ORCHESTRE PHILHARMONIQUE DU LUXEMBOURG: Standpauke für mehr Geld

Dem „Orchestre philharmonique du Luxembourg“ bleiben die Sponsoren aus. Der Premier rüffelt deshalb die Banken – und beweist einmal mehr sein Kurzzeitgedächtnis.

Im Kulturbereich herrsche offenbar das „loi du fric“, schlussfolgerte ein sichtlich verärgerter Premier beim letzten Pressebriefing vor den Sommerferien. Jean-Claude Juncker kritisierte die Sponsoringträgheit insbesondere vieler Finanzinstitute im Großherzogtum. Deren Benehmen sei überaus lamentabel. Da diese vom Land profitierten, könnten sie auch zu einer Gegenleistung bereit sein, so die staatsministerielle Argumentation. Hintergrund für die wortgewaltige Sponsorenschelte: Der Regierungsrat hat einer Erhöhung des gesetzlich vorgesehenen Höchstbetrags für die staatliche Subvention des „Orchestre philharmonique du Luxembourg“ zugestimmt, weil diesem die Sponsoren fehlen.

„Wir fühlen uns davon wenig berührt“, sagte Jean-Louis Margue auf die Frage, wie die Banque Générale du Luxembourg den Rundumschlag des Staatsministers einordnet. Man sei, so der Generalsekretär der Bank, mit dem OPL immerhin seit Jahren verbunden. Das luxemburgische Geldinstitut zählte drei Jahre lang zu den Hauptsponsoren der „Henri-Pensis-Stiftung“. Bis Ende der Saison 2000/2001 unterstützte es über die Stiftung die Luxemburger Philharmoniker mit rund 124.000 Euro jährlich (5 Millionen LUF). Jetzt allerdings ist der Sponsorenvertrag ausgelaufen, und eine Verlängerung zu gleichen Konditionen ist nicht geplant.

Nicht viel anders sieht es beim größten Mäzen, der „Sociéte européenne des Satellites“ (SES-Astra), aus. Der Fünf-Jahres-Vertrag, demzufolge die SES dem OPL mit rund 250.000 Euro jährlich unter die Arme griff, lief ebenfalls vor einem Jahr aus. Man werde künftig die Stiftung punktuell unterstützen, so SES-Marketingchef Jean-Paul Hoffmann. Ebenso wie die Banque Générale begründet auch die SES ihren Rückzug aus einem kontinuierlichen Sponsoring damit, die alte Regelung sei ohnehin als eine Art „Anschubfinanzierung“ gedacht gewesen.

Allerdings: Gewisse Kräfteverhältnisse – der Luxemburger Staat ist der größte Aktionär bei der SES – dürften ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle dabei gespielt haben, dass überhaupt ein Sponsorenvertrag zustande kam. Inzwischen überwiegen jedoch offensichtlich Rentabilitätsüberlegungen, darauf deutet neben dem Ärger des Premiers auch die Aussage von Hoffmann selbst hin: „Das Orchester ist kein Instrument, mit dem wir unsere Kundschaft ohne Weiteres ansprechen können.“

Die ausfallenden Sponsorengelder haben ernsthafte finanzielle Folgen: Erstmalig seit Bestehen des OPL im Rahmen der größtenteils staatlich bezuschussten „Henri-Pensis“-Stiftung im Jahr 1996 konnte das Budget im Jahr 2001 nur mit der „aide complementaire“ ausgeglichen werden. Diese staatliche Finanzspritze in Höhe von 1.859.201 Euro hatte der Gesetzgeber für den Fall vorgesehen, dass der staatliche Sockelbetrag von 5.577.605 Euro nicht ausreichen sollte (die Stadt Luxemburg ist mit etwa 533.000 Euro dabei).

OPL – bald in den roten Zahlen?

Auch wenn der diesjährige Haushalt gesichert ist: Sechs vakante Stellen, geplante Auslandsreisen ins östliche Europa und nach China, um das internationale Renommee zu festigen, sowie neue Einspielungen für die prämierte Klassik-Diskografie drohen die Stiftung in die rote Zahlen zu bringen. Zudem bedeutet die Verpflichtung des Gastdirigenten Emmanuel Krivine und des britischen Stardirigenten Bramwell Tovey, an seiner alten Wirkungsstätte im kanadischen Winnipeg übrigens nicht nur als großartiger Musiker gefeiert, sondern auch für die millionenschwere Verschuldung des „Winnipeg Symphony Orchestra“ verantwortlich gemacht, steigende Gehälterkosten.

Der Generaldirektor des OPL, Benedikt Fohr, verweist darüber hinaus auf laufende Tarifverhandlungen für einen neuen MusikerInnen-Kollektivvertrag. Sollten die Philharmoniker künftig wie „chargés de cours“ im Konservatorium bezahlt werden – eine langjährige Forderung – würden die jetzt bereits 67 Prozent des Gesamtbudgets ausmachenden Personalkosten weiter ansteigen. „Wir haben zwar eine gewisse Flexibilität durch den Grundstock, aber die Bilanz des letzten Jahres zeigt, dass das Budget erhöht werden muss“, erklärt Fohr. Kein Wunder, dass beim Finanzminister die Alarmglocken klingeln.

Zweifel ignoriert

Diese hätten allerdings schon viel früher läuten können: Bei den Verhandlungen zur Überführung des ehemaligen RTL-Orchesters in eine staatlich finanzierte Stiftung im Dezember 1995 hatte der grüne Abgeordnete Robert Garcia bezweifelt, dass die einmal ausgehandelte Haushaltssumme tatsächlich langfristig ausreichen würde und zudem genügend Sponsoren geworben werden könnten. Eine Einschätzung, welche die zuständige Ministerin Erna Hennicot-Schoepges allerdings nicht teilte und in den Wind schlug. Diese orientierte sich lieber an dem sich auf beachtliche 22 Prozent belaufenden Anteil von Sponsorengeldern am Kulturbudget 1995. Wohlgemerkt, das war das Jahr, in dem Luxemburg europäische Kulturstadt war und ein erhöhtes Marketing den Unternehmen im Großherzogtum besonderen, weil internationalen Erfolg versprach.

Garcia wies auch auf eine andere Problematik hin: Indem sich der Staat mit großen Summen finanziell an die Stiftung binde, verringere sich die Förderung anderer, kleinerer Kulturprojekte. Eine Kritik, die KünstlerInnen seit Jahren äußern und die mit den jüngsten Entwicklungen neue Nahrung erhalten dürften. Trotz generell eher sinkendem Sponsoreninteresse und steigenden Kosten will Generaldirektor Fohr verstärkt auf private Geldgeber setzen. „Mein Ziel ist es, die Eigenfinanzierung, die bisher bei 15 Prozent liegt, auf 25 Prozent zu erhöhen.“ Seinen Optimismus begründet Fohr, der zuvor Generalsekretär bei der Salzburger Camerata war, mit internationalen Vergleichen und aktuell steigenden Verkaufszahlen: Nachdem das Abonnementangebot in flexiblere „Päckchen“ umgeschnürt wurde, seien der Verkauf um 28 Prozent gestiegen. Mehr Flexibilität im „Sponsorship“, mit stärker auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen GeldgeberInnen zugeschnittenen Verträgen, soll auch skeptische SponsorInnen von der Förderung des luxemburgischen Aushängeschilds für klassische Musik überzeugen.


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