Ingeldorf, wo sie aktuell die Ortschaft in der Mitte durchschneidet, soll sie verlegt werden. Außerdem sollen zwei Haltestellen, in Ingeldorf und Erpeldingen, hinzukommen. In letzterer Ortschaft soll außerdem ein Umsteigeknoten entstehen, um eine bessere Anbindung in alle Landesteile zu gewährleisten.

Das Leitbild wurde unter Einbeziehung zweier Bürger*innenbefragungen erstellt, die Detailplanung soll nun in gemeinsamen Arbeitsgruppen von den Nordstadgemeinden und dem Staat ausgearbeitet werden. Und was denken die Bürger*innen? Das Echo während der Veranstaltung in Diekirch war durchweg positiv, wenn es auch viele Fragen und Ängste gab – vor allem vor Straßentunnel und mehr Verkehr. Der mögliche Wegfall von Parkplätzen war jedoch, etwas erstaunlich, kein Thema.

Die nächsten Informationsversammlungen sind am 7. Oktober im Cape in Ettelbrück, am 11. Oktober im Centre culturel et sportif in Erpeldingen, am 13. Oktober im Centre polyvalent in Bettendorf und am 18. Oktober im Alen Atelier in Schieren. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, die Veranstaltungen werden auf transports.public.lu gestreamt. Eine Simultanübersetzung auf Französisch ist gewährleistet.


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