JUNGE KANDIDATEN: Frischer Wind?

Unter dem Motto „So jung treffen wir uns nicht mehr“ veranstaltete „De Wahlbureau“ zusammen mit public forum einen Diskussionsabend mit dem Nachwuchs der Parteien. Dabei zeigte sich, dass die jungen KandidatInnen in erster Linie ein Abbild der Parteigranden sind.

Die Ängste der Jugend sind ein kleines Spiegelbild der Gesellschaft. Denn es sind die Sorgen von morgen, die auch die „Alten“ treiben. Zugleich liegt in den jugendlichen Nachwuchskräften Potenzial, sind sie doch, so abgedroschen es auch klingt, die Zukunft der Parteien. Aber darf man in Luxemburg auf einen Politik(er)wechsel und frischen Wind hoffen? Wird die Jugend andere Schwerpunkte setzen? Fragen, die sich auch die „Equipe vum Wahlbureau“ stellte, eine Gruppe motivierter Journalisten, die bereits in ihrer Sendung auf Radio Ara während des Wahlkampfs junge KandidatInnen auf ihre Ambitionen und politischen Ziele hin abgeklopft hatte.

Nette Plauderrunde

Verglichen mit den Elefantenrunden und Rundtischgesprächen der letzten Wochen lief diese Runde relativ entspannt ab. Kein allzu großer Leistungsdruck lastete auf den KandidatInnen, und die vielen jungen Leute, die gekommen waren, wollten Gina Arvai (Déi Gréng), Christian Kirpach (Déi Lénk), Marc Ruppert (DP), Cátia Gonçalves (LSAP), Jerry Weyer (Piratenpartei), Joé Thein (ADR) und Sarah Grevig (PID) einfach zuhören und ihnen Fragen stellen. Vielleicht lag es am geringen Druck, oder weil sich eine Woche vor den Wahlen ein gewisser Überdruss angesichts der Inflation an Table Rondes eingestellt hatte, dass die Debatte weniger erhitzt geführt wurde und eher eine nette Plauderrunde war, bei der allerdings der Redeanteil der beiden Polit-Profis Jerry Weyer und Cátia Gonçalves dominierte. Allenfalls beim Thema Jugendarbeitslosigkeit wurde ein breiter Konsens und vielleicht etwas wie Solidarität untereinander spürbar, wusste jeder doch über eigene Erfahrungen oder die von Bekannten zu berichten. Und der Vorschlag der DP, den Mindestlohn für junge Arbeitslose zu reduzieren, stieß auf einhellige Kritik.

Unterschiedlich sahen die Nachwuchskräfte Förderung und Chancen innerhalb ihrer jeweiligen Partei. Während Cátia Gonçalves selbstkritisch eingestand, dass die Jungen heute im Wahlkampf „etwas auf der Strecke blieben“, hielt Marc Ruppert von der DP seiner Partei auch in dieser Frage die Treue. Erfrischend authentisch waren die Beiträge von Christian Kirpach, der die Gestaltungsmöglichkeiten der Jugendlichen bei Déi Lénk lobte und kein Hehl daraus machte, dass er beim Bier am Tresen rekrutiert worden war. Zumindest halbwegs kontrovers wurde über die Funktion von politischen Inhalten in den Social Media diskutiert – ein Feld, auf dem sich Piratenchef Jerry Weyer natürlich profilieren konnte. Die Idee einer grünen Facebook-Kampagne zum Rücktritt Luc Friedens ergab ein Für-und-Wider; einhellig war dagegen die Meinung, dass man wirkliche Inhalte möglichst nicht über Facebook transportieren sollte. Beim Thema Gleichstellung konnten Cátia Gonçalves und Gina Arvai überzeugen, wenngleich die Diskussion auch hier recht schematisch ablief und im Grunde keine neuen Ansätze neben der Quote sichtbar wurden. Daneben gab es wenig frischen Wind. Die jungen KandidatInnen spulten im Wesentlichen einfach Versatzstücke aus ihren Parteiprogrammen ab. Am offensivsten Joë Thein, der am Ende den ADR-Wahlslogan vollständig herunterbetete und immer wieder betonte, dass „Werte“ für seine Partei und die Entwicklung der Gesellschaft wichtig seien. Um welche Werte es sich dabei handelt, wollten die Anwesenden dann aber doch lieber nicht wissen. Aber auch DP-Kandidat Ruppert war wenig glaubwürdig und reproduzierte zum Thema Schule lediglich den Allgemeinplatz, dass nun eine halbe Reform in der Luft hänge. So erwiesen sich die meisten der jungen KandidatInnen in erster Linie als kleine Kopien der Großen ihrer Parteien.

Er vermisse bei den Jugendlichen insgesamt Autonomie und die Neugierde an wirklichen Inhalten, warf Luc Heuchling von der Uni Luxemburg ein. Möglicherweise ist genau das das Manko. Erziehen die Parteien ihre Nachwuchskräfte zu Parteisoldaten, oder ordnen diese sich selbst unter, um es innerhalb der Partei zu einem Posten zu bringen? Ein neuer Politikertypus scheint jedenfalls in Luxemburg nicht in Sicht.


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