EVENT: Mehr als Varieté

Unter der Ägide des TROIS C-L findet noch bis zum 27. Mai das „Danz Festival Lëtzebuerg“ statt. Neben dem CarréRotondes in Hollerich wird diesmal auch auf der Bühne der Bannanefabrik in Bonneweg getanzt.

Tanzendes Gender-Phänomen :
Das Duo Delgado und Fuchs.

Im Retrostyle mit varietéartigen Kostümen lockt das Danz Festival Lëtzebuerg in seiner achten Auflage auf seinem Programmheft: ein Tänzer in baby-blauem Anzug und Zylinder und eine Tänzerin im blass-rosa 1960er-Jahre Kleid. In seiner Choreografie, die am 25. Mai aufgeführt wird, setzt sich das belgisch-schweizerische Duo Delgado und Fuchs humorvoll mit Körperkult und klassischen Rollenbildern auseinander. Szenische Bühnenkonventionen werden in dem Stück mit dem Zungenbrecher „Manteau long en laine marine porté sur un pull à encolure détendue avec un pantalon peau de pêche et des chaussures pointues en nubuck rouge“ ironisch hinterfragt. Was auf den ersten Blick geradezu trashig anmutet, versteht sich als zeitgenössische Reflexion über die Art und Weise, sich auf der Bühne zu geben, und Zwänge, denen sich Schauspieler und Tänzer ausgesetzt sehen.

Um das Ausloten der eigenen Grenzen, dem Spiel mit Identitäten, persönliche Erinnerungen und die Reise ins Ich geht es an allen vier Abenden auf den beiden Bühnen. Den Auftakt bildet die Choreographie „Score“ des Franzosen Yuval Pick, Direktor am „Centre Chorégraphique National de Rillieux-la-Pape“. Pick war in Luxemburg bereits auf dem Tanzfestival vor drei Jahren mit einer eindrucksvollen Performance vertreten. Inspiration zog der gebürtige Israeli aus einer Reise in sein Herkunftsland. Alltagseindrücke, Geräusche und Schnappschüsse, die er dort einfing, fließen in „Score“ ein. Seine 55-minütige Tanzperformance ist ein Mosaik der Eindrücke in ein Land, das vom Konflikt geprägt ist und in dem die Anspannung im Alltag das Leben der Menschen bestimmt.

Dass das 2007 begonnene Konzept der vernetzten Grenzregion zumindest beim Tanz noch immer funktioniert, beweist das interdisziplinäre Projekt „Bleistiftmusik“, eine Co-Produktion der Tufa Trier mit der Europäischen Kunst Akademie. Das Stück ist das Resultat einer kreativen Zusammenarbeit zwischen dem Zeichner und Dozenten für Aktmalerei Wolfgang Mannebach und dem Tänzer und Choreographen Reveriano Camil. In der 75-minütigen Performance am 26. Mai fließen die drei Kunstformen Tanz, Malerei und Musik zusammen. Als Tagebuch seiner Residenzen als Tänzer in Frankreich und Luxemburg will Gianfranco Celestino schließlich seine Choreographie „Carnet de Voyage/Travel diaries“ verstanden wissen. Sein Gedächtnis begreift der Künstler als Koffer, der sich mit jeder Etappe seines Aufenthalts und jeder Erfahrung mit Erinnerungsstücken gefüllt hat. So schöpft er aus seinem persönlichen Gepäck, um in seinem Stück eine Collage aus Erinnerungen an Plätze und Begegnungen mit Menschen zusammenzustellen.

Workshops in Modern Jazz und zeitgenössischem Tanz unter der Leitung von Angelo Monaco und Peter Mika runden das Festival ab. Wer an einem Workshop teilnimmt, erhält außerdem freien Zutritt zu sämtlichen Veranstaltungen. Ganz im Zeichen des argentinischen Tango stehen schließlich die letzten beiden Tage, an denen neben Workshops unter der Leitung von Judit Somos auch die Abschlussparty am Sonntag, den 27. Mai ab 22h im Carré Rotondes steht.

Danz Festival Lëtzebuerg bis zum 27. Mai im CarréRotondes und in der Bannanefabrik.


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