FLUGVERKEHR: Asche auf mein Haupt

von | 23.04.2010

Die teuerste Wolke der Weltgeschichte zieht gerade über Europa. Und erinnert daran, dass die Luftfahrtbranche ein recht wackliges Standbein für die Luxemburger Wirtschaft ist.

Verbieten erlaubt. Die Sperrung des Luftraums war zwar nur kurz, könnte aber jederzeit wieder einsetzen.

„Wäre nicht eine Debatte sinnvoll, welcher Ausbau, welche zusätzlichen staatlichen Investitionen in einem fragilen Sektor opportun sind?“ Diese Frage warf der Mouvement écologique am 14. April in einem Pressekommuniqué zum Ausbau des Cargobereichs am Findel auf. Wie fragil dieser Sektor ist, zeigte sich zwei Tage später, als über ganz Europa Flugverbote ausgerufen wurden – als seien der Vulkanausbruch und die Aschewolke vom Mouvement bestellt.

Dabei hatte die Umwelt-NGO eher wirtschaftliche Schwierigkeiten gemeint: Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe den Luxemburger Luftfrachtsektor besonders heftig getroffen. In der Tat vermeldet die Firma Cargolux für das Jahr 2009 einen Rekordrückgang des Umsatzes um 34 Prozent, was über 100 Millionen Euro Verluste mit sich brachte. Darüber hinaus führte das Mouvement-Kommuniqué steigende Energiepreise und zu erwartende Klima-Abgaben als Risikofaktoren an – Bedrohungen, die die Luftfahrtbranche durch geschicktes Lobbying abzuwenden hofft.

Was sich dem Lobbying entzieht, sind allerdings unvorhersehbare Ereignisse wie die Attentate vom 11. September 2001 und der isländische Vulkanausbruch. Laut dem internationalen Luftfahrtverband trifft letztere die Branche sogar härter als seinerzeit die Anschläge in den USA: 250 Millionen Dollar Verluste pro Tag aufgrund der Flugverbote. Verständlich, dass die Airlines Druck gemacht haben, diese aufzuheben – mit dem Argument, die Gefährlichkeit der Asche sei nicht erwiesen. Im Zweifelsfall übervorsichtig zu sein, das wurde im Nachhinein den politischen EntscheidungsträgerInnen im Falle der Schweinegrippe vorgeworfen. Diesmal wurde nach einigem Zögern für eine Aufhebung der Flugverbote entschieden – mit dem Risiko, dass der nächste Flugzeugabsturz die europäische Luftfahrt für Wochen lahmlegt.

Auch der Standort Findel bekam die Folgen der Flugverbote zu spüren. Laut Luxemburger Wort kosteten die Flugausfälle die Firma Luxair-Cargo täglich etwa 100.000 Euro. Für Lux-airport habe der Schaden pro Tag bei 600.000 Euro gelegen. Richtig teuer sei es für Cargolux geworden: „Hier beträgt der Verdienstausfall täglich zwei Millionen Euro. Hundertzehn Cargoflüge musste das Luxemburger Unternehmen streichen.“

Was schlecht ist für den Flugverkehr, ist gut für den Klimaschutz, hebt die Website „wir-klimaretter.de“ hervor: Mehrere Millionen Tonnen CO2 würden so eingespart. Das sei zwar wenig, aber mehr als Nichts, denn eine Megatonne CO2 entspreche etwa dem jährlichen Ausstoß von 500.000 Autos. Der indirekte Effekt für den Klimaschutz dürfte noch größer sein. Schließlich lehrt uns die Begegnung mit der Aschewolke, dass es fast ganz ohne Flugzeuge geht – und was die Alternativen sind. Für den Gütertransport – gegebenenfalls auch für goldene Statuen – reichen Schiffe, Busse und idealerweise Züge können den Personenverkehr auf mittleren Distanzen übernehmen, und ein Teil des Langstrecken-Personenflüge lässt sich durch Videokonferenzen ersetzen. Angewiesen auf schnelle Fortbewegung sind vor allem Aktivitäten wie der der Formel-1-Wanderzirkus – dem der Mouvement bestimmt keine Träne nachweinen würde.

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