BADEGEWÄSSER: Weniger ist nicht mehr

von | 13.07.2012

Statt die Wasserverschmutzung zu bekämpfen, wird in Luxemburg einfach das Baden verboten. Auch beim Radtourismus liegt einiges im Argen.

FOTO: DÉI GRÉNG

Wetterbedingt ist zurzeit Duschen angesagt, doch wer in den kommenden Wochen in Luxemburg bleibt, freut sich natürlich schon aufs Baden. Vor allem im Ösling gibt es viele schöne Stellen, wo man in Seen und Flüssen schwimmen kann. Besser gesagt: könnte, nämlich wenn die Wasserqualität stimmen würde.

Auf diesen für den Tourismus problematischen Sachverhalt haben die Grünen am vergangenen Montag in Weilerbach mit einer Freiluft-Pressekonferenz aufmerksam gemacht. VertreterInnen der Bezirke Norden und Osten von „Déi Gréng“ kritisierten das an der Untersauer seit 1989 bestehende Badeverbot, das vor allem durch den Zufluss der Alzette in Erpeldingen verursacht sei. Denn dieser Fluss führe die Abwässer von 75 Prozent der Bevölkerung mit sich, sodass ein erheblicher Nachholbedarf bei den Kläranlagen bestehe.

Doch auch die Badeplätze an der Our und an der Obersauer seien in den vergangenen Jahren als nicht hinreichend sauber bewertet worden. Nun habe das Wasserwirtschaftsamt die Zahl der offiziellen Badeplätze drastisch reduziert: Übrig blieben nur noch zwölf Stellen an den Seen in Weiswampach und Remerschen sowie am Stausee. Das werde zur Folge haben, dass die anderen ab 2013 im EU-Gewässerbericht nicht mehr auftauchen, kritisieren die Grünen diesen „Griff in die Trickkiste“. Luxemburg hatte in den vergangenene Jahren bei dieser Bestandsaufnahme schlecht abgeschnitten. Doch die Deklassierung ist in den Augen der Kritiker keine Lösung: „Damit wäre zwar die trübe Badegewässer-Bilanz mit einem Streich geklärt, Our und Sauer blieben aber weiterhin verschmutzt.“ Die Vorgehensweise der Behörden hat sogar dazu geführt, dass das Abwassersyndikat des Nordens Siden in Brüssel eine Klage eingereicht hat.

Déi Gréng schlagen vor, das Wasserwirtschaftsamt finanziell und personell so aufzustocken, dass man Mängel im Abwasserbereich erfassen und neue Käranlagen zügig bauen lassen könne. Damit die Luxemburger Fließgewässer den von der EU-Wasser-Rahmenrichtlinie (WRR) ab 2015 vorgeschriebenen „guten Zustand“ erreichen, sei eine „Offensive für Gewässerschutz“ notwendig. Außerdem habe die nach vollen 19 Jahren erfolgte verspätete Umsetzung der Nitrat-Richtlinie zu stark erhöhten Nitratwerten geführt. Zu guter Letzt erneuerten die Grünen ihre Forderung nach „kostendeckenden und transparenten Abwasser- und Trinkwasserpreisen“ in allen Gemeinden – eine mittlerweile heftig umstrittene Vorgabe der neoliberal geprägten WRR (woxx 1170).

In Weilerbach ging es Déi Gréng aber nicht nur um Gewässerschutz und Badetourismus, sondern auch um den Radtourismus. Der Teil des Sauer-Radwegs, der Diekirch mit Echternach verbindet, sei seit Jahren durch Bauarbeiten unterbrochen. Dies zeigt in den Augen der Günen, wie wenig die „enormen Potenziale, die im Fahrradtourismus schlummern“, in Luxemburg erkannt werden. Sie führen eine Studie zu den regionalwirtschaftlichen Effekten des deutschen Mosel-Radwegs an, die einen Umsatz von über 90 Millionen Euro im Jahr in der Tourismusbranche errechnet hat. Doch in Luxemburg weise das Radwegenetz Lücken auf, sein Unterhalt sei mangelhaft und eine umfassende Vermarktung des Fahrradtourismus werde nicht betrieben – zum großen Nachteil der kleinen und mittleren Tourismusbetriebe.

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