ARBEIT IM ALTER: Ausrangiert?

Die Wirtschaft schätzt die Kompetenzen Älterer noch viel zu gering, wie aus einer Ceps-Instead-Studie hervorgeht. Damit sich hier etwas ändert, muss bei den über 50-Jährigen mehr in die Weiterbildung investiert werden.

Zu alt und zu teuer sind die „alten Hasen“. Wer heute mit über 50 seinen Job verliert, hat auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt schlechte Karten. Diese Feststellung wird auch durch die neue Studie des Ceps Instead bestätigt. Die Analyse mit dem Titel „Travailleurs âgés au Luxembourg – Evolution de leur profil entre 2003 et 2011“ hat sich mit den älteren ArbeitnehmerInnen beschäftigt und ihre Profilentwicklung seit 2003 untersucht.

Den Anstoß zu dieser Untersuchung hat – neben dem demografischen Wandel – das EU-Jahr „du vieillissement actif et de la solidarité entre les générations“, gegeben; zudem plant das Arbeitsministerium, 2012 ein neues Gesetz einzubringen, das helfen soll, ältere Arbeitnehmer im Arbeitsleben zu behalten.

Laut der Ceps-Statistik sind 2011 rund 19 Prozent der Arbeitnehmer des Privatsektors rund 50 Jahre und älter gewesen. Diese Zahl habe sich in den vergangenen zehn Jahren um 1,5 vervielfältigt – denn 2003 stellten sie nur 13 Prozent dar. Die meisten älteren ArbeitnehmerInnen sind unter den luxemburgischen Einwohnern zu finden, jedoch nehme der Anteil der Grenzgänger und Zugezogenen zu. Frauen über 50 stellten 2011 rund 16 Prozent (2003: 10 Prozent) gegenüber 19 Prozent bei den Männern (2003: 15 Prozent). Entgegen den Erwartungen weisen der Transport- und Kommunikationssektor sowie das Dienstleistungsgewerbe den geringsten Anteil an älteren ArbeitnehmerInnen auf. Weitere Sektoren, in denen Ältere kaum die 15 Prozent-Marke überschreiten, sind der Immobilien- und Dienstleistungsbereich für Firmen sowie die Finanz- und Gastronomiebranche.

Große Unternehmen mit 150 und mehr Angestellten beschäftigen jeweils nur 18 Prozent ältere Mitarbeiter. Dennoch engagieren diese Firmen – von denen es 288 in Luxemburg gibt  – rund 40 Prozent der Gesamtheit der älteren Arbeitnehmer. Die restlichen 60 Prozent sind also in kleineren Firmen angestellt. Die jeweilige Anzahl der „Senioren“ in diesen Betrieben ist jedoch gering: Rund 53 Prozent der Firmen mit weniger als 150 Angestellten haben überhaupt keinen älteren Mitarbeiter, 28 Prozent einen einzigen und 13 Prozent zwei bis vier. Da sich das geplante Gesetz des Arbeitsministeriums nur auf Firmen mit über 150 Mitarbeitern bezieht, sind Reformen – denkbar ist eine Quote für Ältere – also auch in den kleinen Firmen dringend erforderlich.

Fachkräftemangel, demografischer Wandel (immer weniger Jüngere müssen die Renten für immer zahlreichere und langlebigere Ältere erwirtschaften), ein höheres Renteneintrittsalter – Arbeitsmarktexperten sind sich sicher, dass wir es uns auf Dauer nicht leisten können, ältere Arbeitnehmer einfach in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Doch diese Erkenntnis ist in den Betrieben noch nicht angekommen, hier gilt die alte Volksweisheit „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

Aber Hans kann durchaus noch lernen, nur eben anders als Hänschen. Daher spricht nichts dagegen, dass jemand mit 50 noch einen Ausbildungsberuf ergreift. In Deutschland gibt es zum Beispiel Senior-Azubi-Programme für Bäcker, Konditoren und Fachverkäuferinnen oder Ausbildungen zur Pflegefachkraft. Die Bildungsvoraussetzungen müssten anders gestaltet werden als nach dem traditionellen Schema der langen Vorbereitungszeit aufs Berufsleben mit anschließender jahrzehntelanger Konzentration auf Erwerbsarbeit und Familie. Auch wäre – angesichts der heutigen Situation, in der die einen zu viel arbeiten und die anderen keine Arbeit finden – grundsätzlich darüber nachzudenken, wie die Arbeit zwischen den Generationen und der Beitrag zur Versorgung von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen gerecht verteilt werden könnten.


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