DÉI LÉNK UND KPL: Konjunktur für Links

Die Resultate zeigen: Auch in Luxemburg verhilft die Krise linker Kritik zum Aufschwung. Das dürfte nicht nur die LSAP nachdenklich stimmen.

Freudige Mienen gab es am Wahlabend in der Escher „Maison du peuple“, als die Wahlresultate der großen Proporzgemeinden eintrudelten. „Déi Lénk“ hatten sich zwar im Vorfeld optimistisch gezeigt, in eine Reihe von Gemeinderäten einzuziehen, dennoch waren viele Mitglieder vom Ausgang positiv überrascht. „Nein, dieses Resultat hatten wir nicht erwartet,“ unterstrich eine langjährige Militantin. Bei manchen mischte sich in die Begeisterung wohl auch Erleichterung: André Hoffmann etwa, Stimmenmagnet der Linken, dessen Rückzug aus der Gemeindepolitik von der Basis mit Sorge betrachtet worden war, wirkte sichtlich entspannt. Von den sechs Proporzgemeinden, in denen die Partei angetreten war, ist es nur in Hesperingen nicht gelungen, einen Sitz zu erringen. In zwei Gemeinden konnte sie sogar zwei Sitze einheimsen, nämlich in Luxemburg und in Esch-Alzette (mit dem Künstler Thé’d Johanns als neuem zweiten Mann). Wie es der Escher Spitzenkandidat Marc Baum gegenüber RTL recht flapsig ausdrückte: „Mir hunn ouni Änder e bessert Resultat agefuer wéi mat Änder.“

Bislang weniger beachtet als Esch, aber ebenso symptomatisch für die Stärkung der Linksbewegung in den urbanen Zentren, ist die Hauptstadt. Dort konnte sich neben dem woxx-Journalisten David Wagner, der einen Achtungserfolg erzielte, auch der Gewerkschaftler Justin Turpel durchzusetzen. Ob er seinem einstigen FNCTTFEL-Kameraden, dem grünen Schöffen François Bausch, das Leben schwer machen wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen, weil sein Job als Gemeindebeamter mit dem kommunalen Mandat nicht vereinbar ist. An seine Stelle würde wohl der Sekundarschullehrer und SEW-Gewerkschaftler Guy Foetz treten. In Düdelingen und in Differdingen wurden mit Mars Lorenzini und Jeannot Logelin zwei Ex-Grüne auf linken Listen gewählt, was wohl auch den in die politische Mitte gerückten Grünen zu denken geben dürfte. Doch auch in zwei ländlichen Majorzgemeinden konnte die Linke mit Léon Rippinger in Esch-Sauer (von Amts wegen gewählt) und Suzette Serres-Schannel in Bettendorff ihre Sitze verteidigen.

Trotzdem ist für die Linke nicht alles eitel Sonnenschein. Denn die Hoffnung, diese Wahlen würden endlich auch das definitive Verschwinden der KPL herbeiführen, wurde enttäuscht. „Der erste große Wahlerfolg seit über 20 Jahren“ titelte am Dienstag die „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollék“ zu den drei neuen kommunistischen Mandaten. Auch wenn die drei älteren Herren ? der Zeitung-Direktor Aly Ruckert in Differdingen, der nationalistisch angehauchte Zénon Bernard in Esch und der pensionierte Koch Edes Peiffer – wohl kaum als Hoffnungsträger für eine erneuerte KPL gelten können, machen die errungenen Mandate doch deutlich, dass es weiterhin ein Reservoir an LinkswählerInnen gibt, die sich dem Arbeitermilieu verpflichtet fühlen und denen „Déi Lénk“ zu intellektuell sind.

Und noch ein Schönheitsfehler ist beim Wahlsieg der Linken nicht zu übersehen: die Abwesenheit von Frauen und NichtluxemburgerInnen unter den Gewählten in den Proporzgemeinden. Dass unter den neu Hinzugekommenen nur Männer sein würden, war freilich zu erwarten. „Déi Lénk“ hat es in den letzten Jahren versäumt, Frauen gezielt zu unterstützen und aufzubauen. Und so festigt sich auch hier die männliche Dominanz in den Parteistrukturen, die es ihrerseits interessierten Frauen in Zukunft immer schwerer machen wird, sich Platz zu verschaffen. Gleiches gilt für die ausländischen Kandidaturen, die wohl wie bei den anderen Parteien nur Alibi-Funktion hatten.

Während „Déi Lénk“ in Esch von Seiten der Wahlgewinnerin LSAP ebenfalls in Koalitionsverhandlungen mit einbezogen wurden, werden sie in den Proporzgemeinden doch vor allem Oppositionsarbeit zu leisten haben – und dabei vor allem LSAP und Grüne unter Zugzwang bringen. Dabei wird sich nun aber auch zeigen, ob sie ihren eigenen Anspruch erfüllen kann, sozialistisches und gewerkschaftliches Engagement mit ökologischem bzw. bürgerrechtlichem Gedankengut zu verbinden.


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