JEAN-CLAUDE WOLFF (1961-2014): Alte Schule, wacher Geist

von | 06.02.2014

Am Freitag vergangener Woche verstarb völlig unerwartet der Radiojournalist Jean-Claude Wolff. Die woxx verdankt dem selbstlosen, sozial engagierten Vollblutjournalisten so manches – auch wenn er eher diskret im Hintergrund (mit-)wirkte.

FOTO: S.I. STEINFORT, 2010

Als der woxx-Vorgänger „GréngeSpoun“ vor gut zwei Jahrzehnten um die Anerkennung als „organe d’information politique, social et culturel“ ringen musste, war Jean-Claude Wolff einer der ersten – von wenigen – „Berufs“-Journalisten, die ihre Namen unter eine entsprechende Petition an den damaligen Minister für Kommunikation, Jacques Santer, setzten. In den folgenden Jahren kreuzten sich die Wege des vom Tageblatt zum 100,7 gewechselten Journalisten mit denen der GréngeSpoun- bzw. woxx-Redaktion mehrfach.

Als Anteilseigner beteiligte er sich regelmäßig an den, in den schweren Anfangsjahren immer wieder notwendig gewordenen, Kapitalerhöhungen der Kooperative. Er stellte sich in so mancher Umbruchphase als Berater zur Verfügung und fungierte auch das eine oder andere Mal als Heftkritiker  – zu einer Zeit, in der wir, die jungen und unerfahrenen Neulinge, sehr darauf angewiesen waren, uns Rat bei einem alten Hasen zu holen.

Sein enzyklopädisches Wissen bezüglich der Luxemburger Politik und sein akribisch geführtes Privatarchiv waren mehr als einmal von großem Nutzen, wenn es galt, jungen Nebeneinsteigern im Beruf die richtigen und wichtigen Pisten aufzuzeigen.

Ohne erhobenen Zeigefinger

Als er vor etwa zehn Jahren im Zusammenhang mit der Reform des Pressegesetzes zum Opfer eines regelrechten Putsches innerhalb der Luxemburger Journalistenvereinigung wurde – der er damals als Präsident vorstand -, folgte das Gros der woxx-Redaktion wie selbstverständlich seinem Ruf nach der Gründung eines neuen, von bestimmten Verlagshäusern unabhängigen Verbandes. Sein journalistisches, aber auch sein soziales Engagement zielte immer darauf ab, den Medienpluralismus zu wahren und den Status der JournalistInnen, auch als ArbeitnehmerInnen, zu stärken.

Dabei scheute er sich nicht, seine KollegInnen auf Fehler oder falsche Interpretationen in ihren Beiträgen hinzuweisen, und trat auch wiederholt in einen intensiven Mail-Austausch ein, wenn es darum ging, Sachverhalte präzise nachzuzeichnen – so etwa mit dem Schreiber dieser Zeilen, der in der letzten Weihnachtsnummer den Anfang der „dritten Option“ im Zusammenhang mit dem Besuch des Religions- oder Moralunterrichts zeitlich falsch eingeordnet hatte.

Er selber verstand es, seine unaufgeregten, analytisch weitausholenden Beiträge von seiner politischen Gesinnung, aus der er kein Hehl machte, zu trennen. Sein bisweilen trockener, dafür aber umso subtilerer Humor machte ihn zu einem Kollegen, der einem so manche berufsbedingte Wartezeit auf angenehme und zudem lehrreiche Art und Weise zu überbrücken half.

Sein Engagement in der Salariatskammer verdeutlichte seine politische Verortung auf Seiten der Gewerkschaftsbewegung, bot ihm aber auch die Möglichkeit, sein fundiertes Wissen bei der Ausarbeitung der oft umfangreichen Gutachten zu den anstehenden Gesetzesreformen einzubringen.

Wo er politisch stand, wurde auf unvergessliche Weise klar, als er einmal in einer jener berüchtigten langwierigen und wenig ergiebigen Sitzungen des Presserats angerufen wurde und aus seinem Handy in voller Lautstärke die Internationale ertönte. Es dauerte einige lange Sekunden, bis das Entsetzen in den Gesichtern so mancher Anwesenden einem aufgesetzten Lächeln wich und Jean-Claude seine ganz persönliche Genugtuung mit einem unauffälligen Augenzwinkern in Richtung seiner Gesinnungsgenossen zu erkennen gab.

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