GENERIKA: Gleich, ähnlich oder grundverschieden?

von | 19.10.2012

Lobby gegen Lobby, viele Fragen und mangelnde Transparenz, das offenbarte das von der Patiente Vertriedung organisierte Rundtischgespräch zu den Generika.

Haben Generika die gleiche therapeutische Wirkkraft wie die Originalmedikamente? Stehen sie am Beginn einer Zweiklassenmedizin, in der sich nur noch Wohlhabende Originalmedikamente leisten können? Wer überwacht die Qualität der Generika? Wer kommt für Folgeschäden auf, die aus der Medikamenteneinnahme resultieren können? Das sind nur einige der Fragen, die René Pizzaferri, Präsident der Patiente Vertriedung diese Woche bei dem Rundtischgespräch „La substitution des médicaments originaux par des génériques“ stellte. Die Runde der geladenen Experten – fast ausnahmslos Männer – umfasste Gewerkschaftsvertreter, Wissenschaftler, Ärzte, Apotheker und den Gesundheitsminister; Repräsentanten der Pharmaindustrie fehlten jedoch.

Ausgangspunkt der Debatte war das Gesetz „portant réforme du sys-tème de soins de santé“, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist und das die Erstattung der Generika durch die Krankenkasse vorsieht. Ziel der Neuerung ist, die Ausgaben der Gesundheitskasse (CNS) zu senken. Denn die Aufwendungen der CNS für Arzneimittel sind in den vergangenen Jahren explodiert. Die Liste der Generika, die bei der Rückerstattung als Berechnungsgrundlage dienen soll, wird zurzeit im Gesundheitsministerium ausgearbeitet. Verlangt ein Patient in der Apotheke künftig das Originalmedikament, so bekommt er es – zurückerstattet wird von der Gesundheitskasse aber nur der Preis für das Generikum.

Dass die Gesundheit der Patienten durch die Verbreitung der günstigeren Generika gefährdet wird, verneinte Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo entschieden. Man sollte die Generika nicht per se als Gefahr hinstellen. „Ich will die Generika nicht bewerben, ich will nur das beste Medikament zum besten Preis“, so Di Bartolomeo. Das Gesundheitsminis-terium verfahre mit großer Vorsicht. Vorgesehen sei keine generelle Verabreichung von Generika, vielmehr würden diese entsprechend ihrer Qualität ausgewählt. Der Minister appellierte an die Pharmakonzerne, aktiv zu werden, wenn der Patentschutz ihrer Medikamente verfällt, um so den Kopierern keine Chancen zu geben. „Wir wollen nicht die Kopie, wenn man das Original haben kann“, betonte Di Bartolomeo. Doch müssten auch die Preise stimmen.

Danielle Becker-Bauer von der „Association pharmaceutique luxembourgeoise“ betonte, dass es bei der Verschreibung der Medikamente nicht nur um die Substanzen an sich, sondern auch um deren Dosierung gehe. Wichtig sei die Frage, wo die Medikamente hergestellt werden. „Ist der Markt wirklich so transparent, wie er vorgibt zu sein?“, fragt Becker-Bauer. Für die Vereinigung der Apotheker verschärfe sich angesichts der zunehmenden Auswahl an Produkten die Herausforderung, korrekt informiert zu sein, um Verwechslungen ausschließen, die Kranken korrekt informieren und sie über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufklären zu können. Viele Patienten fänden sich in der ganzen Debatte zwischen Generika und Originalmedikamenten nicht mehr zurecht. Jean Huss von der Patiente Vertriedung verwies in seinem Beitrag auf das Problem der Intransparenz, das bereits bei den Originalmedikamenten bestehe. So nähmen Pharmafirmen Einfluss auf Studium und Weiterbildung der Ärzte. „Ich verteidige weder die Generika noch die Originalmedikamente; wenn man Kritik an den Generika für berechtigt hält, muss man auch von den Praktiken der Pharmaindustrie bei den Originalmedikamenten reden“, forderte Huss. So habe das in den USA jüngst vom Markt genommene Präparat Vioxx des Merck-Konzerns zwischen 1999 und 2003 fast 28.000 Todesfälle durch Schädigung des Herzens verursacht.

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