PUNK: Doch, doch

An diesem Freitag wird das Jugend- und Kulturzentrum Exzellenzhaus (Ex-Haus) in Trier zwei deutschen Punkbands die Bühne überlassen. Das Trio Nein Nein Nein aus Mönchengladbach sowie A. Martinez aus dem Saarland werden demonstrieren, wie man auf Deutsch Klartext redet und rockt.

Einem bekannten Internet-Wörterbuch nach sind ein „provozierendes Aussehen, eine rebellische Haltung und nonkonformistisches Verhalten“ charakteristisch für den Punk. Man könnte es auch als Mut zum Neinsagen zusammenfassen. Das Hardcore-Punk-Trio Nein Nein Nein hat sich diese Attitüde nicht nur musikalisch zu Herzen genommen, sondern auch gleich wortwörtlich auf die Fahnen geschrieben. Nicht-Initiierten der Szene mag dieses Ensemble unbekannt sein, dennoch sind die Rheinländer seit dem verhältnismäßig großen Erfolg ihrer ersten Platte „Deine Szene ist ein Zombie“ eine überregionale Größe, die auch in der (Fach-)Presse gewürdigt werden. Ihre jüngste Veröffentlichung, die Split-LP/CD „Bombing your Kleinstadt“, teilen sie sich mit den Kollegen von Kaput Krauts und präsentieren auf dieser Platte neben neuen Songs auch Coverversionen bekannter deutscher Punkbands wie Amen 81 und EA 80. Die letztgenannte zählt zu den ältesten Punkbands Deutschlands und stammt ebenfalls aus Mönchengladbach. Der Stil des Trios ist nicht unbedingt innovativ, dennoch besticht er durch Energie und Frische. Außerdem gilt die Band als ein mehr als überzeugender Live-Act, der mit einem sympathischen Auftreten und einem mitreißenden Set das Publikum zu begeistern weiß. In ihren Texten greifen die Drei nicht nur die „üblichen“ sozialkritischen Themengebiete auf, sie beschäftigen sich auch mit persönlicheren, beziehungstechnischen Fragen, wie etwa dem großen Rätsel „Warum stehen alle tollen Frauen auf Idioten?“. Der Ton ist dabei – Punk oblige – mehr rau als lyrisch. Sie können auch eine Spur grober, etwa wenn sie in „Christen fisten“ Religionskritik der derberen Art betreiben. Die Texte sind jedoch trotz diverser Platitüden auf interessante Weise reflektiert. Ein Beispiel aus dem eben genannten Song: „Du erkennst die hypothetische Natur aller Erkenntnis vor allem dann an, wenn es sich um den Glauben anderer handelt.“ Allgemein kann man sagen, dass Nein Nein Nein eine erfrischende Tiefgründigkeit in ihren Songs verarbeitet, auch wenn diese – rein akustisch – für das ungewohnte Laienohr schwer zugänglich sind.

Im Vorprogramm tritt das saarländische Quartett A. Martinez auf; auch diese jungen Männer präsentieren griffige Punksounds, die nach eigenen Angaben unter anderem wie der Wodka der letzten Nacht klingen oder wie Winter ohne Sport. Seit 2003 tritt die Band in der heutigen Besetzung auf, wenn auch erst seit Sommer 2006 unter dem jetzigen Namen. Die, die früher unter dem Namen Die Motten auftraten, können sich auf genügend Live-Erfahrung verlassen, wenn es darum geht, das Trierer Publikum zu begeistern.

Die kleine Anekdote zum Schluss: Dass der neue Bandname eher an Kalifornien als an Deutschland erinnert, erschließt sich Neugierigen nach einer kleinen Recherche. A. Martinez ist nämlich kein anderer als der Schauspieler, der in der 80er-Kult-Soap „Santa Barbara“ den Cruz
Castillo gab … und wie heißt noch mal die Myspace-URL der Band?

Nein Nein Nein (D), A. Martinez (D):
19.10. 2007 Ex-Haus Trier, 20h.
www.neinneinnein.com
www.myspace.com/cruzcastillo


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