BLUES-FESTIVAL: Déifferdeng got the blues

Zum 10. Mal findet am 13. Juli der „Blues-Express“ statt. Internationale Größen treffen in der Minette-Stadt zusammen, um Jazz, Blues und Funk aufleben zu lassen.

Die serbische Blues-Gitarristin und Sängerin Ana Popovic ist ein rockiges Energiebündel
und gerngesehener Gast auf hiesigen Bühnen.

Bluestexte sind düster, drehen sich oft um Resignation, finanzielle Not, Einsamkeit und gescheiterte Liebesaffären. Das Klischee hauptsächlich traurige Musik zu produzieren haftet dem Blues bis heute an. So wie Differdingen seinen Ruf der heruntergekommene Arbeiterstadt nur schwer abschütteln kann. Vielleicht ist es deshalb kein Wunder, dass Differdingen den Blues regelrecht lebt.

Lokale Stars, wie Remo Cavallini, einer der aktivsten und talentiertesten Blues-Gitarristen und Songwriter Luxemburgs haben hier ihre Wurzeln. Differdingen, das vielleicht auf den ersten Blick nicht viel zu bieten hat, versprüht jedoch aus allen Ecken und Winkeln den Charme einer Stahlarbeiterstadt und bekennt sich durch Events wie den „Blues-Express“ und ein ambitioniertes Ausstellungsprogramm selbstbewusst zu seinem industriellen Erbe und deren historischen Stätten.

Denn bei genauem Hinhören erweist sich der Blues als so vielschichtig, wie die kleine Stadt im Süden des Landes. Blues ist nicht monoton und trist – es muss keineswegs als Spiegelbild des Niedergangs gedeutet werden. Blues kann wild und dynamisch sein. Politisch progressiv und interkulturell. So wie die Stadt selbst, die in diesem Jahr in der 10. Auflage des „Blues-Express“ auf elf Bühnen in Fonds-de-Gras und Lasauvage, mit jungen Stars wie Ana Popovic aufwartet. Der serbischen Blues-Gitarristin und Sängerin, die sich in der deutschen und niederländischen Blues-Szene einen Namen machte, gelang vor allem mit ihrem Album „Hush“ der internationale Durchbruch. Ihr Drummer Tony Coleman zählt zu den weltbesten R&B Schlagzeugern und tourte schon mit B.B. King. Oder Candy Dulfer. Die niederländische Saxofonistin wurde Ende der 1980er Jahre an der Seite von Dave Stewart mit dem Hit „Lily was here“ bekannt. Mit dem Album „Saxuality“ wurde sie 1991 weltberühmt. Heute tritt sie an der Seite von Prince oder Van Morrison auf.

Aber auch die Band des Texaners Memo Gonzalez spielt in der ersten Liga und ist durch ihr Plattenlabel vor allem in der deutschen Blues-Szene bekannt. Memo Gonzalez & The Blues Orchestra spielen energiegeladenen Blues, Swing und Rock’n Roll. Mit dem in der Jazz-Szene als „Funk-König“ bekannten schwedischen Gitarristen Paulo Mendonça ist beim Blues-Express außerdem ein Musiker mit portugiesischen Wurzeln mit an Bord, der unter anderem schon mit Tina Turner tourte. Bei dieser Aufstellung braucht man sich nicht zu wundern, dass der Blues-Express im letzten Jahr 12.000 Besucher nach Differdingen zog.

Drei Ausstellungen rund um die Stahlindustrie haben ihre Türen in der Nacht des „Blues-Express“ bis 1 Uhr morgens geöffnet. In der « Salle des Pendus» stellt Misch Feinen Stahl-Skulpturen und Installationen sowie Zeichnungen und Photographien rund um das historische Erbe aus. Der Künstler hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um seine Kunstwerke an die ehemaligen Umzugskabinen der Minenarbeiter und die Beschaffenheit des alten Werksaals anzupassen. An der Place Saintignon in Lasauvage stellt der Fotograf Claude Piscitelli eine Auswahl der besten Momente des Festivals des letzten Jahres aus. Die „Konscht am Minett 7“ versammelt Werke von 27 Künstlern in der Halle Paul Wurth in Fond-de-Gras. Darüberhinaus öffnen die beiden Museen „Eugène Pesch“ in Lasauvage sowie die Galerie „Hondsbësch“ ihre Türen und bieten damit die Möglichkeit, der Geschichte der Minenarbeiter und den Geschehnissen im 2. Weltkrieg nachzuspüren.

In Fonds-de-Gras erinnern Skulpturen im Freien wie ein Teil einer Walzstraße an die mehr als 100 Jahre alte Industriegeschichte. Die beiden Ortschaften Lasauvage und Fonds-de-Gras werden die ganze Nacht über mit der „Minièresbunn“, der kleinen historischen Eisenbahn miteinander verbunden sein. Die Bahnverbindung führt durch die alten Eisenerzstollen bis zu 90 Meter unter den Boden. So kann man eintauchen – in den Blues, wie in die Vergangenheit der Stahlindustrie.

www.bluesexpress.lu


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